Lokalsport

"Die Sportschau ist ein absoluter Pflichttermin"

Sie drückt dem VfB Stuttgart die Daumen, die Tour de France würde sie am liebsten rund um die Uhr verfolgen, privat spielt sie Tennis und betreibt Nordic Walking: Sport hat im Leben von Angelika Matt-Heidecker (52) einen hohen Stellenwert. Was frühe Wurzeln hat: Schon als Kind entwickelte die Kirchheimer Oberbürgermeisterin am lokalen Sportgeschehen großes Interesse, verfolgte zahlreiche Veranstaltungen vor Ort.

THOMAS PFEIFFER

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KIRCHHEIM Seit fast zwei Jahren ist Angelika Matt-Heidecker Oberbürgermeisterin der Stadt Kirchheim. Welche Bedeutung lokale Sportevents für sie haben, was sie am Sport persönlich berührt und favorisiert, verrät sie im nachfolgenden Interview. Hallo Frau Matt-Heidecker, wie würden Sie auf einer Skala von 1 (klein) bis 10 (sehr groß) ihr Interesse am Sport einordnen?Eindeutig bei 10, schließlich hat der Sport mein Leben geprägt. Als 6-Jährige war ich eine VfL-Kunstturnerin ohne Talent, bei der Leichtathletik ging es besser. Ich war regelmäßig Zuschauerin bei vielen Sportarten, ob bei Werner Bodamers Siegen beim Ringen in der Alleenschule oder den VfL-Basketballern mit ihrem damaligen Star Bob Pipkin. Die VfL-Fußballer hat meine Familie regelmäßig zu Auswärtsspielen begleitet. Ich habe als Jugendliche damals so ziemlich alles angeschaut, was der Kirchheimer Sport zu bieten hatte. Bis heute hat mein Interesse nicht nachgelassen. Wenn Sie Sport im Fernsehen schauen . . . was verfolgen Sie mit besonderer Aufmerksamkeit? Die Familie Heidecker schaut daheim fast alles an, was mit Sport zu tun hat. Für Fußball habe ich eine Vorliebe, ganz wichtig ist mir die Tour de France, wobei es bedauerlich ist, dass ich zu den Übertragungszeiten meistens im Büro sitze. Die Sportschau am Samstag mit Bundesligafußball ist ein absoluter Pflichttermin. Ich bin bekennender VfB-Fan und habe in den vergangenen Wochen mitgelitten. Derzeit sind Skispringen und Skirennen angesagt. Jetzt freue ich mich auf die Olympischen Winterspiele. Privat spielen Sie Tennis beim SV Nabern als physischer Ausgleich für einen stressigen Job oder einfach nur, weil es Ihnen Spaß macht?Jede sportliche Bewegung, die man macht, ist nützlich, wenn man wie ich eine sitzende Tätigkeit hat. Schade, dass es die AK-40-Damenmannschaft beim SVN aus Personalmangel jetzt nicht mehr gibt. Deshalb muss ich mit dem Tennisspiel zwangsläufig etwas kürzer treten. Ausgleichssport habe ich zur Genüge. Ich betreibe Nordic Walking, wir fahren regelmäßig nach Bad Schuls im Engadin zum Skifahren, übrigens seit 24 Jahren schon, ich mache Skilanglauf und schwimme im Sommer im Freibad auch gerne mal 1000 Meter. Leistungssport in Kirchheim was fällt Ihnen dazu ein?Echten Leistungssport gibt es sicherlich in der VfL-Kunstturnabteilung, siehe den Erstbundesliga-Aufstieg der Damenriege erst vor wenigen Wochen. Die Sportschützen, die aus der Bundesliga wohl wieder absteigen werden, Leichtathlet Tobias Unger, die Fumic-Brüder, Basketballer, aber auch die Segelflieger zähle ich zu den Leistungssportlern. Leider ist der Fußball in unserer Stadt etwas ins Stottern geraten. Als Oberbürgermeisterin übernehmen Sie sehr viele Repräsentationsaufgaben. Gibt es lieb gewordene Sportveranstaltungen, an denen für Sie richtig viel Herzblut hängt?Der Sport hat für mich generell etwas Faszinierendes. Ob man irgendwo Herzblut vergießt, muss nicht davon abhängen, ob absolute Top-leistungen geboten werden. Es sind oft die dort gezeigten Emotionen, die bewegend sind. Ein eindrucksvolles Beispiel dafür war das Teckbotenpokalturnier 2005 in Jesingen. Wenn die Basketballer in der Sporthalle Stadtmitte ihre Heimspiele absolvieren, ist das natürlich ebenso begeisternd. Ich fiebere aber auch schon mal bei den Kreisliga B-Fußballern des TSV Ötlingen mit. Das Radrennen mit seinen manchmal über 10 000 Besuchern ist das Kirchheimer Zuschauer-Spektakel schlechthin. Eine Veranstaltung, die aus dem Veranstaltungskalender nicht mehr wegzudenken ist . . .Für die Stadt Kirchheim ist das Radrennen, das mittlerweile ein echtes Event ist, sicherlich das Aushängeschild unter den Veranstaltungen. Und für die Zuschauer ist es immer wieder faszinierend zu sehen, wie durchtrainiert die Amateur- und Profifahrer sind, die auf dem Alleenring an den Start gehen. Die handelnden Personen sind beim Radrennen künftig andere: Die Organisation hat von Johannes Dornhofer und dessen Firma SEC zur Kirchheimer Racing Team GmbH mit Lado Fumic gewechselt, eine Firma Spyder mischt neuerdings auch mit, und bei Veranstalter RKV Kirchheim gab es einen Führungswechsel. Das Ganze verlief nicht gerade harmonisch befürchten Sie als offizielle Schirmherrin irgendwelche Auswirkungen auf kommende Rennen?Nein, wieso? Unzweifelhaft wird das Radrennen künftig eine andere Veranstaltung sein als bisher, mit neuen Abläufen und sehr wahrscheinlich an zwei Tagen, ich hatte mit Lado Fumic bereits eine Unterredung darüber. Grundsätzlich hat die Stadt Kirchheim die Entscheidung des Veranstalters, ein neues Organisationsteam zu beauftragen, zu respektieren. Jetzt sind neue Leute am Werk, und man sollte ihnen eine faire Chance geben. Die Stadt wird die Veranstaltung im bislang gewährten Rahmen weiter unterstützen.Was ist für die Stadt eigentlich besser: Ein exklusives Radrennen mit Profis wie den Nürtinger Stefan Schumacher als Zugpferde oder ein eher kleineres Rennen mit ausschließlich Amateuren und Lokalmatadoren, denen damit ein attraktives Betätigungsfeld geboten wird?Ich gebe zu: Ein noch exklusiveres Rennen in Kirchheim auf die Beine zu stellen, davon halte ich überhaupt nichts. Nein, es sollte wie bisher eine gute Mischung sein. Einerseits schaffen wir so ein reizvolles Betätigungsfeld für die vielen Fahrer aus den lokalen Vereinen, andrerseits bekommt das Publikum einige prominente Fahrer sozusagen direkt vor der Haustüre serviert. Segelflug und Radsport sind jene zwei Sportarten, mit denen man Kirchheim/Teck überregional sportlich vielleicht am meisten assoziiert. Wenn Sie den Vergleich zur "Einkaufsstadt" Kirchheim ziehen, für die man ja auch seit langem wirbt: Was ist für das Image der Teckstadt eigentlich prägender, die sportliche oder die kommerzielle Komponente?Schwer zu sagen, es gibt ja keine messbaren Werte. Der Sport in Kirchheim ist für die Stadt sicherlich ein sehr angenehmer Werbeträger. Kirchheimer Sportmannschaften, ganz gleich, ob Basketballer, Fußballer oder Kunstturner, sorgen mit auswärtigen Auftritten dafür, dass Kirchheim verstärkt wahrgenommen wird. Man könnte sogar soweit gehen und sagen, dass diese Sportler dazu beitragen, dass auch noch das Kirchheimer Profil als Wohn- und Bildungsstadt gestärkt wird . . . zumindest indirekt tragen sie dazu bei.Seit den 50er-Jahren brachte Kirchheim Größen wie Judoka Franz Synek, Sprinter Dieter Jurkschat, Ringer Werner Bodamer, zuletzt die Fumic-Brüder und 200-Meter-Läufer Tobias Unger hervor. Kann neben dem jeweiligen Stammverein auch eine ganze Stadt von solchen Stars profitieren?Wenn ein Sportler erfolgreich ist, lockt er automatisch junge Leute in dessen Verein, viele wollen dem Star dann nacheifern. Solcher Vereinszulauf ist genauso positiv zu sehen wie die Tatsache, dass ein Star immer ein Aushängeschild ist und somit wesentlich dazu beiträgt, dass die Wahrnehmung seiner Heimatstadt in der Öffentlichkeit größer wird. Insofern ist es schon so, dass eine Stadt von ihren Stars profitiert. Kein Tourist würde in Kirchheim aber nur deshalb Urlaub machen, weil dort ein 200-Meter-Europameister lebt . . . Das kann schon sein, aber die Kehrseite ist: Eine Stadt, in der ein Europameister lebt, verbucht zweifellos einen Imagegewinn, und unter den Stadtbewohnern wird das Wir-Gefühl gestärkt. Der Kirchheimer Jugend ist ein Sportler wie Tobias Unger ein großer Ansporn. Aber zu Ihrer Frage: Ein international erfolgreicher Sportler wird natürlich durch die Berichterstattung mit seiner Heimatstadt in Verbindung gebracht. Dies schlägt sich positiv in der Empfindung nieder, was Menschen, zumindest die aus der näheren Umgebung, gerne in die Stadt führt. Dies ist zum Nutzen unserer Wirtschaft. Und warum sollte eine sonntägliche Radtour über Kirchheimer Gemarkung nicht auch einmal auf den Spuren Lado Fumics erfolgen? Wo Stars wohnen, steigt das mediale Interesse. Erfüllt es Sie als Rathaus-chefin eigentlich mit Stolz, wenn TV-Sender Kamerateams öfter mal nach Kirchheim schicken? Natürlich, darauf bin ich stolz auch als Lokalpatriotin, die sich immer freut, wenn Kirchheimer Sportler Erfolge feiern. Außerdem denke ich an den Werbeeffekt für unsere Stadt. Die Fernsehbilder werden ja überregional ausgestrahlt. Das ist Stadtmarketing zum Nulltarif. Wie fast überall, sind auch die Kirchheimer Stadtkassen leer. Die Kommune spart seit vielen Jahren was besonders kleinere Sportvereine ohne Sponsoren und Zuschauereinnahmen empfindlich trifft. Wann, glauben Sie, ist das Ende der Leidenszeit mit den gekürzten Sportfördermitteln erreicht? Ich muss Ihnen da widersprechen. Die Sportfördermittel, die die Stadt dem Sport zur freien Verfügung stellt, liegen seit einigen Jahren konstant bei knapp über 92 000 Euro, wobei es sogar rund 250 000 Euro pro Jahr an städtischen Sport-Ausgaben sind, wenn man den hohen Aufwand für die Unterhaltung der Sportstätten, Hallen oder Freiflächen, hinzu rechnet. Bedenken Sie, dass wir eine Raunersporthalle bauen werden, die rund 2,6 Millionen Euro kostet. Diese Sporthalle wird eine Bewegungslandschaft enthalten, die dem Turnsport, aber auch unseren Schulkindern, zugute kommt. Eine bemerkenswerte Kooperation zwischen dem Verein und der Stadt. Ich behaupte, dass es dem Sport in Kirchheim im Vergleich zu Kommunen ähnlicher Größenordnung sehr gut geht. Verwaltung und Gemeinderat stehen natürlich auch in der Pflicht. Schließlich erheben wir den Anspruch, eine Sportstadt zu sein.Schlussfrage. Was machen Sie eigentlich an Silvester?Da werde ich den Startschuss zum Silvesterlauf geben und ab 16.30 Uhr die Sportlerinnen und Sportler mit den Fackelläufern am Rathaus willkommen heißen.

Grafik: Steffen Maier