Lokalsport

Der verlorene Sohn kehrt heim

Von wegen WM-Pause: Mit einem Paukenschlag durchbricht der TSV Owen die Stille in der handballlosen Zeit. Der verlorene Sohn ist wieder da. Die Rückkehr von Steffen Klett, der erst zu Saisonbeginn zum Oberligisten TSV Neuhausen gewechselt war, eröffnet der Teck-Sieben neue Perspektiven im Kampf um den Aufstieg.

BERND KÖBLE

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OWEN Handballer sind spielfreudige Wesen. Gute Handballer sind obendrein ehrgeizig. Wenn Ehrgeiz und Spielfreude nicht zueinander finden, schiebt der Handballer Frust. Solchermaßen Frust saß Steffen Klett zuletzt mächtig im Nacken. Vergangene Woche war das Fass voll. Der 19-jährige suchte das Gespräch mit Neuhausens Trainer Markus Locher und bat um vorzeitige Auflösung seines bis 2008 laufenden Vertrags.Rückblende: In der Saison 2005/2006 sorgt ein A-Jugendlicher in der Landesliga für Furore. Mit 170 Treffern wird das Owener Eigengewächs nicht nur zum erfolgreichsten Torschützen der Liga, er hat auch maßgeblichen Anteil am umjubelten Aufstieg der Owener. Schnell ist klar, dass einer wie er kaum zu halten sein würde. Beim TSV Neuhausen lockt der Sprung in die baden-württembergische Oberliga. Verein und Trainer lassen ihn schweren Herzens ziehen, immerhin erkennt man in Neuhausens Trainer Markus Locher einen Mann mit dem nötigen Gespür für den Nachwuchs. Doch die Ernüchterung lässt nicht lange auf sich warten: Der Newcomer übt sich im Bankdrücken und muss zusehen, wie selbst überlegen geführte Partien mit der Stammbesetzung beendet werden. "Für mich war klar, dass ich nicht gleich einen festen Platz bekommen würde", sagt Steffen Klett. Doch Kurzeinsätze auf der Linksaußenposition nagen kräftig am Selbstvertrauen des Newcomers.

Der Wunsch nach einer Rückkehr zu seinem alten Verein kam für die Verantwortlichen auf den Fildern überraschend. Nicht nur der Zeitpunkt, mitten in der Saison, stört Markus Locher: "Es ist schade, einen so talentierten Spieler zu verlieren", sagt der Trainer. Kletts wachsende Unzufriedenheit zum Ende der Hinrunde blieb auch andernorts nicht unbeobachtet. "Anfragen gab es einige", erzählt er. "Für mich war jedoch klar, wenn ich gehe, dann nur zurück nach Owen." Als persönliche Niederlage empfindet der Blondschopf, der zurzeit seinen Zivildienst ableistet, die Kehrtwende nicht. "Ich habe im Training viel gelernt", sagt er. Zweikämpfe gegen bundesligaerprobte Recken wie Daniel Hebisch oder Manuel Späth haben ihm etwas von der Robustheit vermittelt, die ihm häufig abgesprochen wurde.

In der Teckstadt hat man die Kunde mit Freude vernommen, und Owens Co-Trainer Reiner Kerzinger hatte alle Hände voll zu tun, die Sache unter Verschluss zu halten. "Wir haben unsere Chance schon im Dezember gewittert", verrät Kerzinger. Seit knapp zwei Wochen steht er mit Locher in Kontakt und stieß dort nach eigenen Worten zunächst auf harten Widerstand. Doch am Ende lenkte der Filderclub ein. Kerzinger: "Neuhausen hat sich vorbildlich fair verhalten." Trotz der Eilentscheidung wird es noch eine Weile dauern, bis sich Klett das gelbe Trikot erstmals überstreifen kann. Die Verbandsstatuten schreiben eine zweimonatige Sperre vor. Demnach könnte er frühestens am 18. März gegen den TSV Heiningen sein Comeback feiern dann immerhin vor eigenem Publikum.

Vergangenen Dienstag nach dem Training erst hat es die Mannschaft erfahren. "Die Überraschung war so groß wie die Freude danach", berichtet Owens Spielertrainer Christoph Winkler. Doch Winkler gilt als kühler Analytiker und ist kein Mann für überschwängliche Reaktionen. Aus gutem Grund: Als jungem Spieler gelang ihm selbst der Sprung aus der Jugend bis in die Regionalliga. Er kennt die Klippen, an denen jugendlicher Sturmdrang zerschellen kann und er hat selbst einige Nackenschläge einstecken müssen. "Die Situation wird für ihn nicht einfach werden", warnt Winkler vor überzogenen Erwartungen und nimmt den Rückkehrer vorsorglich schon einmal in Schutz. "Wir werden versuchen, den Druck von ihm zu nehmen und bieten alle Hilfe, die er braucht."

Sportlich gesehen kehrt Steffen Klett in eine gefestigte Mannschaft zurück, die weit weniger am Tropf kreativer Einzelspieler hängt, als dies noch im Vorjahr der Fall war. Die Art und Weise, mit der die Truppe zuletzt den Ausfall ihres verletzten Trainers weggesteckt hat, beeindruckt. Allen voran Heiko Hoyler, Kletts Weggefährte in der A-Jugend, der zu Saisonbeginn noch mit dem Karriereende liebäugelte und sich inzwischen in bestechender Form präsentiert. Alles in allem glänzende Aussichten, die sich unter der Teck eröffnen, auch wenn Christoph Winkler das Wort Aufstieg nach wie vor nicht in den Mund nimmt: "Unsere Devise bleibt die gleiche: Der Weg ist das Ziel."