Lokalsport

Der große Traum vom WM-Trip an die Copacabana

Waschechte Amateurkicker sind's, die die aufstrebende Sportart Beach Soccer ("Strandfußball") hierzulande auf Turnieren präsentieren: Früher kickten Ball-Größen wie Matthäus oder Rummenigge für die deutsche Nationalmannschaft auf Sand, heutzutage vertreten eher unbekannte Cracks das "Team Germany". Zu jenem zählt seit kurzem auch Ex-VfL-Fußballer Walter Rau.

KIRCHHEIM/KÖLN Beach Soccer fehlt hier zu Lande noch die große Akzeptanz: Präsent ist die Sportart in den Print- und Elektronikmedien höchst selten. Nichtsdestotrotz stecken die "Strandfußballer" den Kopf nicht in den Sand: Die Anzahl an Beach-Plätzen, einhergehend mit Beach-Soccer-Turnieren, steigt von Jahr zu Jahr. Und: Auch der noch weitgehend idealistisch geführte Deutsche Beach Soccer Verband (DBSV), noch weitgehend idealistisch geführt und um eine Eingliederung in den Deutschen Fußball-Bund (DFB) kämpfend, hat zum dritten Mal in Folge eine Masters-Serie inklusive eines Final-Turnier um die deutsche Meisterschaft etabliert.

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International ist der Trendsport Beach Soccer einen Schritt weiter. Seit Februar 2005 lanciert der Fußball-Weltverband FIFA unter der Federführung von Josef Blatter Beach Soccer und richtete im Mai an der Geburtsstätte des Sand-Sportes in Brasilien erstmals offizielle Beach-Soccer-Weltmeisterschaften aus in einem mit 10 000 Zuschauern stets prall gefüllten Stadion an der Copacabana. Frankreich ging erstmals als Sieger aus dem Wettbewerb und stahl Neunfach-Weltmeister Brasilien die Show. Bekanntes Zugpferd im Soccerteam der Grande Nation ist Ex-Manchester-United-Star Eric Cantona, der in Marseille eigens einen Stützpunkt für Beach Soccer gründete. Ex-Fußballprofis wie eben Cantona, der Italiener Agostini, der Spanier Butragueno oder auch Romario (Brasilien), um nur einige zu nennen, haben sicher ihren Reiz, doch die Stars der Szene sind waschechte Beach-Soccer-Spieler, die Amarelle (mittlerweile Werbeidol in Spanien) oder Madjer, portugiesischer Top-Scorer, heißen. In Europa sind Nationen wie Frankreich, Portugal, Spanien und Italien führend, teilweise existieren schon fest installierte Arenen am Strand für regelmäßigen Spielbetrieb, auch die Infrastruktur von Beach Soccer in der Halle nimmt stetig zu, sodass auch im Winter "gewühlt" werden kann. Deutschland hinkt dieser Entwicklung etwas hinterher auch ob des Standortnachteils in Sachen Wetter.

Nichtsdestotrotz rekrutiert sich aus einigen Amateurspielern (!), die jahrelange Erfahrung auf Sand sammelten, das Team Germany: Ex-Nationalspieler wie Matthäus, Brehme oder Rummennige hatten Ende der 90er-Jahre auf Sand nicht den gewünschten Erfolg. Dieses Team Germany kämpft derzeit ohne große Aufwandsentschädigungen um internationale Meriten und Anerkennung.

Seit diesem Jahr promotet auch die im Beach-Sport erfahrene Agentur sportsandevents das Nationalteam. Sie macht es sich zum Ziel, im Rahmen der Fußball-WM 2006 in Deutschland eine Beach-Soccer-Großveranstaltung der europäischen Beach Soccer Liga (EBSL) auszurichten. Eben in dieser Liga sorgten die Deutschen in diesem Jahr für Furore. Beim Turnier der Gruppe B in Linz erreichte das Team einen fast sensationellen zweiten Platz, der gleichbedeutend mit der Qualifikation für das europäische Super Final war. Selbiges findet an diesem Wochenende (26. bis 28. 8.) in Marseille statt. Dabei geht es auch um die Qualifikation für die WM in Brasilien.

In der südfranzösischen Metropole bekommen es die qualifizierten Teams aus Gruppe B (Ungarn, Deutschland, Österreich) und C (Schweiz) im Viertelfinale mit den Gesetzten und "Großen" der Gruppe A (Portugal, Spanien, Frankreich, Italien) zu tun. Auf Deutschland warten die Italiener.

Im Team Germany am Ball ist auch VfL-Ex-Fußballer Walter Rau (28), der das Kicken von der F-Jugend an beim VfL Kirchheim praktizierte, ehe er nach drei Aktiven-Jahren studiumsbedingt nach Köln umzog, wo er Sportökonomie/Sportmanagement an der Deutschen Sporthochschule studiert. Als Lehrgangsbester erwarb er vor drei Jahren auch die A-Lizenz, entdeckte den Strandfußball und gründete als Vorsitzender und Spieler den späteren deutschen Meister 2003, den BSC Turbine Köln 02.

In jüngerer Vergangenheit rückte Rau in den Kader des Nationalteams auf und bestritt inzwischen die ersten Länderspiele. Außersportlich widmet der Kirchheimer einen Teil der Freizeit seiner "GbR Beach'N'More", welche Beach-Soccer-Bälle vertreibt und in Kooperation mit Vereinen Beach-Soccer-Camps für Kids veranstaltet. Nun packt der Defensiv-Spezialist die Koffer für den Südfrankreich-Trip. Rau hofft auf einen deutschen Coup und eine weitere Reise-Gelegenheit: Er will zur Beach-Soccer-WM 2006 nach Brasilien.

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