Lokalsport

Der Letzte macht den Laden dicht

Die Kirchheimer Vereine bekommen zum 1. April die Schlüsselgewalt über die städtischen Sporthallen übertragen. Einem entsprechenden Vertragsentwurf hat der Gemeinderat jetzt seinen Segen erteilt. Die Neuregelung soll den Übungsbetrieb flexibler gestalten und ist zur Probe für sechs Monate befristet.

BERND KÖBLE

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KIRCHHEIM Weniger Bürokratie wagen So könnten in Anlehnung an einen bekannten Politik-Slogan die neu in Aussicht gestellten Freiheiten der Kirchheimer Sportvereine und ihrer Abteilungen überschrieben sein. Wann in den Hallen sich die Türen öffnen oder abends die Lichter ausgehen, soll sich künftig weniger an den Arbeitszeiten der Hausmeister als an den Bedürfnissen der Sportler orientieren. Damit erfüllt die Stadtverwaltung einen langjährigen Wunsch der Vereine nach flexibleren Hallenöffnungszeiten, vor allem in den Abendstunden und während der Schulferien.

Etwa 100 Schlüssel, so schätzt Sportamtsleiter Steffen Weigel, sollen zu Beginn der sechsmonatigen Probephase am 1. April verantwortlichen Personen in den Vereinen, aber auch in Schulen oder Einrichtungen der Erwachsenenbildung wie Familien-Bildungsstätte oder Volkshochschule ausgehändigt werden. Dafür werden derzeit sämtliche Sporthallen der Stadt mit neuen Schließzylindern ausgestattet, um sie von den Schließanlagen der einzelnen Sportstätten abzukoppeln. "Das hat in erster Linie versicherungsrechtliche Gründe", wie Weigel betont.

Was in Einzelfällen bereits formlos und auf dem kleinen Dienstweg praktiziert wurde, soll von April an nun offiziell und für alle gelten. Dafür bedarf es klarer Regeln, festgehalten in einem entsprechenden Vertrag, der am Donnerstagabend im Gemeinderat die letzte Hürde nahm. Darin verpflichtet sich jeder Nutzer zum Führen eines so genannten Mängelbuches, in dem etwaige Schäden oder besondere Vorkommnisse vermerkt werden müssen. Zudem haben die Vereine eine ausreichende Haftpflichtversicherung abzuschließen, für den Fall, dass ein Schlüssel verloren gehen sollte. Ob dies alles funktioniert, muss das nächste halbe Jahr zeigen. "Danach setzen wir uns zur Manöverkritik zusammen und schauen, wo nachgebessert werden muss", meint Weigel, der die Sache mit Zuversicht angeht. "Schließlich muss jeder Verein ein starkes Interesse haben, dass das Modell die Probezeit überlebt." Dass der Startschuss nun erst im April fallen kann, weil die Anfertigung der Schlüssel länger dauert als geplant, wird im Rathaus nicht als Nachteil empfunden. Dadurch habe man Gelegenheit, die Erfahrungen aus den Sommerferien einzubeziehen.

Dass sich die Stadt offen zeigt für neue Wege und den Vereinen dabei einen beträchtlichen Vertrauensvorschuss gewährt, ist nicht ganz so uneigennützig wie es auf den ersten Blick scheint. Rund 37 000 Euro stehen als Aufwandsentschädigung für Mehrarbeit der Hausmeister außerhalb der tariflichen Arbeitszeit alljährlich im Haushaltsplan der Stadt. Diesen Posten hofft man durch mehr Eigenverantwortung der Hallennutzer in Zukunft deutlich reduzieren zu können. "Wenn wir damit Kosten sparen können und uns Hallennutzungsgebühren weiterhin erspart bleiben, ist das ein Beitrag, der sich lohnt", meint Doris Imrich. Die Vorsitzende des VfL Kirchheim unterstreicht jedoch, dass auch der Eigenverantwortung Grenzen gesetzt sind. "Übungsleiter können keine Hausmeister ersetzen." Das gilt vor allem dann, wenn an Wochenenden in den Hallen Spielbetrieb mit hunderten Zuschauern herrscht.

Das sehen wohl auch die Hausmeister so, die dem Modell naturgemäß mit größerer Skepsis begegnen. Zum einen weil sie durch den möglichen Wegfall der Mehrarbeitspauschale am Monatsende weniger Geld in der Tasche haben, zum anderen, weil sie den Kontrollverlust bei möglichen Schäden fürchten. Doch auch hier winkt Steffen Weigel ab: Das Beispiel Hallenbad, wo Ähnliches schon seit Jahren erfolgreich praktiziert wird, zeige, dass das Modell Zukunft haben könnte. Zudem seien sämtliche Hausmeister fest in den Schulbetrieb eingebunden, der den Großteil ihrer täglichen Arbeit bestimme. Weigel: "Um seinen Job braucht deshalb keiner zu bangen."