Lokalsport

Der Neue fordert klare Strukturen

Wie nicht anders zu erwarten heißt der neue Mann an der Spitze der VfL-Fußballabteilung Dr. Jörg Mosolf. Der 49-jährige Unternehmer aus Kirchheim ist auf der Mitgliederversammlung für zwei Jahre in das mit am kritischsten beäugte Amt innerhalb des VfL gewählt worden.

PETER EIDEMÜLLER

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KIRCHHEIM Knapp drei Stunden lang herrschte dicke Luft in der Stadiongaststätte an der Jesinger Allee. Dabei hätten die dafür verantwortlichen Raucher eigentlich gar keinen Grund gehabt, sich laufend Zigaretten anzustecken: Große Aufreger bot der Treff der 68 anwesenden Mitglieder (zuzüglich 16 Nicht-Mitgliedern) nämlich nicht, da die heißesten Eisen bereits im Vorfeld geschmiedet worden waren.

Dass Winfried Scholz ("Ich habe den Job zum Wohl des Vereins gerne gemacht") nach zwei Jahren auf dem Drahtseil seinen wohlverdienten Abschied nehmen würde, war bekannt, die Wahl seines Nachfolgers, Dr. Jörg Mosolf, nur noch Formsache. Dass er nicht aus dem fußballerischen Bereich kommt, sieht er bei seinem ersten Job als Abteilungsleiter in einem Sportverein nicht als Nachteil: "So kann ich den Fokus besser auf die Organisation legen." Seine Vorstellungen von einer durchorganisierten Abteilung präsentierte der Neue dem Auditorium dann gleich per Organigramm. Begleitet von bejahendem Kopfnicken der Mitglieder erläuterte Mosolf sein Konzept. Als stellvertretender Abteilungsleiter soll weiterhin Hauptsponsor Frank Sommer fungieren. Darüber hinaus fällt der Bereich Marketing in den Bereich Sommers. Als Verfechter des "Vier-Augen-Prinzips" wies Mosolf auf die Einrichtung eines Beirats hin, der die Abteilungsleitung kontrollieren soll. Diesem Beirat sitzt die VfL-Gesamtvorsitzende Doris Imrich vor. Neben Mosolf und Sommer sollen dem Gremium noch je ein Vertreter der Stadt sowie der lokalen Wirtschaft angehören. Mosolfs Philosophie: "Um Erfolg zu haben, müssen Verantwortlichkeiten und Kompetenzen klar strukturiert sein."

Einer, der dies mit Genugtuung vernommen haben dürfte, ist Rainer Ziegelin. Der Trainer der zweiten aktiven Mannschaft wies in einem mitreißenden Monolog auf die personellen Missstände im Zusammenhang mit der Kreisliga B-Truppe hin. "Da sind Versprechungen nicht eingehalten worden", klagte der 38-Jährige, der sich diesbezüglich eine klare Linie wünscht, aber trotz allem betonte, wie sehr es ihn ehre, beim VfL an der Täte sein zu dürfen Ziegelin erhielt von allen Rednern mit Abstand den meisten Applaus.

Auch der scheidende Jugendleiter Eduard Wisniewski mahnte: "Die Aufgabe an der Spitze der Jugendabteilung erfordert fachliches Wissen, ein bestimmtes Zeitmanagement und Marketing, damit Kirchheim ein Aushängeschild im Jugendfußball bleiben kann." Dass ihm mit Walter Rau der dafür passende Mann im Amt nachfolgen würde, davon war Wisniewski felsenfest überzeugt: "Ich weiß, dass wir mit seiner Wahl den richtigen Schritt machen." Diesen vollzogen die Mitglieder dann auch: Rau wurde ebenso unangefochten ins Amt gewählt wie zuvor Mosolf. Neben dem Job des Jugendleiters übernimmt der gelernte Sportökonom auch den Posten des Geschäftsführers, ist alles in allem für den administrativen Teil innerhalb der Abteilung verantwortlich. Eine der ersten Bewährungsproben steht für Rau während der Fußball-WM an. Die Abteilung will sich während des gesamten Turniers neben dem Wachthaus auf dem Rossmarkt präsentieren wie, dass verriet Mosolf ("lassen Sie sich überraschen") zwar nicht, verwies jedoch darauf, dass Rau der federführende Mann bei der Sache sein werde.

Im finanziellen Bereich machen der Abteilung neben den Altlasten (Stand 31. Dezember 2005: 258 403 Euro) vor allem so genannte "uneinbringbare Forderungen" zu schaffen in den vergangenen zwei Jahren immerhin rund 15 500 Euro. "Das sind zum Beispiel Gelder von Firmen, die inzwischen Pleite sind oder Spielerablösen, die wir nicht mehr bekommen", erklärte Hauptkassiererin Waltraud Wiemer, die jedoch für das abgelaufene Jahr von einem Überschuss in Höhe von knapp 16 600 Euro berichten konnte vor allem Dank des Spiels gegen die Bundesligaprofis des VfB Stuttgart im Juli. Neben Wiemer, die einstimmig entlastet wurde, bleibt auch Kurt Antel der Abteilung als Schriftführer erhalten.