Lokalsport

Dezimierte SG raubt einen Punkt

Oberligist VfL Kirchheim zieht beim 1:1 gegen Großaspach aus Überzahlspiel keinen Nutzen

Ernüchternd statt erheiternd: Fußball-Oberligist VfL Kirchheim hat an Gründonnerstag trotz bester Voraussetzungen mit einem 1:1 (1:0) gegen die SG Sonnenhof Großaspach den erhofften Befreiungsschlag im Abstiegskampf verpasst.

REIMUND ELBE

Kirchheim. Es war ein Spiel mit einer ungewöhnlichen Dramaturgie für die im eisigen Wind frierende (Minus)-Kulisse an der Jesinger Allee. Die Gäste verschossen einen Foulelfmeter, mussten noch vor der Pause einen Platzverweis wegstecken und hatten trotzdem beste Chancen, das Match zu gewinnen.

Der erste Schocker für den VfL nach zehn Minuten: Emrah Polat war gegen Großaspachs Mittelfeldakteur Blaskic im Strafraum reichlich ungeschickt zu Werke gegangen, sodass der über ein Bein des Kirchheimer Mittelfeldspielers stolperte. Dem unerfreulichen Auftakt folgte nur wenig später die Erleichterung. Patrick Gühring, nach zwei gehaltenen Strafstößen im WFV-Pokal-Viertelfinale gegen den Regionalligisten SSV Reutlingen mit enormen Selbstbewusstsein, parierte den scharf geschossenen Elfmeter von Giuseppe Greco. Gühring sollte wie beim Überraschungscoup gegen den SSV auch gegen die Großaspacher zur Schlüsselfigur werden. Denn einige aufregende Szenen hatte die von viel Mittelfeldgeplänkel geprägte Partie schon noch zu bieten.

So gelang den im Angriff ansonsten meist harmlosen Kirchheimern in der 22. Minute mitten in eine Sonnenhofer Drangphase hinein überraschend das 1:0. Torschütze: Bezeichnenderweise ein Abwehrspieler. Christopher Eisenhardt nutzte die Konfusion im SG-Strafraum aus, sah eine sich bietende Lücke in der Menschentraube, schoss platziert und gefühlvoll die Kugel aus 14 Metern halbhoch ins linke Eck. Wer glaubte, dieser Treffer würde Energie bei den Kirchheimern freisetzen, sah sich getäuscht. Als SG-Abwehrspieler Aupperle in der 37. Minute nach einer Notbremse gegen Antonio Tunjic die Rote Karte sah, brachte auch dies wenig Schwung in die Kirchheimer Aktionen. Nur noch eine Torchance hatten die Gastgeber in der zweiten Hälfte: Der glücklose Tunjic scheiterte in der 56. Minute freistehend mit einem zu kurz geratenen Heber an SG-Torwart Jurkovic.

Die 1:0-Führung plus Überzahlspiel verhalf den Gastgebern somit nicht zu mehr Sicherheit, sondern brachte den gegenteiligen Effekt. Der VfL, beim Pokalcoup gegen Reutlingen noch vor Selbstbewusstsein strotzend, wirkte seltsam gehemmt. Die Großaspacher, tabellarisch besser gestellt als der VfL, erkannten die Kirchheimer Schwächen und übertölpelten ein ums andere Mal die zuletzt hochgelobte Viererkette. Besonders Angreifer Saer Sene und der ebenso pfeilschnelle Abedin Krasniqi sorgten ein ums andere Mal für höchste Not im VfL-Defensivverband. Doch selbst in den prekärsten Situationen war Keeper Gühring ein perfekter Rückhalt.

Doch in der 79. Minute war auch der als unbezwingbar erscheinende Pokalheld geschlagen. Nachdem gleich drei VfL-Abwehrspieler nicht in der Lage waren, den über die rechte Seite heranstürmenden Krasniqi zu stoppen, kam selbiger unbehelligt zum Flanken, und der am Elfmeterpunkt freistehende di Biccari vollendete mit einem schönen Spannschuss zum 1:1. Das war noch nicht alles. Die SG machte weiter Druck, wirkte trotz Unterzahl frischer und unbekümmerter. Die größte Chance vergab ausgerechnet der ansonsten starke Krasniqi, der aus knapp 20 Metern allein auf Gühring zustürmend links am Tor vorbeischoss.

Nach dem Abpfiff war die Gemütslage der Kirchheimer trotz dieses Glücks eine gänzlich andere als noch acht Tage zuvor nach dem denkwürdigen Match gegen Reutlingen. Das Team um Kapitän Mario Grimm wusste nur zu gut, dass aus dem Befreiungsschlag im Abstiegskampf nur ein Befreiungsschläglein geworden war. „Wir sind angesichts der Großaspacher Chancen und Spielanteile mit dem 1:1 gut bedient“, bekannte VfL-Trainer Hofberger freimütig. Nur einem seiner Kicker attestierte der Coach eine überdurchschnittliche Leistung. „Patrick Gühring war in Topform“, so Hofberger, der bei den anderen Spielern „den Teamgeist, die Leidenschaft und den letzten Einsatzwillen“ vermisste. Am Mittwoch folgt das WFV-Pokalhalbfinale in Crailsheim, sonntags darauf das im Abstiegskampf womöglich vorentscheidende Spiel in Schwieberdingen – reichlich Gelegenheit, die gegen Großaspach vermissten Tugenden wieder hervorzukehren.

VfL Kirchheim: Gühring – Koch, Grimm, Dihl, Eisenhardt – Isci, Polat, Er, Spina (87. Raspe) – Tunjic (69. Gonsior), Laible (82. Altinsoy).

SG Sonnenhof Großaspach: Jurkovic - Fichter (38. Wengert), Aupperle, Adamos, Cimander – Blaskic, di Biccari, Montero, Greco - Krasniqi, Sene.

Tore: 1:0 Eisenhardt (22.), 1:1 di Biccari (79.).

Gelbe Karten: Eisenhardt, Koch – Fichter, Greco, Cimander, Krasniqi, Wengert.

Rote Karte: Aupperle (37., Notbremse).

Zuschauer: 200.

Schiedsrichter: Markus Kugele (Neuweiler) hatte auffallende Problemen beim Auslegen der Vorteilsregel und mit dem Bewerten von Zweikämpfen.

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