Lokalsport

Die Knights vom Glück verlassen

Ein vernagelter Korb und eine enttäuschte Mannschaft Es war zum Haare raufen, was die rund 100 Kirchheimer Fans am Mittwochabend in Rastatt miterlebten. 7:39 Minuten vor Schluss führten die Knights mit 65:53 und steuerten auf die Tabellenführung in der Aufstiegsrunde zu. Doch dann kam alles ganz anders.

KIRCHHEIM Wie kann das passieren? Da kämpft eine Mannschaft und ihr neuer Trainer verzweifelt um die letzte Chance, glaubt gerade, den Dreh gefunden zu haben und dann geht plötzlich überhaupt nichts mehr. Es scheint, als hätte der Basketball-Gott den VfL in dieser Aufstiegsrunde verlassen. Es war ein denkwürdiges Spiel an diesem Mittwochabend in der Sporthalle des Tulla-Gymnasiums, in der die berühmt-berüchtigten weißen Gartenstühle des TV Rastatt-Rheinau im Karrée standen.

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So ging es los: Ein Superstart (8:2, 3.) mit vier Körben von vier verschiedenen Spielern, dann über ein 8:24 zum 16:26, bei dem der VfL den Hausherren unglaublich viele einfache Körbe gestattete. Doch plötzlich fand das Team seinen besten Schützen und der seinen Rhythmus: Drei irre Dreier von Kai-Uwe Kranz und die Knights waren beim 25:28 (14.) wieder im Rennen. Ein 0:9 zum 36:41 (19.) brachte den VfL ebenfalls nicht aus der Ruhe, und nach der Pause wurde es dann richtig gut. Mit einem 14:5-Lauf beendete die Truppe von Pasko Tomic, der in seinem ersten Spiel als Cheftrainer einen super Job machte, das dritte Viertel. Dies alles gelang gar ohne Ross Jorgusen, der nach 28 Minuten und vier Fouls vorsichtshalber auf der Bank Platz nahm.

Der VfL legte mit einem glücklichen Dreier von Tomi Martinovic, der vom Ring fast an die Hallendecke und dann durch die Reuse flog, noch einen drauf. Einen unwiderstehlichen Drive von James Hayden später stand Kirchheim 7:39 Minuten vor Schluss beim Stand von 65:53 vor dem Sieg. Zumal Kai-Uwe Kranz bei einem weiteren Drei-Punkte-Versuch gefoult wurde und nach dieser Auszeit, mit der die Rastatter die Wende erzwingen wollten, mit drei Freiwürfen die Führung hätte erhöhen können. Doch Schiedsrichter Herbert Schmidt hatte gesehen, dass Kranz beide Füße bereits wieder auf dem Boden hatte, als er gefoult wurde und verweigerte daher die Freiwürfe. Stattdessen gingen die Knights bei 15 Wurfversuchen meist von weit draußen leer aus. Nur drei Freiwürfe sorgten in dieser Phase für Punkte, und ausgerechnet der eher unsichere Rastatter Freiwerfer Joel Nganko erzielte mit zwei Treffern von der Linie in der vorletzten Minute den 68:68-Ausgleich. 12,8 Sekunden vor Schluss dann Glück für die Knights, als bei einem Rebound unter dem Kirchheimer Korb der Schiedsrichter einen Halteball pfeift, was nach der Regel des wechselnden Einwurfs Rastatt die letzte Chance gegeben hätte. Doch Schiri-Kollege Johannes Hack sah ein Foul von Super-Rebounder Dima Binkovski an Bill Goehrke. Die letzte Chance zum Sieg vergab der VfL aber ebenso wie die vielen anderen zuvor: Diesmal war es Tomi Martinovic, der mit seinem Fernwurf scheiterte.

In der Verlängerung ging der TV mit 73:70 (42.) in Führung. Ross Jorgusen und der an der Linie eklatant sichere James Hayden schafften mit vier Freiwürfen schließlich das 74:73 für den VfL. Dann kamen die letzten 90 Sekunden: Joel Nganko parkt ewig in der Kirchheimer Zone, ohne dass die Schiedsrichter die Drei-Sekunden-Regel angewendet hätten. Doch Nganko vergibt. Den Rebound angelt sich Binkovski, der wird von Bill Goehrke getroffen (fünftes Foul) und verwandelt einen von zwei Freiwürfen zum 74:74-Ausgleich. Im Gegenzug bekommt Nenad Lukic einen angeblich unsauberen Block gepfiffen: Auch er geht mit seinem fünften Foul vom Platz. Doch die Knights wehren auch diesen Angriff ab: Jorgusen zieht zum Korb und verfehlt. Foul? Kein Pfiff. Im dritten Anlauf sichert sich Rastatt den Rebound, Seatovic kann von Lenger auf Kosten seines ebenfalls fünften Fouls nur regelwidrig gestoppt werden und verwandelt beide Freiwürfe zum 76:74. Noch 2,7 Sekunden zu spielen. Den Einwurf fängt Jorgo Tsouknidis, ein Rastatter knallt mit ihm zusammen, doch der Grieche kann den Ball trotzdem noch von der Mittellinie Richtung Korb befördern natürlich daneben. Aus, vorbei.

Die Kirchheimer müssen die Jubelszenen der Gastgeber ertragen und verstehen die Welt nicht mehr. Wie konnte das passieren? Am Sonntag sollten die Knights eine Antwort darauf gefunden haben. Die minimale Chance: Alle restlichen vier Spiele gewinnen und auf zwei Niederlagen von Rastatt hoffen. Schwierig. Aber nicht unmöglich.

mad

VfL Kirchheim:

Goehrke (6, 7 Rebounds), Hayden (18, 10:11 Freiwürfe, fünf Assist, vier Turnover, 2 Steals), Jorgusen (15/1, 4:6, 5:14 Würfe, 3 Assist, 7 Rebounds, 1 Steal), Kranz (23/6, 7:18 Würfe, die letzten acht daneben), Lenger (6, 3:4 Würfe, 3 Reb., 2 As., 2 Steals), Lukic (0:7 Würfe), Martinovic (6/2, 2:7 Würfe, 2 Blocks), Tsouknidis.TV Rastatt-Rheinau:

Nganko (28), Johnson (17), Seatovic (17/2), Binkovski (8),Blace (4), Tolo (2), Nafra, Coric, Dugandzic, Parrisius.Fouls:

20 (TVR), 28 (VfL).Freiwürfe:

22:36/61,1 % (TVR), 17:22/77,7 % (VfL).Viertel:

20:16, 23:25, 10:19, 15:8, 8:6.Schiedsrichter:

Herbert Schmidt (Lauterbourg) und Johannes Hack (Sandhausen) trafen einige sehr zweifelhafte Entscheidungen. Zuschauer:

200 (100 aus Kirchheim).