Lokalsport

Der Partygast, den keiner eingeladen hat

Der Ex-Kirchheimer Wolff Fuss kommentiert zum dritten Mal das Champions-League-Finale

„Finale dahoam“ – Das gilt heute Abend nicht nur für den FC Bayern München. Auch ein Wahl-Münchner mit Kirchheimer Wurzeln hat mit dem Champions-League-Knaller gegen den FC Chelsea in der Allianz-Arena ein echtes Heimspiel: Sat-1-Reporter Wolff-Christoph Fuss ist der Mann, den sich heute Millionen Fußballfans vor dem Fernseher ins Wohnzimmer holen.

ran Championsleague in SAT.1Motiv: Wolff-Christoph FussFoto: © SAT.1/Marcus HöhnDieses Bild darf bis Ende 2011 honorarfrei fuer
ran Championsleague in SAT.1Motiv: Wolff-Christoph FussFoto: © SAT.1/Marcus HöhnDieses Bild darf bis Ende 2011 honorarfrei fuer redaktionelle Zwecke und nur im Rahmen der Programmankuendigung verwendet werden. Spaetere Veroeffentlichungen sind nur nach Ruecksprache und ausdruecklicher Genehmigung der ProSiebenSat1 TV Deutschland GmbH moeglich. Verwendung nur mit vollstaendigem Copyrightvermerk. Das Foto darf nicht veraendert, bearbeitet und nur im Ganzen verwendet werden. Es darf nicht archiviert werden. Es darf nicht an Dritte weitergeleitet werden. Bei Fragen: 089/9507-1167.Voraussetzung fuer die Verwendung dieser Programmdaten ist die Zustimmung zu den Allgemeinen Geschaeftsbedingungen der Presselounges der Sender der ProSiebenSat.1 Media AG.

München. Den 25. Mai 2005 hat Wolff Fuss in bester Erinnerung. Beim Champions-League-Finale zwischen dem FC Liverpool und dem AC Mailand im Olympiastadion in Istanbul saß er als zahlender Zuschauer auf der Tribüne. Für den bekennenden Premier-League-Fan ein gelungener Abend, denn der FC Liverpool holte sich nach dramatischen 120 Minuten im Elfmeterschießen seinen fünften Titel. Vergangene Woche war Wolff Fuss wieder in der Türkei und wieder hatte das irgendwie mit der Champions League zu tun. Nur diesmal lautete das Motto: Alles, bloß kein Fußball. Ein paar Tage ausspannen im Clubhotel an der Riviera bevor der Finalsturm mit historischer Wucht über die Isar-Metropole fegt. Das Spiel der Spiele aus Münchner Sicht lässt auch einen Profi wie Fuss nicht kalt. Zum dritten Mal in Folge kommentiert er für Sat 1 das Finale der Champions League, hält mit Johannes B. Kerner und Franz Beckenbauer das Informations-Monopol, wenn drunten auf dem Platz Messi, Ronaldo oder Ribery den Rasen heiliger Spielstätten veredeln. Nach Bernabeu und Wembley jetzt also die Allianz-Arena – Keine Frage: Der 35-Jährige ist inzwischen selbst in der Königsklasse angekommen.

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Und trotzdem ist diesmal alles anders. Die vergangenen Tage verbrachte Fuss am Schreibtisch in seinem Münchner Büro und war selbst ein Stück weit überrascht vom gewaltigen Medien-Interesse, das plötzlich auch über ihn hereinbrach. Radiostationen, Fernsehsender, Tageszeitungen, jeder auf der Suche nach der Story hinter der Story. Die ganze Stadt schwelgt in Rot-Weiß, kaum eine Kneipe, die TV-technisch nicht aufgerüstet hat. Für den heutigen Samstag ist schon seit Wochen kein Wirtshaus-Schemel mit Blick auf Leinwand oder Mattscheibe mehr zu ergattern. Wer von all dem unbehelligt bleiben will, hat fast keine Chance. Das „Finale dahoam“ leuchtet von jeder Reklametafel und aus dem Radio ertönt im Halbstundentakt die Champions-League-Hymne. „Was sich hier abspielt, ist unfassbar“, beschreibt Wolff Fuss den bajuwarischen Ausnahmezustand. „Für München ist dies das größte Sportereignis seit dem EM-Finale 1988.“

Für ihn selbst ist es der Höhepunkt seiner bisherigen Berufslaufbahn als TV-Kommentator, die 1999 beim Bezahlsender Premiere begann. Der Mann mit der unverwechselbaren Bariton-Stimme, der sich selbst als „Fußball-Verrückten“ bezeichnet, weiß um die historische Dimension des heutigen Abends. „Der FC Bayern ist nach dem AS Rom, Inter Mailand und Real Madrid erst die vierte Mannschaft, die in der 57-jährigen Pokal-Geschichte ein Finale im eigenen Stadion bestreiten darf.“ So klingt das aus dem Mund eines Faktenmenschen „Diesmal bin ich dabei“, sagt Wolf Fuss, „und hab‘ auch noch Loge.“

Um die Bedeutung des Abends wissen allerdings auch die Bayern-Bosse, und Fuss hat festgestellt, dass das selbst am erfolgsverwöhnten Rekordmeister nicht spurlos vorüber geht. „Nur noch die Nummer zwei – Seit dem Pokalfinale in Berlin hat man‘s hier schriftlich.“ Das 2:5 gegen Dortmund habe für ungewohnte Demut gesorgt. Bayern ist für ihn heute Abend zwar „hauchdünner Favorit“, doch eines ist für ihn gewiss: „Die Angst vor dem Nichts bereitet den Herrschaften hier Albträume.“

Fuss jedenfalls freut sich riesig auf ein Fußballfest, zumal auch ein Ausnahmespiel wie das heutige den Mann am Mikro nicht mehr als sonst ins Schwitzen bringt. „Ab der K.o.-Phase, in der ein Elfmeterschießen möglich ist, gilt es ein paar historische Fakten mehr parat zu haben, als üblich,“ sagt er. Mehr Dramatik als im Halbfinale vor drei Wochen geht ohnehin kaum mehr. Beim Elfmeter-Krimi der Bayern im Bernabeu-Stadion war Wolf Fuss ebenfalls der Kommentator. Auf seine Schlagfertigkeit ist Verlass, auch wenn ihm sein zuweilen loses Mundwerk nicht überall nur Sympathien einbringt. Authentisch bleiben, heißt seine Devise. Als Kommentator könne man es ohnehin nie allen recht machen. „Ich bin wie der Partygast, den keiner eingeladen hat und den man nicht vor die Tür setzen kann.“ Dabei fällt ihm ein Zitat von „Mister Sportschau“ Ernst Huberty ein: „Wenn 51 Prozent der Zuschauer hinter dir stehen, dann hast du alles richtig gemacht.“

Wolff-Christoph Fuss wurde am 23. Juni 1976 im hessischen Ehringshausen geboren. Nach dem Umzug mit den Eltern ins Schwäbische besuchte er das Hölderlin-Gymnasium in Nürtingen und sammelte erste journalistische Erfahrungen als freier Mitarbeiter der Nürtinger Zeitung und beim Teckbote-Stadtmagazin „Tick.“ Seine erste größere Station als Fernseh-Kommentator war beim Bezahlsender Premiere, wo Fuss bis 2009 als Bundesliga-Berichterstatter tätig war bevor er zum Konkurrenzsender „Liga total“ wechselte. Der Aufstieg in die Königsklasse im Free-TV gelang dem 35-Jährigen mit dem Wechsel zu Sat 1, wo er inzwischen auch WM-Boxkämpfe kommentiert.