Lokalsport

Die Schonzeit ist vorbei: Jetzt gilt's

Am sechsten Spieltag beginnt für die Kirchheim Knights endgültig der Ernst der zweiten Liga. Beim Heimspiel gegen Union Shops Rastatt am Samstagabend (19.30 Uhr, Sporthalle Stadtmitte) heißt es zum ersten Mal: Es muss gewonnen werden.

MAX DANIEL

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KIRCHHEIM Tatsächlich waren die bisherigen fünf Begegnungen fast noch so etwas wie eine Probezeit: Der Druck war nicht übermäßig groß. Bei den Auswärtsspielen in Langen, Lich und Kaiserslautern sowie den beiden Heimspielen gegen Heidelberg und Bayreuth wären fünf Niederlagen für den Aufsteiger durchaus erwartbar gewesen. Dass die Knights dabei zwei Auswärtssiege schafften, war phänomenal. Gegen die Spitzenteams zahlte Kirchheim aber ausnahmslos Lehrgeld. Morgen wird sich nun zeigen, ob sich diese Investition schon auszahlt. Gegen den Mitaufsteiger und derzeitigen Tabellenvorletzten Union Shops Rastatt sind die Voraussetzungen nämlich ganz andere: Ein Sieg muss her. Der wäre nicht nur gut fürs Punktekonto, sondern wahrscheinlich wegweisend für den Rest der Vorrunde und elementar für das Selbstvertrauen. Als veritabler Mittelfeldkandidat blickte man beruhigter in die Zukunft, während bei einer Niederlage der Abstiegskampf mit all seinen psychischen Begleiterscheinungen bereits begonnen hätte.

Schaut man auf die bisherigen Spiele des Gegners und auf die Entwicklung dort, ist Zuversicht durchaus angebracht. Das Team von Zoran Seatovic konnte bisher nur einen Sieg einfahren: das 92:85 beim sieglosen Schlusslicht USC Freiburg. Ansonsten offenbarten die Rastatter vor allem Probleme in der Offensive: Gegen Crailsheim (51:67), in Mainz (53:62) und zuletzt gegen Breitengüssbach (54:68) gelang es nicht, die 60-Punkt-Marke zu überschreiten, und bei der knappen Heimniederlage gegen Nördlingen (68:72) zeigten sich die Akteure des badischen Klubs auch nicht gerade im Punkterausch. Dennoch haben bisher vier Spieler im Schnitt zweistellig gepunktet. Allen voran Aufbauspieler Florian Moysich (15,0), der bei der BG Karlsruhe schon Erstligaerfahrung sammeln konnte und um den sich im Spiel fast alles dreht. Fast 38 Minuten steht er im Durchschnitt auf dem Feld.

Ein alter Bekannter ist Thorsten Kustos (12,0), der vom SSC Karlsruhe kam und vor allem durch seine gute Verteidigung und sein lockeres Händchen von außen besticht. Ihm gelangen schon 15 Dreipunktewürfe in dieser Saison. Mindestens ebenso wichtig sind Joshua Goodwin (11,8), bisher bester Rebounder der Liga (12,6), und Sebastian Rathjen (10,2), der schon im BBL-Aufgebot von Bayer Leverkusen stand und 2005 mit Schwelm den Bundesligaaufstieg schaffte. Zu diesen Vieren kam vor zwei Wochen Klaus Schille (2,09 m) aus der Berliner Talentschmiede Lichterfelde hinzu, der den US-Center Henry Colter verdrängte. Das Problem der Rastatter: Nach diesen fünf Spielern kommt nicht mehr allzu viel. Man darf allerdings gespannt sein, ob Seatovic bis zum Samstag nicht doch noch ein Ass aus dem Ärmel zieht und sich kurzfristig auf dem riesigen Markt der US-Boys bedient. Der Trainerfuchs weiß: Auch für sein Team ist es ein absolutes Schlüsselspiel.

Mit diesem Wissen wollen auf der anderen Seite die Knights vor allem eines: einen erneuten Fehlstart verhindern. Coach Pasko Tomic richtete unter der Woche das Augenmerk vor allem auf die Abwehr. Zahlen lügen bekanntlich nicht: mit 91 kassierten Punkten pro Spiel hat Kirchheim die löchrigste Abwehr der Liga. Gegen den schwächsten Angriff (Rastatt erzielte nur 63,6 Punkte im Schnitt) sollte die Defensive endlich einmal Akzente setzen. Personelle Probleme hat Tomic keine, mit der Einstellung sowieso nicht: Alle der Coach am meisten brennen auf ein Ende der Negativ-Serie gegen Rastatt, das in den letzten fünf Begegnungen die Nase vorn hatte. Und dennoch ist einer ganz besonders heiß: Alexander Zyskunov, der Rastatt im Herbst 2005 nach drei Spielen unter unschönen Randerscheinungen verließ. Seither gehen die Meinungen über sein Kurzgastspiel hier wie dort weit auseinander. Gegenseitige Vorwürfe stehen nach wie vor im Raum. Morgen bekommt der gebürtige Weißrusse endlich Gelegenheit, die Antwort auf dem Spielfeld zu geben.