Lokalsport

Der Laie staunt, den Fachmann wundert es weniger: Das ...

Der Laie staunt, den Fachmann wundert es weniger: Das Großereignis Fußball-WM rückt nicht nur

BERND KÖBLE

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Tore, sondern auch die Blessuren der Stars in den Blickpunkt des öffentlichen Interesses. Mancher Heilungsprozess erscheint dabei

O:9020603.JP_ fast biblisch rasant zu verlaufen. Prominentestes Beispiel: Englands Stürmer Wayne Rooney, der nach seinem Fußbruch Ende April bereits sechs Wochen später sein nächstes Länderspiel bestritt. Sind Fußballer Übermenschen oder Mannschaftsärzte in der Lage, Wunder zu vollbringen? Weder noch, meint der Kirchheimer Unfallchirurg und Sportmediziner Dr. Friedrich Fink.Herr Fink, haben Profisportler besseres "Heilfleisch" als Normalbürger?Ich denke nicht. Grundsätzlich gilt natürlich, wer mit völlig untrainierter Muskulatur oder gar Übergewicht in eine OP geht, für den gelten grundsätzlich schlechtere Heilungsprognosen als für einen trainierten Patienten. Mit Wunder hat das aber nichts zu tun.Sechs Wochen nach einem Fußbruch wieder im harten Profigeschäft zu stehen, ist doch eher ungewöhnlich?Nicht unbedingt. Der Fuß ist ein komplexes Gebilde. Es kommt immer auf die Art der Verletzung an. Bei einem so bedeutenden Ereignis wie der Fußball-WM werden natürlich auch kleinere Blessuren von den Medien aufgebauscht. Da wird Ballacks harmlose Wadenverletzung zum staatstragenden Ereignis. Viele Patienten würden deshalb vermutlich nicht einmal zum Arzt gehen. Mein Sohn hat erst vor kurzem einen Knochen im Mittelfuß gebrochen. Nach drei Wochen konnte er wieder gehen. Zwei weitere Wochen später war er sportfähig. Sie sehen also: alles ganz normal.Heißt das, dass es zwischen dem Profisportler und dem Kassenpatienten keine qualitativen Unterschiede in der medizinischen Versorgung gibt?Nicht in dem Maß, wie es vermutlich erwartet wird. Natürlich haben Stars wie Rooney oder Ballack einen ganzen Stab medizinischer Betreuer hinter sich, die sich rund um die Uhr um sie kümmern. Die qualitativen Unterschiede in der medizinischen Versorgung fallen jedoch nicht ins Gewicht. Wenn sich ein Profi-Fußballer etwa das Kreuzband abreißt, ist er genauso ein halbes Jahr weg vom Fenster wie der gleichaltrige Nichtsportler. Sind Spitzensportler risikofreudiger, wenn es darum geht, nach Verletzungen möglichst schnell zurückzukehren ?Wenn es wie im internationalen Fußball um sehr viel Geld geht, werden Risiken natürlich eher in Kauf genommen. Die Verantwortung trägt dabei aber immer der Spieler. Ich denke, dass sich in diesem Punkt in den vergangenen 20 Jahren sowohl bei den Vereinen, als auch bei den Aktiven einiges geändert hat. Gerade weil es um so viel Geld geht, ist es für beide Seiten wirtschaftlicher, Weitblick zu zeigen. Geduld bei Verletzungen zahlt sich am Ende meistens aus.