Lokalsport

Der Wochenendkrieger legt wieder los

Flink mit der Schere, flink am Hang – wie er unter der Woche im elterlichen Friseurbetrieb fleißig Haare schneidet, jagt er am Wochenende mutig die Skipisten hinab: Philipp Hauff ist in Sachen alpinem Rennsport so etwas wie Kirchheims One-Man-Show. Nach vielversprechendem Auftakt in seine erste Saison bei den Aktiven bereitet sich der 20-jährige VfL-Fahrer momentan auf die nächsten Rennen im Januar vor.

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Peter Eidemüller

Kirchheim. Als die britische Heavy-Metal-Band Iron Maiden 1992 ihr Album Fear of the Dark herausbrachte, war Philipp Hauff gerade mal vier Jahre alt. 16 Jahre später kommt einem im Gespräch mit dem Kirchheimer Skirennläufer ganz unwillkürlich ein Song von diesem Album in den Sinn: Auch wenn das Lied „Weekend Warrior“ eigentlich von Fußballfans handelt, ist der Titel in Bezug auf Hauff äußerst passend: Ein Wochenendkrieger ist der 20-Jährige nämlich allemal – sobald es Schneebedingungen und Terminplan zulassen, tauscht der gelernte Friseur die Schere mit Skistöcken und mischt samstags und sonntags die alpine Rennszene auf.

So geschehen auch unlängst beim Saisonauftakt im Kaunertal: Hauffs vierter Platz beim „Schwabenpokal“ ließ aufhorchen. Schließlich ist der im elterlichen Friseurbetrieb in Kirchheim ausgebildete und inzwischen angestellte Youngster eher für seine Spätform bekannt. „Bisher war ich eigentlich immer zum Ende einer Saison gut dabei“, sagt er. Dass es heuer gleich im ersten Rennen, zumal noch erstmals bei den Aktiven, richtig gut lief, lässt jedoch nicht automatisch auf eine erfolgreiche Saison schließen. „Das war ein reines Nummernrennen auf einem recht flachen Hang“, winkt er ab, „da so weit vorne zu landen, war nicht besonders schwer.“

Nichtsdestotrotz sind die ersten wichtigen Punkte im sogenannten SSV-Supercup, einer aus insgesamt vier Rennen bestehenden Serie des Schwäbischen Skiverbands, eingefahren. Auf Rang fünf im Zwischenklassement liegt Hauff in Schlagdistanz zu den Podiumsrängen, die nach Abschluss der Serie lukrative Preise wie eine komplette Skiausrüstung und Geldbeträge bieten. „Das gibt‘s seit vergangenem Jahr und ist eine richtig gute Sache“, so Hauff, der ganz persönliche Verbindungen an die Rennserie knüpft: Der Initiator des SSV-Cups ist der Vater seiner Ex-Freundin und der Mann im Skizirkus, ohne den nichts mehr geht: Günter Hujara ist Chef-Renndirektor des internationalen Skiverbands FIS. „Das ist witzig, ihn jetzt dauernd im Fernsehen bei Weltcuprennen zu sehen“, schmunzelt Hauff, der sich übrigens nicht im Bösen von Hujaras Tochter trennte. „Sie ist nach Köln zum Studieren, das ging auf die Entfernung irgendwann nicht mehr.“

Somit gilt die volle Konzentration wieder dem Skifahren: Neben dem SSV-Cup mischt Hauff auch in Fis-Cit-Rennen mit – eine in ganz Europa ausgetragene Serie, an der man nur bei entsprechender Kaderzugehörigkeit teilnehmen darf. Darum geht‘s auch beinahe jedes zweite Wochenende zum Training in die Alpen, meistens ins Kaunertal. An den trainingsfreien Wochenenden stehen Renneinsätze auf dem Programm – Philipp Hauff: ein Weekend Warrior in Sachen Skifahren durch und durch.

Dass er dabei auf Vereinsebene nahezu der einzige Schirgler aus der Teckregion ist, der auch überregional für Schlagzeilen sorgt, daran hat er sich gewöhnt. „Was Rennen angeht, gibt‘s beim VfL eigentlich nur mich“, witzelt er, der dadurch auch eine großzügige finanzielle Unterstützung seitens des Vereins erfährt. „Außer dem VfL kenne ich nur noch die TG Biberach, die ähnlich viele Kosten übernimmt“, sagt er dankbar.

Das monetäre Engagement seines Heimatclubs kommt auch zwischen den Jahren zum Tragen, wenn Philipp Hauff mit anderen Kaderfahrern ins SSV-Trainingslager nach Schönblick zur Vorbereitung auf die nächsten Rennen im Januar fährt. Vom zweiten Weihnachtsfeiertag bis Silvester heißt‘s täglich um 6.30 Uhr aufstehen, um noch vor den ersten Hobby-Fahrern auf dem Gletscher zu stehen und an der Technik zu feilen. „Das klingt zwar hart, aber die Stimmung ist jedes Mal super“, schwärmt er, „da kennt man sich schon seit Jahren, das sind alles ganz lockere Typen.“

Dass er dabei den Status des Lockersten innehat, ist für ihn kein Problem. „Ich war schon immer so ein bisschen der Clown“, lacht er. Wo andere vor Rennen bierernst die Hänge studieren und sich in Materialschlachten ergehen, legt der 20-Jährige im Hurra-Stil los. Dass seine Trainer dabei schon mal den Vergleich mit dem amerikanischen Harakiri-Fahrer Bode Miller anstellen, stört ihn nicht. „Lieber einmal schlechter platziert und mit vollem Risiko gefahren, als zweimal gut mit angezogener Handbremse“, ist Hauffs Motto – ganz im Stile eines Wochenendkriegers.