Lokalsport

„Die Staffel stand immer im Focus“

Unger-Trainer Micky Corucle nach seiner Rückkehr aus Peking

In der Nacht von Donnerstag auf Freitag hat Tobias Unger seinen dritten Auftritt bei den Olympischen Spielen. Nach dem Ausscheiden über 100 Meter im Zwischenlauf nimmt der Deutsche Meister mit der Sprintstaffel Anlauf auf das Finale. Sein Trainer Micky Corucle glaubt fest an eine Leistungssteigerung des Kirchheimers.

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KLAUS SCHLÜTTER

Kirchheim. Micky Corucle ist am Sonntagabend aus Peking zurückgekehrt. Da der DLV nur eine Trainer-Akkreditierung für die 4 x 100-Meter-Staffel zur Verfügung hatte, musste sie geteilt werden. Corucle war zehn Tage mit den Sprintern im Trainingslager in Shibetsu/Japan und in Peking unterwegs, den zweiten Teil übernahm nun sein Staffeltrainer-Kollege Ronald Stein. In seinem Sportlershop in Köngen stellte sich Corucle gestern zum Interview.

Die Zeiten von Tobias Unger bei seinen Einzelstarts mit 10,46 im Vor- und 10,36 Sekunden im Zwischenlauf waren nicht sehr ermutigend. Was macht Sie zuversichtlich für eine Leistungssteigerung in der Staffel?

Micky Corucle: „Wir waren 26 Stunden nach Shibetsu unterwegs, danach noch mal 14 Stunden nach Peking. Nach den Reisestrapazen auch schon im Vorfeld war Tobias einfach platt. Außerdem herrschte im Vorlauf Gegenwind. Bei den folgenden Trainingseinheiten hat er steigende Tendenz bewiesen. Jetzt hat er sich akklimatisiert. Er ist sehr gut drauf und ich bin sicher, dass er als Startläufer in der Staffel einen Bilderbuch-Lauf hinlegen wird. Ohnehin stand für ihn die Staffel von Anfang an im Focus.“

Die Kommentatoren von Eurosport äußerten bei der Übertragung die Vermutung, an der schwachen Form von Unger sei der Heimtrainer – also Sie – schuld. Was sagen Sie dazu?

Corucle: „Auf dieses Niveau begebe ich mich nicht, da stehe ich drüber.“

Was sagen Sie zum Fabel-Weltrekord von Usain Bolt und zum Dreifachsieg der Jamaikanerinnen über 100 Meter?

Corucle: „Ich glaube nicht, dass dies alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Mehr möchte ich dazu jedoch nicht sagen.“

Wie geht es nach Olympia mit Tobias Unger weiter? Wird er wieder auf die 200-Meter-Strecke, die mehr auf ihn zugeschnitten ist, zurückkehren?

Corucle: „Wenn er noch vier, fünf Jahre auf höchstem Niveau laufen will, sollte er bei den 100 Metern und bei der Staffel bleiben. Die 200 Meter sind für ihn und seine angeschlagene Achillessehne ein großes Risiko. Aber dieses Risiko kann nur er auf sich nehmen. Ich kann ihm lediglich raten, seiner Gesundheit zuliebe kleinere Brötchen zu backen.“

Wie haben Sie persönlich Olympia in China erlebt?

Corucle: „Wir Trainer waren in zwei Hotels nur zehn Gehminuten vom Olympischen Dorf entfernt untergebracht, zu dem wir zu jeder Zeit Zutritt hatten. Die Zimmer waren super ausgestattet mit Klimaanlage, Fernseher und Duschen mit Massagedüsen. Wir hatten sogar kostenlos Internet mit uneingeschränktem Zugang zur Verfügung. Dennoch finde ich Olympia nicht mehr so schön und familiär wie früher. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Athleten nur noch Beiwerk für die Herren des IOC und die VIPs in ihren Luxushotels sind.“