Lokalsport

Die Blauen bleiben auf dem Boden

THOMAS PFEIFFER

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KIRCHHEIM Preisfrage: Wie lange liegt der letzte Kirchheimer Oberliga-Abstieg in die so ungeliebte Verbandsliga zurück? Acht Jahre, neun Jahre, zehn Jahre? Wer sich die präzise Recherche in der Statistik ersparen will und deswegen lieber VfL-Kreise befragt, erntet ratloses Schulterzucken. So, als ob der Niedergang schon eine Ewigkeit her sei. Denn weder Geschäftsführer Walter Rau noch Sportchef Norbert Krumm oder der damalige Abteilungsleiter Helge Waider ("war es 2000?") können aus dem Stegreif die genaue Jahreszahl benennen.

Vielleicht weil's eines der größten Negativereignisse war, die der Fußballabteilung jemals widerfuhr haben die Funktionäre den jähen Oberliga-K.o. einfach nur verdrängt. Richtig aber ist: Sechs Jahre liegt er zurück, nur sechs Jahre. Keine Ewigkeit.

Damals, im Jahr 2001, hatten die Blauen nach einer verkorksten Saison von 34 Rundenspielen nur sieben gewonnen (bei 13 Unentschieden) und zusammen mit dem Kreisrivalen SV Bonlanden in die Fünft-klassigkeit abgedankt. Der Rest ist bekannt. Die damals noch sechsstellig verschuldete VfL-Fußballabteilung stürzte nicht ins Bodenlose, die neu formierte Mannschaft erholte sich ziemlich schnell und vor genau drei Tagen gelang dem vor Saisonstart nochmals runderneuerten VfL-Team mit dem vorzeitigen Verbandsliga-Titelgewinn 2006/07 und dem damit verbundenen Oberliga-Direkt-aufstieg das, was Norbert Krumm "ein kleines Märchen" nennt.

Sechs Spielzeiten nur dauerte die sportliche VfL-Konsolidierung, und man sollte dies für die "historische" Bewertung wissen. Denn andere Bezirksvereine wie der SV Göppingen und der FC Eislingen, prägnante Schuldenmacher in den Achtzigerjahren, benötig(t)en zur Rückkehr aus der Versenkung Jahrzehnte.

Der VfL kam im Eiltempo zurück und ist kraft seiner "exklusiven" Viert-klassigkeit ab sofort wieder die unumstrittene Nummer eins im Fußballbezirk. "Ja, wir können mit der vergangenen Saison wirklich zufrieden sein", sagt Abteilungsleiter Dr. Jörg Mosolf, der eine Art VfL-Erneuerer ist. Doch sein Resumee gerät zum puren Understatement.

In Wirklichkeit müssten sie die Sektkorken gleich reihenweise knallen lassen an der Jesinger Allee, wo hinter den Kulissen, nach vollzogener Umschuldung, finanziell "wieder autark gearbeitet werden kann" (Walter Rau) und vor den Kulissen das runde Leder schnurstracks in die richtige Richtung läuft. Denn erstens bekommt die als "Betonabwehr" gefeierte VfL-Defensive mit Rückkehrer Marco Lovric noch einen "fertigen" Oberliga-Akteur hinzu, zweitens droht außer Alban Meha (SSV Reutlingen?) kein zweiter Spieler ernsthaft verloren zu gehen, drittens scheint der Ehrgeiz des A-lizensierten Trainers Michael Rentschler unverbraucht.

Der Coach, der ein weiteres VfL-Jahr anhängt vielleicht das wichtigste Pfund in der VfL-Oberligaplanung, die erst den Klassenerhalt (2007/08) vorsieht und danach im alles entscheidenden Qualifikationsjahr 2008/09 vor Einführung der neuen Dritten Liga den Kampf um Erhalt des Oberliga-Status. "Sicherlich werden wir uns dann nicht mit Großvereinen wie dem SSV Ulm messen können", gibt Abteilungsboss Mosolf die sportliche Marschroute vor. Trotz des jüngsten Verbandsliga-Triumphes bleiben die Blauen bescheiden, und der Saisonetat wird demzufolge auch nur um moderate 30 Prozent angehoben (auf 220 000 Euro).

Man mag einzelne Jahreszahlen vergessen, existenzbedrohende Fehler vergisst man nicht. Schon gar nicht binnen sechs Jahren.