Lokalsport

Der Motivator mit dem Walkie-Talkie


EDGAR VELOCI

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ATHEN Das Mittel der Wahl ist der Stöpsel im Ohr des Athleten und das Mobiltelefon in der Hand des Trainers. Das ist der verzweifelte Versuch Thomas Schediwies, auf den Verlauf des Athener Rennens Einfluss zu nehmen. Der Coach des Teams T-Mobile steht in der Start-Finish-Zone und hat alle Hände voll zu tun. In der linken das Funkgerät, mit dem er mit dem Bundestrainer und anderen Betreuern verbunden ist, in der rechten den Schreibblock, auf dem er die Abstände notiert. Um den Hals hängen zwei Stoppuhren und in der Tasche steckt das Mobiltelefon. Sein Blick verfolgt das Geschehen auf der Großbildleinwand. Sobald verwertbare Informationen da sind, greift er zum Telefon. Das kann drei, vier mal in jeder Runde sein.

"Super Start, echt Klasse, jetzt suche deinen Rhythmus", hat Schediwie den Draht zu Manuel Fumic. "Platz 13, Lado ist 15 Sekunden vor dir. Wenn du kannst fahr hin", gibt der Trainer kurze Zeit später den Rennstand durch. Eine Antwort bekommt er nicht, dazu ist am Mount Parnitha zu sehr die Hölle los. Als Manuel Fumic in der vierten Runde vehement antritt, versucht ihn der erfahrene Coach zu motivieren. "Vorne sehen Peraud und Martinez schlecht aus, die kannst du noch holen."

In der vorletzten Runde dann: "Frischknecht ist 15 Sekunden hinter dir. Fahr diese Runde dein Tempo durch und die letzte ist dann die Manuel-Fumic-Runde. Das kannst du."

Präzise Informationen und knappe motivierende Sätze fliegen durch den Äther. "Das ist meine Art, andere Trainer machen das vielleicht anders", sagt Schediwie. Eine Art, die bei Manuel Fumic, anzukommen scheint. "Es ist wichtig für mich. Thomas sieht das ganze Rennen und hat den Überblick", bestätigt der jüngere der beiden Fumic-Brüder. Wenn Peraud und Martinez Schwäche zeigen, motiviert das Manuel Fumic am Gashahn zu drehen. Holt er sie nicht ein, geht die Moral flöten. Es muss Vertrauen bestehen zwischen Sportler und Trainer. Falschinformationen, die motivieren sollen, können ins Auge gehen. "Das würde ich nie machen", betont Thomas Schediwie. Über Funk gibt er Platzierungen und Abstände an die Betreuer weiter. Die diese dann an den Anstiegen den Fahrern zurufen. Nach fünf von sieben Runden hat er für Manuel Fumic den achten Rang hochgerechnet. Mehr ist nicht möglich, da müsste noch einer mit Defekt ausscheiden.

Zu diesem Zeitpunkt passiert der 22-Jährige die Zeitmessung als Zehnter. Zu Platz acht ist es noch eine Minute. Aber Peraud ist platt und Bui auch. "Mani du fährst ein großartiges Rennen", gehen die letzten Worte durch den Funk. Die Rechnung geht auf, das Zusammenspiel zwischen Trainer und Fahrer hat funktioniert. Am Ende steht Platz acht, aber den hatte Thomas Schediwie ja schon vorher auf der Rechnung.