Lokalsport

Der Lotse bleibt an Bord

Frenkie Ignjatovic schlägt Angebot aus Gießen aus und bleibt bis 2015 Trainer in Kirchheim

Erleichterung bei Fans, Spielern und Funktionären der Kirchheim Knights: Frenkie Ignjatovic hat gestern mitgeteilt, dass er Trainer des Basketball-Zweitligisten bleibt. Ausschlaggebend waren Bekenntnisse von Verein und Stadt, den Erstligaaufstieg mit all seinen Voraussetzungen in den kommenden Jahren ernsthaft in Angriff zu nehmen.

VfL Kirchheim Knights - Essen
VfL Kirchheim Knights - Essen

Kirchheim. Einfach hat er es sich nicht gemacht. „Jede Entscheidung ist leicht und schwer“, beschreibt der Mann, auf dessen Wortmeldung ganz Basketball-Kirchheim seit vergangener Woche sehnsüchtig gewartet hatte, die Beweggründe für den Schritt, an den ganz Basketball-Kirchheim die Hoffnung von der Erstklassigkeit knüpft: Frenkie Ignjatovic bleibt Trainer der Knights. Das hat der 46-jährige Serbe, seit 2008 in Kirchheim tätig, gestern am frühen Nachmittag bekannt gegeben.

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Leicht und schwer – für einen Basketball-Enthusiasten wie Ignjatovic galt es abzuwägen, ob er in den kommenden Jahren aus einem erfolgshungrigen Provinzklub mit semiprofessionellen Strukturen den langen Marsch in die Erstklassigkeit gehen oder sich bei einem arrivierten Verein wie den Gießen 46ern ins gemachte (Profi-)Nest setzen will. Dass seine Entscheidung nun für die Schwaben und gegen die Hessen gefallen ist, zeigt, wie sehr sein Herz an Kirchheim hängt und wie groß seine Bereitschaft ist, an der (Erfolgs-)Geschichte der Knights weiter mitzuschreiben. „Ich hatte nie das Gefühl, dass die Geschichte hier schon zu Ende ist“, sagt er.

Seine Hoffnung, eines Tages mit Kirchheim tatsächlich in der ersten Liga spielen zu können, erhielt dabei in den vergangenen Tagen offenbar immer mehr Nahrung. Nach Gesprächen zwischen Stadt und Verein steht das einvernehmliche Bekenntnis, den Aufstieg mit all seinen Voraussetzungen konkret anzupacken. „Es gibt genug Signale, die mir zeigen, dass man in Kirchheim in absehbarer Zeit eine Mannschaft in die erste Liga bringen will“, so Ignjatovic.

Diese Signale schließen das noch ungelöste Hallenproblem offenbar mit ein. Favorisiert wird eine zweigleisige Variante, in der die Knights im Falle eines sportlichen Aufstiegs so lange in eine erstligataugliche Halle ausweichen, bis in Kirchheim eine gebaut ist. Konkrete(re)s gibt‘s zwar noch nicht, doch versichert Knights-Sportchef Michael Schmauder, dass hinter den Kulissen in Zukunft am großen Rad gedreht werden soll. „Wir wollen in den nächsten Wochen einen Plan erstellen, der uns in den nächsten drei bis fünf Jahren kaufmännisch und organisatorisch erstligatauglich macht.“

Dass er nicht zuletzt wegen dieses Bekenntnisses in Kirchheim bleibt, daraus macht Frenkie Ignjatovic keinen Hehl. „Das Eis beim Tabuthema Erste Liga ist gebrochen. Wenn alle jetzt hart arbeiten, bin ich zuversichtlich, in zwei bis drei Jahren eine schlagkräftige Truppe zusammenzustellen, die um den Aufstieg mitspielen kann.“

Wie ernst es ihm mit diesem Un­terfangen ist, zeigt die Tatsache, dass er auf die Forderung der Knights nach einem Vertrag ohne Ausstiegsklausel eingestiegen ist. Bot sein bisheriger Kontrakt ihm die Möglichkeit zu gehen, falls ein Erstligist lockt, hat sich Ignjatovic nun bis 2015 fest an Kirchheim gebunden. „Unsere Bedingung war ein fix terminierter Vertrag“, erklärt Michael Schmauder, der sich kommende Woche mit Ignjatovic zur Klärung der letzten Details zusammensetzen will. Auch wenn sich die Knights den neuen Vertrag mehr kosten lassen (Schmauder: „Im Rahmen unserer finanziellen Möglichkeiten gab‘s eine Verbesserung für Frenkie“), kann man das Bleiben des Trainers ohne Hintertürchen als gegenseitigen Vertrauensbeweis und gemeinsames Signal für das Unternehmen Erste Liga werten.

Dabei betonen sowohl Ignjatovic als auch Schmauder, dass der Aufstieg kein Selbstläufer wird. „Man kann nicht erwarten, dass man mit dem Etat, den wir haben, jedes Jahr unter die ersten fünf kommt“, sagt Ignjatovic, der darum für die Ende September beginnende Saison auch bescheidene Ziele ausgibt. „Wir wollen die Play-offs erreichen.“ Die Gefahr, mit solchen nach Understatement klingenden Aussagen das nach dem Finaleinzug euphorisierte Kirchheimer Publikum zu desillusionieren, sieht der Trainer dabei nicht. „Die große Mehrheit unserer Fans ist bodenständig und weiß, dass es kein Spaziergang ist, so einen Erfolg zu wiederholen.“

Unabhängig davon kannte die Freude beim Kirchheimer Anhang gestern keine Grenzen. Nur Minuten nachdem Ignjatovic seine Zusage bekannt gegeben hatte, wurde die Facebook-Seite der Knights von entsprechenden Posts geflutet – der erste kam von Hallensprecher Daniel Zirn, der vielen wohl aus der Seele schrieb: „Frenkie ist das Beste, was dem Kirchheimer Basketball passieren konnte.“