Lokalsport

Deutscher Rekord für Unger

Er kam, sah und siegte Tobias Unger war der dominierende Athlet bei den deutschen Meisterschaften in Wattenscheid. Seine Titelgewinne über 100 m und 200 m wurden nur noch vom neuen deutschen Rekord über 200 m (20,20 Sekunden) getoppt.

PETER EIDEMÜLLER

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BOCHUM Das Lohrheidestadion in Wattenscheid kurz nach halb sieben gestern abend: Stehende Ovationen und grenzenloser Jubel ("Wir woll'n den Tobi seh'n") für einen, der seit diesem Wochenende endgültig zum Star und Zugpferd der deutschen Leichtathletik avanciert ist: Tobias Unger. Kurz zuvor hatte der Sprinter von Salamander Kornwestheim über 200 m seinen zweiten Titel bei den 105. deutschen Meisterschaften geholt und nebenbei noch den 20 Jahre alten Rekord von Frank Emmelmann (20,23) geknackt: Nach 20,20 Sekunden hatte der Neu-Kirchheimer das Titel-Double perfekt gemacht. Tags zuvor wurde Unger in 10,16 Sekunden bereits Deutscher Meister über 100 m.

Der Konkurrenz blieb auf beiden Strecken nur braves Gratulieren und neidloses Anerkennen für Ungers Ausnahmeleistung übrig. Dem Zweitplatzierten über 100 m Marc Blume nahm er 13, Till Helmke über 200 m sogar 46 Hundertstel Sekunden ab in Sprinterkreisen getrost als Welten zu bezeichnen.

"Ich bin froh, dass der Rekord endlich vom Tisch ist", verriet Unger kurz nach seiner 200-m-Fabelzeit im ZDF-Interview. Seit seinem Titelgewinn bei den Hallen-Europameisterschaften im März war unentwegt darüber spekuliert worden, wann der 25-Jährige endlich Emmelmanns Uralt-Rekord wird brechen können. "Wenn mich jemand gezogen hätte, wäre vielleicht noch eine schnellere Zeit drin gewesen", sagte Unger, der den 200-m-Lauf als Start-Ziel-Sieg bestritt.

So erwartungsgemäß dieser Titel gemessen am bisherigen Saisonverlauf für Unger war, so verblüffend war der tags zuvor über 100 m vor allem, was die Zeit anging. 10,16 Sekunden. So schnell war seit Alexander Kosenkow vor zwei Jahren (10,14) kein Deutscher mehr gerannt. Zudem hat Unger, nachdem er im Vorlauf genau 10,21 Sekunden gelaufen war, zum zweiten die 100-m-Norm für die WM in Helsinki im August unterboten.

Bei aller Unger-Euphorie sollte jedoch nicht der Achtungserfolg von Stephanie Lichtl unterschlagen werden. Die Hürdensprinterin der TG Nürtingen erreichte erstmals in ihrer jungen Karriere den DM-Endlauf über 100 m Hürden, wurde mit 13,45 Sekunden Fünfte. Der Abstand zur Bronzemedaille (Carolin Nytra aus Bremen) betrug dann aber doch 17 Hundertstel Sekunden.

Etwas geknickt war Salamander-Hürden-Crack Lukas Erdmann: Mit 14,66 Sekunden blieb er im Vorlauf weit hinter seinen Möglichkeiten und schied als Letzter aus. "Ich wusste ja, dass ich wenig Chancen hatte, weiterzukommen", so der Weilheimer, "also bin ich volles Risiko gegangen." Ergebnis: Erdmann räumte die Hälfte der Hürden ab. Gefrustet machte sich der 22-Jährige noch am Samstagabend auf den Heimweg nach Weilheim. In Wendlingen angekommen, musste er jedoch feststellen, dass er seinen Autoschlüssel (das Auto hatte er am Freitag dort am Bahnhof abgestellt) in Wattenscheid vergessen hatte. So musste er weit nach Mitternacht noch seinen Vater aus dem Bett klingeln, damit dieser ihm aus der Patsche helfen konnte.