Lokalsport

Der neue Besen wirbelt Staub auf

Rainer Kraft mistet aus. Der neue VfL-Trainer macht sich beim Zusammenstellen seines Kaders nicht nur Freunde. Ex-Torwart Michael Stowers klagt: „Der Verein hat mich eiskalt abgesägt und rausgeschmissen.“

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Peter Eidemüller

Kirchheim. Neue Besen kehren gut. Im Fall von Rainer Kraft auch gründlich. Kaum für die sportlichen Geschicke der VfL-Fußballer verantwortlich, wirbelt der neue Coach gehörig Staub auf. Vergangene Woche teilte er dem bisherigen Torwart Michael Stowers, dessen Vertrag am Monatsende ausläuft, mit, dass er nicht mit ihm plane – zu dessen großer Verwunderung: „Ich wollte beim VfL bleiben, aber der Verein hat mich eiskalt abgesägt und rausgeschmissen“, sagt Stowers, der in der vergangenen Saison in 31 von 34 Spielen zwischen den Pfosten stand, dabei 34 Treffer kassierte.

Dass dies offenbar nicht ausreichte, um einen neuen Vertrag zu bekommen, nährt Spekulationen: Hat Stowers menschlich nicht ins Konzept gepasst, schlecht trainiert oder sich sonst wie daneben benommen? Rainer Kraft verneint: „Es ist nichts vorgefallen, weswegen wir ihm kein Angebot gemacht haben. Ich wollte einfach einen erfahrenen Torwart.“

Den glaubt er in Benjamin Huber, einst Oberligakeeper in Heidenheim und Ersatzmann zu Ingolstädter Regionalligazeiten, gefunden zu haben. Der 24-Jährige, dessen Marktwert auf 100 000 Euro taxiert wird, hat für zwei Jahre unterschrieben. Sein Ersatzmann wird Denis Jercic (20), der in der abgelaufenen Saison außer beim 4:2 gegen Spielberg kein einziges Mal den VfL-Kasten hütete.

Und Stowers? Der fürchtet, auf die Schnelle keinen Verein mehr zu finden. „Hätte man mir vor zwei Monaten gesagt, dass ich keinen Vertrag mehr bekomme, hätte ich mich in Ruhe umschauen können“, klagt der 24-Jährige, „jetzt haben die Vereine ihre Kaderplanungen schon so gut wie abgeschlossen.“

Nicht nur auf der Torwartposition greift Rainer Kraft („Es wird immer welche geben, die es trifft“) durch. So wurde der Vertrag mit Mittelfeldmann Armin Ohran zwar verlängert, der 21-Jährige soll jedoch in die zweite Mannschaft versetzt werden – Ohran gilt als ewiges Talent, dem der Durchbruch nie richtig gelingen wollte. Ähnliches gilt für Michel Forzano, dessen Vertrag ganz aufgelöst wurde. Dem 21-Jährigen liegt ein Angebot des SSV Reutlingen vor. Nimmt er es an, gäb‘s dort ein Wiedersehen mit Ex-VfL-Keeper Patrick Gühring. Den 29-Jährigen zieht‘s von den Stuttgarter Kickers zum Neu-Oberligisten Reutlingen, der wie der SV Waldhof Mannheim vor einem Neuanfang im baden-württembergischen Oberhaus steht: die Kurpfälzer erhalten keine Lizenz für die Regionalliga.

Noch keine Einigung in Sachen Vertragsverlängerung gibt es bei Torjäger Antonio Tunjic und Allzweckwaffe Selim Altinsoy. Letzterer hat seine Zusage bereits gegeben, eine Verpflichtung hängt jedoch von seinem beruflichen Werdegang ab: Altinsoy will sich in Lahr zum Polizisten ausbilden lassen. Offensivkraft Sabri Gürol, in den letzten Saisonspielen einer der Auffälligsten auf dem Platz, wird am kommenden Montag unterschreiben. Die Unterschrift von Nachwuchsstürmer Marcel Ziegler (20) steht indes noch aus, sein gleichalter Kollege Marcel Helber hat‘s bereits getan. „Die Gespräche stehen kurz vor dem Abschluss“, so Rainer Kraft, der die Planungen für die neue Saison größtenteils telefonisch von seinem Wohnort Stuttgart aus koordiniert – noch gibt es für ihn an der Jesinger Allee kein eigenes Büro.

Vielleicht ändert sich daran ja noch was bis zum 24. Juni. Dann nämlich wird Kraft die Spieler erstmals zum Training bitten. Bis zum ersten Pflichtspiel, das am 31. Juli das Erstrundenmatch im WFV-Pokal sein wird, will der Trainer dann einen 20-köpfigen Kader geformt haben.