Lokalsport

Die "Espresso" trotzt Wind und Wetter

Bei Regen, Sturm und Hagel hat der Naberner Jürgen Hülß (Yachtclub unter Teck) mit seiner Crew bei der Segel-Regatta "Rund Um"-Regatta auf dem Bodensee im Yardstick 3 den achten Platz belegt.

LINDAU Die 55. "Rund Um"-Regatta bot für die 468 in 25 Klassen gemeldeten Schiffe und 2 203 Segler alles, was sich ein Segler vorstellen kann: Flaute, Sturm, Regen und Hagel. Nach 16.34,18 Stunden überquerte die "Espresso" mit der Crew Jürgen Hülß (Yachtclub unter Teck), Max Joas (Anhausen-Diedorf) und Florian Hartig (Augsburg) im Yardstick 3 als Achte die Ziellinie in Lindau.

Anzeige

Die schlechte Wettervorhersage für den Regatta-Tag wurde Realität und wirbelte das Teilnehmerfeld kräftig durcheinander. Masten brachen, Segel zerrissen, Ruder brachen, ein Schiff verlor vor Nonnenhorn den Kiel und kenterte durch, mehrere Schiffe kollidierten. Die Wasserschutzpolizeien aller drei Anliegerstaaten und die DLRG waren stundenlang mit allen Schiffen im Einsatz. 118 Crews gaben angesichts dieser Umstände die Regatta frühzeitig auf.

Pünktlich zum Start war absolute Flaute. Selbst die extrem schnellen Libera-Yachten hatten Mühe, in Fahrt zu kommen. Das letzte Schiff überquerte erst eine Stunde nach Rennbeginn die Startlinie. Um in den Genuss des vom Wetterdienst angekündigten Landwinds zu kommen startete die Espresso am deutschen Ufer. Zunächst ging das Konzept auch auf. Als das Gros des Regattafeldes innerhalb von 90 Minuten bei minimalem Wind etwa 500 Meter zurückgelegt hatte, drehte der leicht auflebende Wind von der Schweiz kommend auf Ost. Die Spinnaker wurden bei ein bis zwei Windstärken gesetzt.

Bis zur Höhe von Nonnenhorn ging es dann relativ gleichmäßig voran. Von Konstanz her näherte sich jedoch eine riesige schwarze Wolkenwand. Es blitzte und donnerte ohne Unterbrechung. Kurz vor dem Erreichen der Wetterfront trat absolute Windstille ein, die genutzt wurde, um alle Spinnaker zu bergen, in die Großsegel Reffs einzubinden und die Sturmsegel anzuschlagen. Manche bargen alle Segel.

Nur wenige Minuten nachdem die Espresso das zweite Reff eingebunden und die Sturmfock aufgezogen hatte, brach der Sturm mit mindesten sechs bis sieben Beaufort (Bft.), in Böen auch mehr, Regen und kleinen Eiskörnern über das Regattafeld herein. Mit der Espresso, einem Leichtwindschiff von 7,20 m Länge, war bei diesen Verhältnissen an ein Aufkreuzen gegen den Wind und die immer größer werdenden Wellen nicht zu denken. Die Crew wetterte durch Hin- und Hersegeln mehr als 1 Stunde den Sturm ab. Nach dem Sturm regnete es dann bei etwa zwei bis drei Bft., aber die noch in der Regatta befindlichen Schiffe rundeten zunächst die erste Tonne bei Romanshorn und danach die bei Eichhorn.

Als die Espresso die Tonne in Romanshorn rundete, war die spätere Gesamt- und mehrfache Rund-Siegerin, die Libera Principessa von Joschi Entner bereits in Überlingen. Unter Spinnaker konnte die Espresso dann einige vor ihr segelnde Schiffe überlaufen. Nach dem Runden der Tonne bei Eichhorn ging es dann bei wechselhaften Winden und immer wieder einsetzendem Regen unter Gennaker zurück in Richtung Lindau. Unter Land hatten die Schiffe zwar den besseren Wind, mussten aber eine längere Strecke segeln. Zudem blieben die Schiffe zwischen Wasserburg und Lindau dann in einem Windloch hängen.

Wie im Vorjahr nahm die Espresso den direkten Weg und machte noch so manchen Rang gut. Unmittelbar vor dem Ziel gab es dann noch einen Kampf in einer Dreiergruppe um den besten Ausgangsplatz für den letzten Teil vom Glockenwerk vor Lindau zur 300 Meter dahinter liegenden Ziellinie. Die Espresso verhinderte durch geschicktes Anluven, dass die beiden anderen und wesentlich schnelleren Schiffe, deren Spinnaker in der Windabdeckung der Segel der Espresso ständig einfielen, nicht an ihr vorbeiziehen konnten und überquerte so die Ziellinie.

Dies bedeutete Rang acht nach berechneter Zeit im Yardstick 3. Siegerin dieser Klasse wurde die Crew der Carina um Werner Bogner auf einem 6,5 KR Seekreuzer. Gesamtsiegerin um das blaue Band wurde die Libera Principessa mit Joschi Entner in einer Zeit von 7.47,19 Stunden. In der internen Regatta-Wertung um den Wanderpokal des Yachtclubs unter Teck liegt Jürgen Hülß nun hauchdünn mit 152,32 Punkten vor Rolf Patzig und Karl-Heinz Landenberger, beide 151,90 Punkte.

jh