Lokalsport

Die Uhr rettet Weilheim zwei Punkte

Die Gastgeber wackelten, doch sie fielen nicht. Der VfL Kirchheim hat es am Samstag verpasst, im mit Spannung erwarteten Bezirksliga-Derby beim TSV Weilheim die Punkte mitzunehmen. Beim 23:22 in der Wühlehalle agierten die Weilheimer lange Zeit zu sorglos.

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Weilheim. Die Zeit war kurz, um den Erfolg gegen Reichenbach genießen zu können. Mit dem VfL Kirchheim wartete bereits der nächste Brocken in der Bezirksliga auf die Weilheimer Ballwerfer. Nach dem Auswärtssieg vergangene Woche gegen Mitfavorit TV Reichenbach musste das Trainergespann Dimitrijevic/Bierbaum Ähnliches beobachten, wie nach dem fulminanten Auftaktsieg gegen Neuhausen: Die Mannschaft um Kapitän Sigel ließ die nötige Entschlossenheit im Training vermissen und trat zu sorglos auf. Vielleicht ein Resultat der zurückliegenden Jahre, in denen Erfolgserlebnisse auf Weilheimer Seite rar waren.

Nervosität prägte die ersten Spielminuten am Samstagabend. Die Gäste aus Kirchheim vergaben die ersten Chancen und Weilheim legte 2:0 vor. In der Annahme, die Partie würde zum Selbstläufer, schlichen sich Lässigkeiten ins Weilheimer Spiel ein. Schwach im Zweikampfverhalten, kassierten die Hausherren bereits in der ersten Viertelstunde sechs der insgesamt sieben Zeitstrafen. Kirchheim glich durch Marcel Metzger aus und übernahm das Zepter. Mit Keller auf der Spielmacherposition und einem treffsicheren rechten Rückraum baute der VfL die Führung auf 10:6 aus.

Dimitrijevic reagierte, nahm eine Auszeit und stellte seine Mannschaft um. Bachofer kam für Planitz, Auweter ging auf Linksaußen und Sebastian Sigel wechselte an den Kreis. Die erhoffte Sofortwirkung blieb jedoch aus und Kirchheim führte fünf Minuten vor der Pause weiterhin mit 13:9. Es dauerte einige Zeit, bis sich die neu formierte Weilheimer Mannschaft gefunden hatte. Bis zur Halbzeit verkürzte der TSV 14. Während Ralf Wagner mit der Leistung seiner Schützlinge zufrieden sein konnte, folgte in der Weilheimer Kabine die fällige Standpauke. Dabei waren es weniger die taktischen Fehler, die sich die Weilheimer vorwerfen mussten, als vielmehr inkonsequentes Zweikampfverhalten und mangelnder Einsatz. Unvorbereitete Würfe waren der Nährboden für das Tempospiel der Kirchheimer.

Dies änderte sich auch in der zweiten Halbzeit zunächst nicht. Doch wie bereits gegen Reichenbach fanden die Weilheimer den Weg zurück in die Partie. Dank Arkin Eker und Michael Rehkugler. Während Rehkugler im Tor zu alter Stärke fand, riss Eker im Angriff wirksam Lücken in die VfL-Abwehr. Auch hier machte sich die Umstellung vom wurfgewaltigen, aber schwerfällig agierenden Schorr, zum quirligeren Eker bezahlt. In der Folgezeit kam der TSV nun auch zu Kontern. Plötzlich stand es 16:17 und Kirchheim geriet in Not. Der Faden im Angriffsspiel der Gäste war gerissen.

Nach 41 Spielminuten viel der Ausgleich für Weilheim und das Spiel wurde für die Zuschauer nun endlich zum erhofften Derby. Mangelnde Spielqualität zweier defensiv ausgerichteter Teams wurde durch Spannung wett gemacht. Der VfL agierte nun hektischer und die Hausherren hatten das nötige Glück im Abschluss. Wagner reagierte mit einem Torwartwechsel, brachte Latzel für Pisch, konnte aber die Führung durch ­Bachofer nicht verhindern. Weilheim zog von 17:18 auf 21:18 weg, während der VfL händeringend nach Ordnung suchte.

Dem Anschlusstreffer durch Metzger folgten jedoch zwei folgenschwere Angriffe: Zunächst vergab Sebastian Sigel freistehend vom Kreis, ehe Schorr aus dem Rückraum das Ziel verfehlte. Gelegenheiten, die Kirchheim zum 21:20 in der 55. Minute nutzte. Bachofer erhöhte zunächst wieder, doch die Gäste konnten eineinhalb Minuten vor Ende durch Latzel erneut ausgleichen. Spannung pur in der ausverkauften Wühlehalle. Weilheim erhöhte das Tempo und kam eine Minute vor Schluss zum 23:22-Führungstreffer. Einen überraschend, direkt ausgeführten Freiwurf kratzte Rehkugler anschließend mit den Fußspitzen von der Linie und brachte die Hausherren für die restlichen 20 Sekunden in einen beruhigenden Ballbesitz, den Bachofer mit einem unkontrollierten Wurf fahrlässig herschenkte. Die Zeit rettete dem TSV in einer hart umkämpften Partie letztlich den glücklichen Sieg. tk

TSV Weilheim: Rehkugler, Illi; Auweter (1), T. Sigel (1), Seyferle, Bachofer (6/2), Wiesinger (1), Eker (4), Schill (2), S. Sigel, Klein (1), Schorr (3), Planitz (2), Zettl (2).

VfL Kirchheim: Pisch, O. Latzel; M. Mikolaj (1), S. Latzel (2), Schafhitzel (1), Keller (6/2), Richter (1), Weber (1), Metzger (8), Pradler (2), Banzhaf, J. Mikolaj, Pisch.