Lokalsport

"Der Posten ist überflüssig"

OSTFILDERN Seit Auflösung der reinen Fußball-Ausländerstaffeln Anfang der neunziger Jahre sind Funktionäre auf Bezirks- und Verbandsebene bemüht, die Clubs so

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PETER EIDEMÜLLER

gut es geht zu unterstützen. Zu diesem Zweck hat im Verbreitungsgebiet des Württembergischen Fußballverbandes jeder der 16 Unter-Bezirke einen eigenen Ausländerbeauftragten, der jedoch nicht selten in Personalunion mit dem Bezirksvorsitzenden ist. So war es bis vor fünf Jahren auch im Bezirk Neckar/Fils, als Karl Wieland den Job noch unter seinen Fittichen hatte. Mit Manfred Tornow verabschiedete sich jedoch just zu diesem Zeitpunkt ein allseits beliebter Staffelleiter (Kreisligen B1 und B7) aus dem Dienst da Wieland nach Entlastung suchte, bekleidet Tornow seitdem dieses Amt.

Die Bilanz, die der inzwischen 68-Jährige aus Ostfildern zieht, ist jedoch ernüchternd, wenn nicht gar verheerend: "Der Posten des Ausländerbeauftragten ist überflüssig, da von den betreffenden Vereinen kaum etwas angenommen wird." Tornow hat sich seit seinem Amtsantritt stets um einen Dialog mit den ausländischen Vereinen bemüht, der seinen Worten nach jedoch selten erwidert wurde. "Seit gut zwei Jahren gibt es auf normalem Wege nur noch minimale Berührungspunkte", klagt er, "wenn ich mal etwas zu tun bekomme, handelt es sich meist um Sportgerichtsverfahren, zu denen ich hinzugezogen werde." Also dann, wenn es eigentlich schon zu spät ist.

Seinen Erfahrungen nach hätten ausländische Vereine vermehrt Probleme mit Autoritätspersonen, oftmals sei der Schiedsrichter eben das Angriffsziel verbaler und körperlicher Attacken. Zurückzuführen sei dies auf Mentalitätsprobleme, die aber gar nicht sein müssten, da die heutige Spielergeneration bei ausländischen Vereinen überwiegend in Deutschland geboren und aufgewachsen ist. Tornow hat schon manche sagen hören: "Ich bin Deutscher, aber meine Heimat ist die Türkei."

Den präventiven Aufgaben, wie sie die Tätigkeitsbeschreibung des WFV erläutert, kann Tornow nicht nachkommen, da auf Seiten der ausländischen Vereine zu großes Desinteresse bestehe. Kamen zum ersten von ihm organisierten Treffen noch zwölf der 22 ausländischen im Bezirk beheimateten Clubs, so hat das Interesse seitens der Vereine seitdem stark nachgelassen. Inzwischen werde er nur noch von deutschen Mannschaften als Beobachter für Spiele angefordert, wenn diese Angst vor Ausschreitungen haben. Regelmäßige Gespräche mit den Spielern und Vereinsmitarbeitern der ausländischen Clubs, mit dem Ziel der Kontaktpflege, gestalten sich ebenfalls schwierig, da selten ein und derselbe Ansprechpartner über einen längeren Zeitraum vorhanden ist.

Tornow hat seine Schlüsse gezogen, will nach seiner zweiten Amtszeit, die im nächsten Jahr endet, den Job an den Nagel hängen. Schließlich komme er auch in ein Alter, in dem die Lücke zum Klientel immer größer wird ein nicht zu unterschätzendes Problem, wie er sagt: "Wenn zwischen den Aktiven und den Funktionären 40 bis 50 Jahre liegen, ist die Kommunikation schwieriger."

Genau an diesem Punkt setzt die vom WFV initiierte Initiative "Für Toleranz und Fairness, gegen Gewalt" ein. Speziell geschulte Konflikt-Moderatoren treten als Vermittler und Konfliktlöser auf, mit dem Ziel, ein friedliches und freundliches Miteinander aller Beteiligten zu erreichen. Die ursprünglich für den Jugendbereich gedachte Form der Mediation kann jedoch auch von aktiven Mannschaften genutzt werden das Eingeständnis, Probleme mit Fairness und Gewalt zu haben, vorausgesetzt.