Lokalsport

Die Oberliga hat den VfL Kirchheim wieder

REIMUND ELBE

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KIRCHHEIM Es waren nur noch Sekunden zu spielen, an der Außenlinie hatten sich bereits Trainer, Spieler und Funktionäre des VfL Schulter an Schulter aufgereiht, da schaute die Sonne erstmals an diesem Nachmittag nach knapp zweistündigem Dauerregen hinter den Wolken hervor das sprichwörtliche i-Tüpfelchen bei der bemerkenswerten Kür des neuen Verbandsligameisters sandte der Himmel. Nur einige Wimpernschläge später wurde der Rasen dann zur ultimativen Partyzone.

Nach dem Abpfiff herrschte völlige Ausgelassenheit bei allen VfL-Prota-gonisten, bei denen vor dem Anpfiff "noch eine gewisse Anspannung" (VfL-Mittelfeldspieler Coskun Isci) vorgeherrscht hatte. Freudengesänge unter Spielern, Fans und Funktionären es war die volle Dosis der fußballerischen Glückseligkeit. Warum sind die Kirchheimer Meister geworden? Die Antwort auf diese Frage gab es in der komprimierten Form. Wie der VfL trotz der nervlichen Belastung den vor dem Anpfiff immerhin auf Platz sieben befindlichen SV Fellbach im Griff hatte, nötigte Res-pekt ab. Exakt eine Torchance gestatteten die Teckstädter den Gästen.

Der VfL agierte dagegen fast schon wie im Rausch. Kombinationssicher, torhungrig, defensivstark es war eine Lehrstunde für das Team von Trainer Frank Weinle, das auch nach Meinung des Coaches "einfach überfordert" war. Bevor die Kirchheimer zur ersten von vielen Polonaisen des Abends ansetzen konnten, taten sie vor allen Dingen eins: Sie spielten vom Anpfiff weg hochkonzentriert. Der frühe Lohn nach genau 62 Sekunden: Das 1:0 durch einen Abstauber des kurz vor Spielbeginn vom Heimpublikum verabschiedeten Brasilianers Tiago Santos-Araujo. Dass das Tor unter irregulären Umständen zustande kam VfL-Angreifer Feriz Meha hatte eine Isci-Flanke mit der Hand an sein Sturmpendant weitergeleitet spielte nach dem Ende des Matches nur noch eine untergeordnete Rolle. Selbst wenn es nicht zu diesem fixen und nicht regelkonformen Treffer gekommen wäre, hätten die VfL-Mannen wohl trotzdem das Kind sicher geschaukelt.

In Folge wählten die Kirchheimer variable Spieleröffnungen. Die Fellbacher waren gezwungen, ausschließlich zu reagieren statt zu agieren. Die nächsten Tore fielen in punkto Vorabeit und Abschluss mehrheitlich in die Kategorie "Augenweide". Nach einem sehenswerten Isci-Solo auf der linken Seite drückte Feriz Meha den Ball zum 2:0 über die Linie (22.), der zweifache Torvorbereiter Isci verwandelte in der 35. Minute einen Foulelfmeter zum 3:0 und Feriz Meha machte schließlich in der 69. Minute nach einem exzellenten Pass von Bruder Alban mit einem platzierten Schuss den Aufstieg perfekt. Der Rest bestand aus dem Warten auf den Abpfiff. Und der wurde dem mitfeiernden Anhang mit weiteren netten Kombinationen des VfL versüßt.

Um 17.15 Uhr war es so weit: Fast auf den Tag genau zehn Jahre nach dem größten Triumph einer VfL-Mannschaft (Aufstieg in die Regionalliga) spielten sich auf dem Rasen ähnliche Szenen ab wie einst nach dem 4:1 über den FC Bammental Ende Mai 1997. Eines haben damalige wie heutige Kicker auf jeden Fall gemeinsam: der Aufstieg kam unerwartet. Die 800 Zuschauer wussten den besonderen Augenblick zu würdigen und feierten das Team von Michael Rentschler noch minutenlang nach Spielende. Und auch der Spielausschussvorsitzende des Würtembergischen Fußball-Verbandes, Dieter Mäußnest, zeigte sich bei der Übergabe des Meisterwimpels an VfL-Mannschaftskapitän Mario Grimm angetan vom fußballerischen Wirken der Teckstädter in dieser Runde. "Es sind sich wohl alle Teams in dieser Liga einig, dass der VfL Kirchheim ein würdiger Meister ist."

VfL Kirchheim: Gühring Eisenhardt, Grimm, Er, Kutscher Alban Meha (83. Akdag), Raspe (72. Mayer), Polat, Isci Santos-Araujo (75. Kaiser), Feriz Meha.SV Fellbach: Rittenauer Merkelbach, Zipponig, Hinderer, Fleischer Valcano, Lösch, Stawski, von Manstein (8. Göktas) Trickov, Capasso (72. Hossen).Tore: 1:0 Santos-Araujo (2.), 2:0 Feriz Meha (22.), 3:0 Isci (35./Foulelfmeter), 4:0 Feriz Meha (69.).Gelbe Karten: Grimm Hinderer, Trickov.Zuschauer: 800.Schiedsrichter: Florian Steinberg (Münchingen) bot trotz seines Fehlers vor dem 1:0 in der Summe eine bemerkenswert gute Leistung.