Lokalsport

Der Frühaufsteher hebt ab

Medaillenkandidat Manuel Fumic fliegt morgen zu den Olympischen Spielen

Noch einmal schlafen, dann geht‘s los: Mountainbiker Manuel Fumic startet morgen als Kirchheims große Medaillenhoffnung bei den Olympischen Spielen Richtung Peking.

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Peter Eidemüller

Kirchheim. Früher Vogel fängt den Wurm – dieses Motto hat auch Manuel Fumic bei seiner Olympiavorbereitung für sich entdeckt. Um dem Zeitunterschied zwischen Deutschland und China ein Schnippchen zu schlagen, ist der Kirchheimer Mountainbike-Profi in den vergangenen Tagen jeden Morgen eine Stunde früher aufgestanden. „Dann gewöhne ich mich in Peking schneller an die Umstellung“, hofft er.

Ausgeschlafen sein – bei seinen zweiten Olympischen Spielen ein wichtiger Faktor, denn auf der anspruchsvollen Strecke am Laoshan Mountain im Westen Pekings wird am 22. August vor allem die Tagesform entscheiden. „Das ist ein kraftbetonter Kurs, der mir als kleinerem Fahrer entgegenkommt“, sagt Fumic über die Strecke, die er als einer der wenigen bereits persönlich in Augenschein nehmen konnte: Im vergangenen Herbst durfte er am Rande eines Testrennens der Frauen-Elite ein paar Runden dort drehen.

Seitdem ist viel passiert: Zwischen dem Streit mit dem BDR und der NADA und dem Hickhack um seine Olympia-Nominierung sorgte der 26-Jährige auch für positive Schlagzeilen, als er vor drei Wochen zum ersten Mal in seiner Karriere Deutscher Meister wurde – ein Erfolg, der nicht von ungefähr kam: Fumic ist bekannt dafür, seine Rennen mit Bedacht auszuwählen und dann entsprechend zuzuschlagen. „Ich kann mich auf Highlights konzentrieren“, sagt er.

Was zu Hause in Kirchheim im gewohnten Umfeld gut klappt, wird vor Ort in Peking sicherlich schwieriger: Manuel Fumic ist mehr oder weniger auf sich allein gestellt, nachdem sein Mechaniker und sein Physiotherapeut zu Hause bleiben müssen. „Klar hätte ich lieber mein Team dabei gehabt, aber die Leute vom BDR kenne ich ja auch schon eine Weile.“ Viel schwerer wiegt für ihn der Fakt, dass Bruder Lado nicht mit ins Reich der Mitte darf – der Deutsche Olympische Sportbund entschied sich bekanntlich gegen eine Nominierung des 32-Jährigen. Stattdessen erhielten der Neustädter Wolfram Kurschat und der Freiburger Moritz Milatz ein Olympia-Ticket, obwohl beide die Nominierungskriterien nicht erfüllt hatten – genau wie Lado Fumic. „Lado hätte sich in Peking vollkommen für mich aufreiben können“, bedauert Manuel Fumic die Ausbootung seines Bruders, „aber als Sportler hast du bei solchen Sachen wie Nominierungen wenig zu sagen.“

Nun versucht der „kleine“ Fumic eben in Peking das zu schaffen, was seinem Bruder in Athen und Sydney versagt blieb: Eine Medaille gewinnen. Obwohl sich der Olympiaachte von 2004 einen Podiumsplatz durchaus zutraut, schiebt er die Favoritenrolle lieber weiter: Christoph Sauser (Schweiz) und Julien Absolon (Frankreich) schätzt Fumic am stärksten ein, wobei der Franzose kein Freund von großer Hitze ist – just mit der ist am Laoshan Mountain jedoch stark zu rechnen. „Mir macht das nichts aus, ich mag es, bei Hitze zu fahren“, sagt Manuel Fumic, der kein taktikgeprägtes Rennen erwartet: „Auf dem Kurs musst du von Anfang volle Pulle fahren“, glaubt er, „einen Zufallssieger wird es auf keinen Fall geben.“

Dass ihm ein gebrochener Sattel einen Strich durch Rechnung machen kann, wie Bruder Lado bei Olympia vor vier Jahren, glaubt er übrigens nicht. „Die Strecke ist nicht so materialanfällig wie die in Athen“, sagt Manuel Fumic, der sich am morgigen Samstag mit dem Flugzeug von Frankfurt aus nach Asien aufmachen wird. Wie schon Kirchheims zweiter Olympiafahrer, Tobias Unger, werden auch Fumic und die anderen vier BDR-Fahrer erst einen Abstecher nach Japan machen, „um uns dort zehn Tage lang zu akklimatisieren und das harte Training der vergangenen Wochen zu kompensieren“, wie er sagt. Am übernächsten Sonntag geht‘s dann weiter nach Peking, wo er auch endlich sein Wettkampfrad in Empfang nehmen wird. „Das wurde schon Ende Juli nach China geschickt“, erklärt er, „der DOSB hat für so sperrige Sachen wie Räder oder Kanus früh Container organisiert.“

Auch wenn Olympia der unbestrittene Saisonhöhepunkt ist, gehen die Planungen bei Manuel Fumic schon längst weiter. „Nach Peking wollen wir nochmal sechs Wochen lang richtig Gas geben“, verspricht er unter anderem Auftritte bei der Marathon-DM und dem Weltcup-Finale, ehe ab Ende September endlich mal Ruhe bei Manuel Fumic einkehrt: „Mitte Oktober werde ich drei Wochen in Urlaub fahren“, sagt er – spätestens dann braucht er auch nicht mehr jeden Tag so früh aufzustehen.