Lokalsport

Der Job geht vor: Karow mit Flug-Verspätung

Der Segelflug-Weltmeister trifft auf der Hahnweide verspätet ein

Am heutigen Samstag gehen die Piloten beim 49. internationalen Kirchheimer Hahnweid-Wettbewerb zum ersten Mal in die Luft – Holger Karow nicht. Der 49-jährige Zweifach-Weltmeister nimmt anstatt im Doppelsitzer in einem Düsseldorfer Schulungsraum Platz. „Dort schule ich in einer Weiterbildungsmaßnahme von Boeing auf Airbus um“, berichtet der Berufspilot der Air Berlin.

Holger Karow.
Holger Karow.

Herr Karow, warum haben Sie sich beim Hahnweid-Wettbewerb eigentlich bei den Doppelsitzern und nicht in der Offenen Klasse, die ja bekanntermaßen Ihre Stamm-Klasse ist, angemeldet?

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Holger Karow: Das hat damit zu tun, dass es bei den Doppelsitzern erfahrungsgemäß einfacher ist, geeignete Flugpartner zu finden. Und ich brauchte dringend einen Partner für die Kirchheimer Wettbewerbswoche, weil ich ja in Düsseldorf diese Weiterbildung habe. Mein Arbeitgeber Air Berlin rüstet seine Flotte um, deshalb müssen wir Piloten jetzt von Boeing auf Airbus umschulen.

Das heißt, Sie starten beim 49. Hahnweid-Wettbewerb später.

Karow: Am kommenden Dienstag treffe ich in Kirchheim ein, am Mittwoch habe ich wahrscheinlich meinen ersten Flug. Bis zum Wettbewerbsende sind meine Frau und ich dann auf dem Hahnweid-Campingplatz untergebracht, wo uns mein Segelflugkollege Tilo Holighaus dankenswerterweise einen Wohnwagen zur Verfügung stellt.

Sie hätten, wie der japanische 15-m-Klasse-Pilot Makoto Ichikawa etwa, komfortabel in einem Hotel übernachten können . . .

Karow: Die Campingplatz-Athmosphäre mit ihrer bekannten Lagerfeuerromantik war uns in diesem Fall lieber. Es macht Spaß, abends mit den Segelflug-Kameraden mal schnell ein Bierchen zu trinken, zu plaudern und Erfahrungen auszutauschen. Auf das Wiedersehen mit einigen ausländischen Piloten freue ich mich diesmal ganz besonders.

Wettbewerbs-Sportleiter Rainer Rauch prophezeite in der Doppelsitzer-Klasse ein Titelduell zwischen dem Wolf-Hirth-Duo Karow/Lodes und den amtierenden Europameistern Janowitsch/Lutz. Wer wird das Rennen machen?

Karow: Die beiden Österreicher sind schon sehr gute Flieger, und wenn mein Team trotz des zusätzlichen Mitwirkens von Uli Schwenk Zweiter würde, wäre ich auch nicht unzufrieden. Mit der Stuttgarter Paarung Gall/Schill muss man allerdings auch rechnen.

Das Hahnweide-Meeting ist Ihre Generalprobe für die deutschen Meisterschaften im sachen-anhaltischen Stendal, wo Sie ab dem 26. Mai wie Vereinskamerad Patrick Puskeiler in der Offenen Klasse starten. Was ist Ihr Ziel?

Karow: Es geht darum, unter die ersten zwei zu kommen. Denn nur die qualifizieren sich für die Segelflug-WM 2017.

Sie sind gebürtiger Hamburger. Auch Fußballfan?

Karow: Natürlich. Von der Ferne verfolge ich den Zweitbundesligisten FC St. Pauli, doch mein Herz schlägt für den HSV. Momentan leide ich ein wenig unter der Abstiegsgefahr, in der die Mannschaft steckt.