Lokalsport

"Die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, ist groß"

Vielfalt macht den Reiz der Leichtathletik aus, und Vielfalt hält bei Laune. An diesem Grundsatz orientiert sich die Nachwuchsarbeit in der LG Teck. Mit großem Erfolg: Im Sammelbecken der Leichtathletikgemeinschaft im Lindacher Tal tummelt sich nicht nur ein wachsender Schwarm Bewegungshungriger, sondern auch so mancher dicke Fisch.

BERND KÖBLE

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WEILHEIM Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr, behauptet ein alt bekanntes Sprichwort. Soll heißen: Wer später einmal auf eine solide Grundlage bauen will, muss früh etwas dafür tun. Das gilt für vieles im Leben, auch für den Sport. Und weil Hans und Hänschen im selben Boot sitzen, tut gut daran, wer dem anderen wissbegierig über die Schulter schaut. Der Generationenvertrag ist bei der LG Teck keine politische Streitfrage, sondern Teil des Alltags. Voneinander lernen, heißt das Motto. Wenn beim gemeinsamen Aufwärmtraining in den Wintermonaten Altersschranken fallen, dann ist dies nicht nur der Raumnot in der Sporthalle geschuldet, sondern durchaus gewollt.

"Ob sieben oder siebzig bei uns kennen sich alle Athleten", sagt Martin Moll mit unverhohlenem Stolz. Für den Vorsitzenden der LG Teck sind Begriffe wie Gemeinsinn und Teamgeist keine Plattitüden. Harmonie steckt an, und was viel wichtiger ist: sie spricht sich herum. Für Moll ein Grund, weshalb die LG erfolgreich gegen den Strom schwimmt. Denn während in vielen Leichtathletikabteilungen mangels Nachwuchs die Lichter ausgehen, bewegt man sich unter der Limburg seit drei Jahren am oberen Limit. Ein Limit, das vor allem im Winter der Belegungsplan der Weilheimer Wühlehalle steckt. Wenn das Lindachstadion in Winterstarre fällt, ersetzen Bodenturnen, Trampolinspringen oder Zirkeltraining jene Übungsteile, die der Kräftigung und Koordinationsschulung dienen. Dann teilen sich in der Wühle 150 Kinder und Jugendliche mit anderen Gruppen mehrmals die Woche die Halle, die trotz anhaltenden Zustroms bei den Leichtathleten nicht mehr her gibt. "Unsere Hallenzeiten sind seit 30 Jahren unverändert", meint Martin Moll.

Der Andrang auf Tartanbahn und Weitsprunggrube ist freilich nicht nur Ergebnis solider Arbeit, sondern auch Folge einer Art Marktbereinigung: Viele der momentan neun Stammvereine der LG Teck boten vor nicht allzu langer Zeit noch ein eigenes Leichtathletiktraining an. Heute ist die Quelle an der Basis vielerorts versiegt. Diente die LG anfangs noch als Auffangbecken für unterforderte Talente, übernimmt sie heute mehr denn je die sportliche Grundausbildung und setzt dabei auf Breitenwirkung. "Bei uns soll sich ein jeder aufgehoben fühlen", meint Martin Moll. "Kinder, die sich leistungsspezifisch entwickeln und solche, die sich nur bewegen wollen." Frühe Spezialisierung, die sich allein dem Leistungsgedanken unterordnet, ist deshalb tabu. Vielseitigkeit ist Trumpf. Frühestens mit 16 trennen sich bei der LG Teck die Wege in Richtung Spezialdisziplin. Das schlägt sich auch in Zahlen nieder: Bei Mehrkampfmeisterschaften für Schüler und Jugend sind LG-Teck-Athleten durchgängig in allen Altersklassen vertreten. Das schafft sonst nur noch die LG Leinfelden-Echterdingen, die fast das vierfache an Mitgliedern vorweisen kann. Will man Kindern und Jugendlichen auch in kritischen Entwicklungsphasen wie der Pubertät den Spaß am Sport erhalten, muss die Motivation stimmen. Auch dies ist ein Grund, weshalb man bei der LG Teck dem Mehrkampftraining breiten Raum widmet. "Jeder hat seine Stärken und Schwächen", meint Martin Moll. "Im Mehrkampf ist der Spaßfaktor größer, weil dort der Teamgeist dominiert."

Dass eine möglichst breitgefächerte Ausbildung ein guter Grundstock ist, unterstreichen erfolgreiche Athleten wie der Weilheimer Hürdensprinter Lukas Erdmann oder die 800-m-Läuferin Christina Krüger, die heute auf WLV-Ebene zur Elite zählen. Auch VfL-Sprinterin Anja Wackershauser, die seit einigen Jahren von Erfolgstrainer Micky Corucle in ihrer Spezialdisziplin trainiert wird, feierte erste Mehrkampf-Erfolge im Dress der LG Teck, nachdem sie bereits als Turnerin die hohe Schule der Bewegungskunst durchlaufen hatte.

Weil fachlich fundierte Ausbildung und sportlicher Erfolg einher gehen, hat die LG Teck eine Fortbildungsoffensive gestartet. Sieben der insgesamt zwölf Übungsleiter sind im Besitz einer Trainerlizenz. Weitere werden alsbald folgen. Analog zur fortschreitenden Verjüngungskur in der LG sinkt auch der Altersdurchschnitt bei den Trainern. Nicht wenige der angehenden Übungsleiter, die in Fortbildungen stecken, sind unter 18 Jahren. "Die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, ist groß", widerspricht Martin Moll auch in diesem Punkt einem landläufigen Urteil und schickt gleich eine weitere Zahl hinterher: 80 Prozent der Trainer stehen als aktive Leichtathleten selbst im Wettkampfbetrieb. Auch das ist nicht alltäglich.

INFOLG TeckZahl der Mitglieder unter 18 Jahren: 150Jährliche Mitgliedsbeiträge: Richtet sich nach den jeweils gültigen Sätzen in den Stammvereinen. Eine Mitgliedschaft dort ist Voraussetzung.Trainingsstätten: Lindachstadion Weilheim, Sporthalle Wühle.Ansprechpartner: Martin Moll, Ulla Reichel.Internet: www.lg-teck.de