Lokalsport

Die Nacht der letzten Chance

Nach dem verpatzten Start in die Aufstiegsrunde zur zweiten Bundesliga geht es für die Kirchheim Knights schon im zweiten Spiel heute Abend womöglich um alles oder nichts: Beim Liga-Konkurrenten TV Rastatt-Rheinau muss gewonnen werden.

KIRCHHEIM Vor dem ersten Spiel ohne Theo Leftakis stellt sich die Frage, wie die VfL-Basketballer den überraschenden Abschied ihres Trainers weggesteckt haben. In der Mannschaft und im Umfeld hatte sich schon am Tag nach der 76:80-Niederlage gegen Treis-Karden und Leftakis Demission die richtige Jetzt-erst-recht-Stimmung verbreitet. Die Aussicht, dass mit Nachfolger Pasko Tomic ein Ruck durch die Mannschaft gehen könnte, scheint vorhanden zu sein. Der ist dringend nötig, denn mit einer weiteren Niederlage rückt der erste Platz und damit der Aufstieg in weite Ferne.

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Allerdings steht mit dem TV Rastatt-Rheinau heute Abend der Angstgegner der Knights auf dem Programm. Gegen die Badener hat der VfL seit dem 18. Dezember 2004 nicht mehr gewonnen. Damals rettete der Wahnsinns-Dreier von Kai-Uwe Kranz das 68:67 und den historischen Abend der Umbenennung in Kirchheim Knights. Gegen keine andere Mannschaft weisen die Kirchheimer eine solch negative Bilanz auf: Von den bisherigen sechs Spielen in der Regionalliga gegen den TV gewannen die Knights lediglich zwei. Was bei den zwei Begegnungen in der vergangenen Meistersaison besonders auffiel: Ausgerechnet gegen die Badener treffen die Kirchheimer nicht. Im Heimspiel führte eine katastrophale Quote von 33 Prozent zum 65:66 und zur ersten Saisonniederlage. Beim Rückspiel reichten 36 Prozent wieder nur zu 65 Punkten, was das am Ende hohe 65:79 erklärte.

Offensichtlich hat Rastatts Spielertrainer Zoran Seatovic ein ideales Rezept gefunden. Meist lässt er eine 3-2-Zonenverteidigung spielen, mit der der VfL immer schlecht zurecht kam. Für eine Mannschaft, die nach dem Ausfall von Chuks Neboh und damit ihres einzigen wirklich großen Spielers von den Würfen von außen lebt, wäre eine Fortsetzung dieser Ladehemmung also fatal. Der einzige klare Sieg Kirchheims war übrigens das 96:86 am 17. Januar 2004 auf dem Weg zum ersten Regionalliga-Titel, als Ross Jorgusen (35) und James Hayden (36) zusammen 71 Punkte erzielten.

Erschwert wird die heutige Aufgabe natürlich durch die Ausgangssituation. Zwei Stunden bevor die Knights ihr erstes Aufstiegsspiel verloren, gewann der TV doch etwas überraschend 76:75 beim Nordmeister ASC Mainz und tankte damit reichlich Selbstvertrauen. Larry Johnson war mit 25 Punkten der überragende Spieler, Zoran Seatovic traf vier Drei-Punkte-Würfe, kam auf 22 Zähler und traf sechs Sekunden vor Schluss den entscheidenden Freiwurf. Beim Gegner, dem selbst ernannten Favoriten der Runde, war der Frust groß. Coach Dejan Kreclovic: "Wir sind selbst schuld. Wir haben den Sieg durch katastrophale Fehler hergeschenkt." Groß dagegen die Euphorie in Rastatt. Seatovic: "Wir hätten eigentlich locker gewinnen müssen. Man hat nun drei Heimspiele nacheinander und kann schon heute mit einem Sieg einen großen Konkurrenten klar distanzieren."

Das Spiel in Mainz sahen übrigens gerade mal 150 Zuschauer nicht gerade zweitligareif. Deutlich mehr werden es heute Abend in Rastatt im Tulla-Gymnasium, der dritten Spielstätte des TV nach der Gustav-Heinemann-Schule und der Altrheinhalle sein. Ob allerdings der Weissinger-Fanbus fährt, entscheidet sich erst heute zur Mittagszeit. Wegen des Werktags und der späten Rückkehr haben sich bisher nur wenige jugendliche Fans zu der Reise entschließen können, schließlich ist der Donnerstag ein Schultag. Anmeldungen sind noch möglich unter 0 70 21/4 12 19 oder unter ulrich@tangl.de. Sollte der Bus nicht fahren, wird versucht, so viele Fans wie möglich auf private Pkw zu verteilen. Schließlich geht es um die Nacht der letzten Chance. Und da können die Knights jede Unterstützung gebrauchen.

mad

VfL:

Goehrke, Hayden, Jorgusen, Kranz, Lenger, Lukic, Martinovic, Tsouknidis.