Lokalsport

Die Emanzipation im Cockpit ist verschwunden

Pilotinnen sind bei den deutschen Junioren-Meisterschaften der Club- und Standardklasse auf der Kirchheimer Hahnweide dünn gesät. Sie machen nur etwa sechs Prozent des Starterfeldes aus. Warum Frauen im Segelflugsport weiterhin deutlich in der Minderheit sind, weiß Pilotin Sabrina Vogt.

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thomas Pfeiffer

Kirchheim. Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm: Nach ihrem Vater ist auch Sabrina Vogt (22) mit dem Segelflug-Bazillus infiziert. 15 Jahre alt war die Cottbusserin, als sie mit dem Luftsport erstmals richtig Bekanntschaft machte – seither hat sie ihren Spaß daran. Und Erfolg. Brandenburger Landesmeisterin der Senioren war sie, auf dem Sprung in die Nationalmannschaft auch („bei der deutschen Meisterschaft 2008 haben mir nur etwa 80 Punkte gefehlt“) – in der Jungpilotin aus der Lausitz steckt viel Potenzial. Nur auf der Hahnweide, wo sie bei der Junioren-DM in der Clubklasse fliegt, konnte sie es bisher nicht voll ausschöpfen: Bis zur Wochenmitte war die Top 20 Wunschmusik.

In den Cockpits dominiert die männliche Konkurrenz – qualitativ wie quantitativ. Es sind gerade mal eine Handvoll Pilotinnen, die bei den deutschen U25-Meisterschaften in zwei Wettbewerbsklassen die Qualifikation durchlaufen haben und auf dem Kirchheimer Flughafen derzeit am Start sind. Hingegen sind 75 Piloten registriert – etwa 94 Prozent des Feldes. Eine Diskrepanz. Wo bleibt die nicht nur von regionalen Segelflug-Größen wie Siegmund Maier (Fliegergruppe Wolf Hirth) in all den letzten Jahren viel beschworene Emanzipation im Ein- oder Zweisitzer? Sabrina Vogt, Mitverantwortliche beim Lausitz-Club LSV Neuhausen und beim aktuellen Hahnweid-Meeting sozusaagen die Henne im Korb, kommt bei der improvisiert eingestreuten Fragerunde vorm täglichen Pilotenbriefing rasch auf elementare Vereins-(Eintritt-) Probleme zu sprechen. „Frauen gehen auch deshalb nicht zum Segelfliegen, weil es in den Clubs von Haus aus zu wenig weibliche Mitglieder gibt. Wären mehr Frauen da, kämen mehr Neueinsteigerinnen.“ Ein Teufelskreis.

Rund 67 000 eingetragene Mitglieder zählt der Deutsche Aero Club (DAeC) – Schätzungen zufolge sind immer noch weniger als zehn Prozent weiblich. Ursächlich dafür ist auch, „dass Segelfliegen eine besonders zeitintensive Sportart ist. Welche Frau ist schon bereit dazu, am Samstagmorgen um neun auf den Flugplatz zu stehen?“, fragt die angehende Maschinenbau-Studentin. Sie selber tut‘s – sie, die zwei Jahre lang zusammen mit Gleichgesinnten Sportsoldatin in Bückeburg war, von wo die Fördergruppen-Mädels schon mal ins Segelflug-Paradies Südafrika durften. „Dort habe ich mit 996 Kilometern meinen weitesten Flug erzielt“, erzählt sie.

Die männlichen Hahnweide-Kollegen schätzen Sabrina Vogt, sie selber schätzt, dass Segelfliegerinnen auch in Zukunft eine Art Sonderstatus haben werden. „Frauen fliegen grundsätzlich anders als Männer“, sinniert sie, „sie fliegen mit weniger Risiko. Das liegt daran, dass sie im Gegensatz zu den Jungs im Segelflugzeug zu viel nachdenken.“ Vielmehr scheint Vorsicht die Mutter (in) der fliegenden Kiste.

Sagt zumindest die 22-Jährige aus Cottbus. Ihre Lieblingsbeschäftigung hat sie längst gefunden, wohin ihr sportlicher Weg endgültig gehen wird, vermag sie allerdings noch nicht zu sagen. Einerseits träumt sie vom Sprung in die Nationalmannschaft, andrerseits gibt es für sie auch ernsthafte Argumente, den Sport künftig nur noch „just for fun“ auszuüben. „Durchaus möglich, dass ich auf das Wettbewerbsfliegen aus Zeitgründen mittelfristig ganz verzichten werde.“

Die junge Frau aus Cottbus, das auch Kunstturn-Hochburg ist, steckt mitten im Spagat: dem zwischen Wunschtraum und Realismus.