Lokalsport

Der VfL Kirchheim als Sprungbrett auf dem Weg zum VfB



SEBASTIAN WEZEL

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STUTTGART Als Sportmanager beim VfB Stuttgart hat Herbert Briem so einiges zu tun. Da kann es nach einem Zehnstunden-Tag auch mal spät werden. Doch "wenn man sein Hobby mit dem Beruf verknüpfen kann, braucht man keine Motivation". Briem, früherer Vertragsamateur und später Spielersichter der Roten, bekam den Posten nach dem Weggang von Felix Magath. Briems Aufgabenbereiche sind vielfältig: Vom Aushandeln der Verträge über Spielertransfers bis hin zur Beurteilung einzelner Spieler ist alles dabei. Außerdem ist er weiterhin als Talentspäher für den Bundesligaclub unterwegs. So gehen Stuttgarts Neuverpflichtung Matthieu Delpierre vom OSC Lille und die kürzlich ins Leben gerufene Kooperation mit dem FC St. Gallen auf sein Konto. "Spieler, die in der Regionalliga-Mannschaft konstant gute Leistungen gebracht haben, sollen die Möglichkeit bekommen, an die Bundesliga herangeführt zu werden" so Briem, "hierfür ist die erste Schweizer Liga optimal". Der FC St. Gallen, mit dem er in früheren Spielersichterzeiten gute Kontakte knüpfen konnte, bietet aus seiner Sicht als "solider Club mit seriöser Vereinsführung" beste Voraussetzungen.



Der Nürtinger kann auf eine erfolgreiche, aktive Laufbahn zurückblicken. Als Jugendspieler beim SV Bonlanden, landete er über den FV 09 Nürtingen und weitere Stationen beim VfB. Drei Jahre später erhielt der ehemalige Mitelfeldspieler einen Profivertrag beim SC Freiburg. Für die Breisgauer, die damals noch in der Zweiten Liga kickten, absolvierte er 16 Spiele. Nach kurzem Gastspiel von nur fünf Monaten, zog es ihn zurück an den Neckar, wo er für den VfB gegen Levski Sofia ein Spiel im Europapokal der Landesmeister bestritt.



Als Spielersichter hatte Briem weite Wege in ganz Europa und anderen Kontinenten zurückzulegen. Er war mehrmals im Jahr zu Spielerbeobachtungen in Brasilien und auch Italien und Kroatien gehören zu den häufiger bereisten Ländern. So kommt es dem Familienmensch Briem gerade recht, dass er als VfB-Sportmanager zurzeit "eher weniger unterwegs" ist.



Wer meint, Briem sei der Einzige in der Umgebung, welcher beim VfB seine berufliche Heimat gefunden hat, der liegt falsch. Die früheren VfL-Spieler Uwe Heth und Giuseppe "Bippo" Forzano sind Jugendtrainer beim VfB. Heth trainiert die U16 der Stuttgarter, Forzano ist Cotrainer des U17-Teams. Ein anderer Kirchheimer hat es ebenfalls geschafft: Hans-Martin ("Hansi") Kleitsch ist seit wenigen Monaten hauptberuflich Trainer der U19 beim Bundesligisten. Der 52-Jährige kickte früher in der zweiten Amateurliga für den VfL Kirchheim, bei dem er später auch als Trainer fungierte. Die Aufgabe in der Landeshauptstadt nimmt einige Zeit in Anspruch. "Wir haben sechs Trainingseinheiten in der Woche", erklärt Kleitsch. "In den Ferien ist auch morgens Training". So blieb ihm nichts anderes übrig als sich zwischen seinem Job in Kirchheim und Trainerdasein beim VfB zu entscheiden. Er entschied sich gegen seinen Beruf als Industriemechaniker und für seinen neuen Job als Jugendtrainer. Wer, wie Kleitschs Schützlinge sechs mal die Woche trainiert und es bis in die A1 des VfB geschafft hat, kann eigentlich nur ein Ziel haben: Fußballprofi.



Doch den Wenigsten gelingt der Sprung aus der Jugend direkt in den Profibereich. Wenn sie es überhaupt in den Profibereich schaffen.



Thomas Brdaric (29) hat es geschafft. Der gebürtige Nürtinger begann seine Karriere beim VfB Neuffen, bevor er zum FV 09 Nürtingen und VfL Kirchheim wechselte. Später machte er beim VfB Stuttgart Zwischenstation. Seinen Durchbruch hatte er aber erst in Leverkusen mit 24 Jahren. Sein Länderspieldebüt feierte der Neu-Wolfsburger, der zurzeit zu den gefragtesten Bundesligastürmern zählt, als 27-Jähriger.



Noch einer, der für den VfL Kirchheim kickte, schaffte den Sprung in die Bundesliga: Andreas Buck. Der frühere Mittelfeldmann und "Flügelsprinter" des VfB wurde 1998 mit Kaiserslautern sogar Deutscher Meister. Inzwischen hat der heute 37-Jährige seine Karriere beendet.



Man darf also gespannt sein, wer der Nächste (vom VfL) aus der Region sein wird, der es bis in die Bundesliga schafft. Zudem werden Briem und die VfB-Scouts ihr Übriges tun, um sich keinen "Rohdiamanten"entgehen zu lassen.



Genügend Talente scheint es in Kirchheim und Umgebung ja zu geben.

Herbert Briem.