Lokalsport

Die Fußballer treten in den Streik

Die Vereine machen ernst: Aus Protest gegen die geplanten Mittelkürzungen bei der Sportförderung legt der Württembergische Fußballverband (WFV) am Wochenende den Spielbetrieb lahm. Sämtliche Begegnungen von der Kreis- bis zur Verbandsliga sind gestrichen. Ein Warnschuss vor den Bug der Landespolitik.

BERND KÖBLE

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KIRCHHEIM Die Stadien und Sportplätze im Einflussbereich des WLV werden am Wochenende zum Symbol des Widerstands. In einer bisher einzigartigen Protestaktion gegen die geplanten Einschnitte der Stuttgarter Landesregierung bei der Sportförderung (wir berichteten) geht der mitgliederstärkste Verband in einer Einzelsportart ab Freitag in die Offensive. Vom Boykott betroffen sind sämtliche Begegnungen zwischen dem 3. und 5. Dezember in den Verbands-, Landes-, Bezirks- und Kreisligen einschließlich aller Jugend-Spielklassen. Davon ausgenommen sollen lediglich Veranstaltungen in der Halle bleiben.

Die Nachricht am späten Nachmittag kam einem Paukenschlag gleich. Man habe sich in Abstimmung mit den Bezirksvorsitzenden zu diesem Schritt entschieden, um den Ernst der Lage deutlich zu machen, teilte WFV-Sprecherin Petra Bräuning gestern auf Anfrage mit. Die Amateurfußballer marschieren mit wehenden Fahnen voran. Andere Sportarten könnten bereits in Kürze folgen, denn in den einzelnen Präsidien unter dem Dach des Württembergischen Landessportbundes (WLSB) ist es längst keine Frage mehr, ob man sich dem Widerstand anschließt, sondern vielmehr wann und in welcher Form.

"Wir werden heute Abend darüber entscheiden, welche Maßnahmen in Frage kommen", ließ Kurt Ostwald, Vorsitzender des Handball-Bezirks Esslingen-Teck vor der gestrigen Präsidiumssitzung wissen. Auch Doris Imrich, die Frau an der Spitze des VfL Kirchheim und gleichzeitig Sprecherin der Vereine im Sportkreis Esslingen, steht zur Stunde in engem Kontakt mit dem Stadtverband für Leibesübungen (SfL), um Überzeugungsarbeit in den einzelnen Vereinen und Abteilungen zu leisten. Der Plan: Am kommenden Mittwoch, 8. Dezember, just an dem Tag, an dem die Stuttgarter Landesparlamentarier erstmals über den Doppelhaushalt 2005/2006 beraten, sollen sämtliche Kirchheimer Hallen und Sportplätze geschlossen bleiben.

Dabei kann nicht nur die VfL-Vorsitzende auf breite Zustimmung bauen. Quer durch alle Organe der beiden Dachorganisationen LSV und WLSB in Baden-Württemberg formiert sich der Widerstand, werden Internetseiten für Solidaritätskundgebungen genutzt. Immerhin: Kurt Antel, Geschäftsführer der VfL-Fußballabteilung, kann der abgesagten Auswärtspartie in Dorfmerkingen auch etwas Positives abgewinnen. Wenn die VfL-Kicker am Samstag sich zur wohl verdienten Weihnachtsfeier treffen, ist die gute Stimmung nicht in Gefahr.