Lokalsport

Der Trainer ist als Psychologe gefordert

Tschechischer Fleiß- statt brasilianischem Sambafußball nachdem die Verpflichtung von Jader Moreira geplatzt ist, hat Verbandsligist VfL Kirchheim personell nachgerüstet. Der 22-jährige Pavel Ferenz legte beim Testspiel in Freiberg ein viel versprechendes Debüt im VfL-Dress hin und wird gleich voll in die Mission Klassenerhalt eingebunden.

PETER EIDEMÜLLER

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KIRCHHEIM Dass die Teckstadtkicker sportlich schon bessere Zeiten erlebt haben, ist hinlänglich bekannt: Mit 16 Punkten droht dem einstigen Regionalligsten auf Platz 14 der Verbandsliga der Absturz in die Landesliga den fehlenden Punkten trauert man an der Jesinger Allee immer noch ein bisschen hinterher: "Hätten wir die Spiele, in denen wir die bessere Mannschaft waren, gewonnen, hätten wir mindestens neun Zähler mehr auf dem Konto", vermutet der sportliche Leiter Norbert Krumm. Anstatt sich in Konjunktiven zu erklären, formuliert Krumm das seiner Meinung nach geltende Zauberwort, mit dem der VfL wieder auf Kurs kommen soll: "Ein Erfolgserlebnis das ist es, was der Mannschaft momentan fehlt."

Die erste Gelegenheit dazu hat die Teckelf am vergangenen Samstag beim 0:4 (0:2) gegen Oberligist SGV Freiberg verpasst. "Der Trainer hat 16 Spieler eingesetzt", sagt Krumm, "das Ergebnis war erst einmal zweitrangig." Wertvoller wogen die Erkenntnisse, die sich Coach Michael Rentschler durch das Variieren auf den Postionen verschaffte. So versuchte sich Mittelfeldregisseur Mario Grimm in der Abwehrkette neben dem in der Vorrunde auf die Ersatzbank verdrängten Archontis Siopidis. Zu seinem Debüt im VfL-Dress kam in Freiberg der 22-jährige Pavel Ferenz, Stürmer mit fußballerischer und persönlicher Vergangenheit in Tschechien, von dem sich die VfL-Verantwortlichen viel versprechen. "Er ist schnell und zweikampfstark und hängt sich bisher voll rein", freut sich Norbert Krumm, der den Kontakt zu dem Youngster über dessen Tante herstellte. "Die wohnt in Oberlenningen und hat mich schon vergangenes Jahr kontaktiert." Bis Jahresfrist kickte der Neffe noch beim westfälischen Verbandsligisten TuS Erndtebrück, hat bis dahin vier Tore für die Siegerländer erzielt.

Ferenz soll die Lücke im Sturm schließen, die der Abgang von Antonino Singh (TSG Zell) aufgerissen hat. Darüber hinaus stehen die VfL-Macher noch in Kontakt zu zwei weiteren Spielern, die den Kader auf schlagkräftige 21 Mann erhöhen sollen. Nicht mitgerechnet ist einer, der schon fest als Mittelfeldregisseur eingeplant war: Der Wechsel des Brasilianers Jader Moreira (26) ist in allerletzter Minute geplatzt. "Da ist ein Sponsor abgesprungen, sodass Jader wieder nach Brasilien musste", sagt ein enttäuschter Krumm, der dennoch nicht den Kopf in den Sand steckt. "Qualitativ sind wir sogar besser besetzt als in der vergangenen Saison", meint er, der sich aufgrund dessen vor allem eines für die restlichen 16 Spiele wünscht: "Das Team muss wieder zu einem verschworenen Haufen werden." Momentan würden zu viele Spieler den falschen Egoismus an den Tag legen eine Entwicklung, auf die vor allem der Übungsleiter Einfluss nehmen muss. "Da ist der Trainer als Psychologe gefordert", nimmt Krumm Rentschler in die Pflicht.

Erste Maßnahmen hat der Coach bereits getroffen: Vor dem offiziellen Trainingsauftakt verbrachte der VfL-Tross ein Wochenende im vereinseigenen Kanzelwandhaus, bei dem der Mannschaftsgeist beschworen werden sollte. Gemeinsames Kochen, Abwaschen und Haushalten als vertrauensbildende Maßnahme vor dem Einstieg in den Trainingsalltag an der Jesinger Allee hat man den Herberger'schen Spruch "Elf Freunde müsst ihr sein" für die Mission Klassenerhalt entdeckt. Bevor mit dem Spiel bei den TSF Ditzingen am 18. Februar diese Mission ihren Anfang nimmt, stehen dem VfL noch vier Testspiele ins Haus. Am kommenden Samstag geht's zu Hause (13 Uhr) gegen die VfB-Amateure, danach nach Schönaich (5. Februar), Echterdingen (7. Februar) und Korb (12. Februar).