Lokalsport

Die "Ostkurve" ist fest in der Hand der Teckschwoba

KIRCHHEIM Wer Stammgast im Wachthaus am Kirchheimer Rossmarkt ist, der weiß, dass er mitunter Ärger bekommen kann, wenn er den falschen Sitzplatz wählt. Wer sich nämlich nach dem Betreten des Lokals rechterhand an den Tresen

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PETER EIDEMÜLLER

setzen will, dringt unweigerlich in Hoheitsgebiet der "Teckschwoba" ein so lautet der Name der als offizieller Fanclub des VfB Stuttgart geführten Gemeinschaft von Fußball-Enthusiasten, die ihrer Vorliebe für den hiesigen Bundesligisten am Tresen ihres Stammlokal, in der so genannten Ost-Kurve, frönen.

Die Mitgliederliste der "Teckschwoba" liest sich wie das "Who is who" der Kirchheimer Promi-Szene: Als Vorsitzender fungiert der Geschäftsmann Rolf Wicker, als Zweiter Vorsitzender Erwin Schneider vom Wachthaus, den Kassierer gibt Speditionsunternehmer Dr. Jörg Mosolf, der sich mit Zahlen bekanntermaßen bestens auskennt. Den Posten des Pressewarts bekleidet Stadtrat Siggi Pöschl, vielen auch als Kirchheims Hansdampf in allen Gassen bekannt. Zu diesen vier gesellen sich noch rund 20 weitere VfB-Sympathisanten, die allsamstäglich die Götter im Sinne ihrer geliebten Mannschaft beschwören. "VfB-Fans waren wir alle schon immer", erzählt Siggi Pöschl, "also dachten wir uns: Warum nicht einen Fanclub gründen?"

Initiator war Rolf Wicker, der als gebürtiger Cannstatter schon immer einen guten Draht zum VfB hatte. Bei ihm kann es mitunter schon mal vorkommen, dass er das Wachthaus während Fernsehübertragungen von VfB-Spielen mit hochrotem Kopf verlässt, wenn andere über seinen VfB spotten. "Das kann ich überhaupt nicht haben, wenn man die Mannschaft einmal lobt und im nächsten Moment über sie herzieht."

Ja, sie gehen mit Leib und Seele zu Werke, die Teckschwoba, die seit 25. Juli letzten Jahres als offizieller Fanclub eingetragen sind. Die von VfB-Präsident Erwin Staudt unterschriebene Urkunde ziert die "Ostkurve" im Wachthaus. Dort treffen sie sich unter der Woche, um zu fachsimpeln und um arglose Kneipenbesucher zur Mitgliedschaft beim VfB zu bewegen. Denn auch die Teckschwoba sehen sich der von Erwin Staudt initiierten Mission "Wir packen Schalke" verpflichtet. Diese hat bekanntlich zum Ziel, den Verein aus dem Ruhrpott, was die Mitgliederzahlen angeht, auszukontern. Den momentanen Erfolg der Schalker erklärt man sich in der "Ostkurve" mit der Herkunft des Trainers. "Ralf Rangnick ist ja schließlich auch ein Schwabe", sagt Wicker augenzwinkernd.

Als emsige Geschäftsleute im gesetzteren Alter können die Teckschwoba verständlicherweise nicht jedes Spiel ihrer Mannschaft wahrnehmen, doch wenn sie mal ins Stadion gehen, dann folgt dies einem festen Ritus: Auf dem Weg zu den Rängen im Daimler-Stadion machen sie stets Halt beim Polizeisportverein und lassen sich dort ein zünftiges Hefeweizen schmecken. Was den Teckschwoba indes garnicht schmeckt sind die Anhänger des FC Bayern. Um der Gefahr zu entgehen, dass sein Töchterchen Karin ihrem Papa eines Tages mitteilen könnte, dass sie Bayern-Fan ist, hat Dr. Jörg Mosolf sie am Tag ihrer Geburt am 21. Juni kurzerhand zum eingetragenen VfB-Mitglied mit Ausweis gemacht. Um den Nachwuchs brauchen sich die Teckschwoba also nicht zu sorgen.

Neben ihrer Liebe zum VfB zählen die Teckschwoba auch soziales Engagement zu ihren Aufgaben. Der jährlich fällige Mitgliedsbeitrag sowie Spenden kommen einem guten Zweck zugute. Aus aktuellem Anlass könnten die Teckschwoba ihre monetäre Gabe ja eventuell auf dem Transfermarkt anlegen dem VfB fehlt für die nächste Saison schließlich noch ein Nachfolger für Timo Hildebrand.

So lange der blonde Teenieschwarm allerdings noch das Gehäuse der Stuttgarter hütet, hoffen selbstverständlich auch die engagierten Teckschwoba auf einen versöhnlichen Saisonausgang, der mit ihren Vorstellungen konform geht. "Ein Champions-League-Platz müsste drin sein", lautet der Tenor im Wachthaus. Dann müsste auch niemand mehr mit hochrotem Kopf das Lokal verlassen es sei denn, es wäre Matthias Sammer höchstpersönlich.