Lokalsport

Der Landrat steht im Wort

Beim 19. „Sportfest der Begegnung“ von Menschen mit körperlichen und geistigen Behinderungen in Ötlingen versprach Landrat Heinz Eininger, persönlich dafür zu sorgen, dass auch die Jubiläumsveranstaltung zum 20-jährigen Bestehen im nächsten Jahr trotz finanzieller Engpässe stattfinden kann.

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KLAUS SCHLÜTTER

Kirchheim. Nur ein kleiner grüner Zettel im DIN-A4-Format an der Glastür weist auf das traditionelle Sportfest in der Ötlinger Eduard-Mörike-Halle hin. Die Atmosphäre ist familiär. Bis auf die Helfer, einige Angehörige und Vertreter von Sport und Verwaltung wie Ortsvorsteher Hermann Kik sind die rund 80 Teilnehmer zwischen sechs und 60 Jahren unter sich. In den vergangenen Jahren waren es deutlich mehr. Doch eine kurzfristige Terminänderung und eine Grippewelle im Wohnheim Göppingen hat die Zahl der Mitwirkenden halbiert. Im Vorraum versorgen ehrenamtliche Helfer des TSV Ötlingen – wie immer in den vergangenen Jahren – die Anwesenden mit Kaffee, Kuchen und belegten Brötchen.

Bei diesem Sportfest, veranstaltet von der Sportkreisjugend (SKJ) Esslingen mit ihrem Leiter Rüdiger Wollenberg und Jugendreferent Roland Mäußnest als umtriebige Organisatoren, steht nicht der Wettkampf im Vordergrund, sondern die gegenseitige Kontaktaufnahme – Miteinander statt gegeneinander lautet das Motto des Nachmittags. Dabei sollen Berührungsängste zwischen Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen abgebaut werden – was beispielsweise in einer Polonaise der Behinderten mit den Mädels der Gymnastik- und der Jazztanzgruppe des TSV Ötlingen, die zum Auftakt mit Vorführungen begeistern, zum Ausdruck kommt.

Auf den einzelnen Stationen des Sportparcours sind die Mitwirkenden mit Feuereifer bei der Sache. Unter ihnen Lisa, ganz sportlich mit Stirnband, in Radlerhose und einem Deutschland-Trikot mit der Rückennummer 13. Lisa ist 14, hat geistige Schwächen und trainiert einmal in der Woche mit der Behinderten-Sportgruppe der TG Nürtingen. Das Sportfest in Ötlingen ist ein Highlight für sie, dem sie schon Tage zuvor entgegen fiebert. Lisa spielt Ball, hüpft auf dem Trampolin, fährt Pedalo und balanciert auf Bänken. Zur Belohnung gibt es eine Urkunde und für ihre Gruppe einen Pokal, den sie voller Stolz mit nach Hause nimmt.

„Sport macht Spaß, vor allem, wenn er ohne Druck ausgeübt wird. Wenn ich sehe, mit welcher Begeisterung die Teilnehmer bei der Sache sind, dann erfüllt diese Veranstaltung jedes Jahr ihren Sinn und Zweck“, betont Landrat Heinz Eininger. Als ehemaliger erster Bürgermeister von Kirchheim war er vor zwei Jahrzehnten einer der „Geburtshelfer“ dieses Sportfests. Beifall ertönt, als er verkündet: „Nächstes Jahr zum Jubiläum sehen wir uns wieder.“

Im Vorfeld hatte Roland Mäußnest noch starke Bedenken geäußert, ob es 2010 eine Fortsetzung geben könne. Vor acht Jahren hat der Landkreis die Zuschüsse gestrichen, seither waren die Macher vom Sportkreis von Jahr zu Jahr auf Betteltour, um die Finanzierung zu sichern. Dabei kostet das Fest die vergleichsweise bescheidene Summe von rund 1 500 Euro. Mit seinem Versprechen, das Geld „irgendwie aufzutreiben“, wischte der Landrat jedoch alle Bedenken vom Tisch. Damit steht Eininger jetzt im Wort.