Lokalsport

"Die VfL-Spieler sind ein Sonderfall"

Sein plötzlicher Rücktritt nach der Aufstiegspartie gegen TuS Treis-Karden am Samstagabend (76:80/wir berichteten gestern) löste höchste Verwirrung aus. Weshalb Kirchheims Basketball-Trainer Theo Leftakis (61) nach dem Spiel demissionierte, verrät er im nachfolgenden Interview.

THOMAS PFEIFFER

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Ihr Rücktritt am Samstagabend hat alle ziemlich überrascht, vor allem der Zeitpunkt: eineinhalb Stunden nach dem Spielende.

Dazu muss ich sagen, dass am 13. Mai, dem Ende dieser Zweitliga-Aufstiegsrunde, für mich ohnehin Schluss gewesen wäre mit der VfL-Trainertätigkeit. So gesehen habe ich den Zeitpunkt meiner Demission lediglich um fünf Spiele vorverlegt. Doch ich gebe zu, dass mir dieser Trainerjob, der ursprünglich nur ein Freundschaftsdienst war, einfach keinen Spaß mehr gemacht hat. Bestimmte Vorfälle bei der 76:80-Niederlage gegen TuS Treis-Karden haben das Fass zum Überlaufen gebracht.

Welche Vorfälle meinen Sie? Die Tatsache, dass Sie die VfL-Abteilungsleitung für manche taktische Maßnahme im Spiel hinterher kritisiert hat?

Nein, das war es nicht. Dass nach einem wichtigen Spiel, das verloren geht, die Wogen hochschlagen und manches laute Wort fällt, ist normal. Was unerträglich war, war die fehlende Disziplin der Kirchheimer Spieler. Diese ständige Kritik, wenn ich auswechsle, dieses Genörgele einfach nervig. Am Samstag habe

ich gemerkt: Das halte ich auf Dauer nicht aus und brauche das auch nicht. Ich bin 61.

Ihr Rücktritt nur weil Spieler sich einmal vielleicht etwas laut über ihre Auswechslung beklagten?

Nein. Mit den Egoismen der VfL-Spieler kämpfe ich doch schon die ganze Saison, und einmal wollte ich wegen dieses permanenten Konfliktstoffes auch schon zurücktreten. Ich vertrete die Basketball-Philosophie der alten Schule, wonach das Kollektiv und Teamwork über alles gehen die jungen VfL-Spieler, wohl etwas zu sehr amerikanisiert, präsentieren das genaue Gegenteil. Da will im Training und Spiel immer jeder glänzen. Das Mannschaftsspiel bleibt deshalb auf der Strecke, das wurmt mich, und dieses Problem sprach ich im letzten Jahr ständig an. Was dann am Samstagabend bei Auswechslungen an verbalen Reaktionen zurückkam, war der absolute Höhepunkt. Da wollte ich einfach nicht mehr. Nein, sowas kostet auf Dauer zu viel Energie und Nerven.

Das klingt so, als ob die Kirchheimer Basketballspieler bei der Ausübung ihres Sports besonders egozentrisch seien.

Was den Egoismus auf dem Spielfeld betrifft, sind die VfL-Spieler sicherlich ein Sonderfall. Zumindest für mich. Ich habe in meiner Trainerlaufbahn in Deutschland bisher sechs Mannschaften größtenteils aus der Regionalliga trainiert, und die VfL-Truppe war charakterlich sicherlich am extremsten geprägt von allen. Die Trainerstation in Kirchheim war mir deshalb eine Lehre.

Ist das Tischtuch zwischen Ihnen und den VfL-Spielern nun zerschnitten?

Damit Sie mich nicht falsch verstehen: Ich hasse nicht die VfL-Spieler, die privat alles liebe Kerle sind ich hasse ihre Spielweise. Basketball ist und bleibt ein Mannschaftsspiel. Leider gibt es zu wenige VfL-Spieler vom Schlage eines Nenad Lukic, die einsichtig sind.

Wenn der Konflikt so schwelte: Wäre es nicht konsequenter gewesen, Sie hätten Ihren Hut direkt nach der Regionalliga-Meisterschaft genommen, um Unruhe inmitten der Aufstiegsrunde zu vermeiden?

Wie gesagt, ich wollte die Kirchheimer Mannschaft noch bis zum Saisonende trainieren, um danach endgültig Schluss mit dem Trainerjob zu machen. Dann kam der vergangene Samstagabend dazwischen, als das Fass überlief. Da habe ich spontan meinen Rücktritt entschieden.

Sie waren drei Jahre lang VfL-Trainer, haben zwei Regionalliga-Meisterschaften eingefahren und sind für manchen VfL-Funktionär schon jetzt eine Art Kultfigur. Befürchten Sie nach Ihrem jähen Abgang nicht, Ihr Ruf als VfL-Erfolgstrainer könne leiden?

Das wäre mir ehrlich gesagt überhaupt nicht wichtig, weil ich mich als Trainer nicht wichtig nehme. Alles was irgendwie mit Starkult zu tun hat, mag ich überhaupt nicht. Leider schwappen solche Dinge aus der amerikanischen NBA zunehmend auch nach Deutschland: Eine Entwicklung, die ich bedauere. Wie gesagt, ein Verein oder Team ist mir vom Grundsatz her wichtiger als jeder Einzelspieler.

Ab sofort hat Ihr bisheriger Cotrainer Pasko Tomic bei den VfL-Basketballern das Sagen. Ist der als Ihr Nachfolger der richtige Mann?

Absolut ist er das. Pasko Tomic hat zwar nur die Trainer-C-Lizenz genau wie ich. Trotzdem kann er die Mannschaft jetzt vielleicht nochmals entscheidend motivieren. Und: Sie könnte, da ich jetzt ja weg bin, eine Art Trotzreaktion zeigen.

Inwiefern?

Indem sie im Gastspiel beim TV Rastatt-Rheinau am Mittwochabend gewinnt. Das Zeug dazu hat sie jedenfalls. Sie muss allerdings 120 Prozent geben.

Kann der VfL Kirchheim nach der Auftaktniederlage gegen TuS Treis-Karden die Aufstiegsrunde tatsächlich noch als Tabellenerster beenden?

Das Spielerpotenzial dazu hat die Mannschaft. Sie muss, wie gesagt, alles geben. Alle vier Mannschaften liegen leistungsmäßig in etwa auf demselben Niveau.

VfL-Geschäftsführer Ulrich Tangl hat gestern erklärt, er könne sich ein neuerliches VfL-Engagement von Ihnen in naher Zukunft und irgendeiner Funktion durchaus vorstellen. Sie auch?

Ganz bestimmt. Ich glaube sogar, dass ich schon in der kommenden Saison in Kirchheim wieder auftauchen werde falls die Abteilungsleitung das will. Allerdings nicht als Trainer: Davon habe ich die Nase spätestens seit dem Samstag gestrichen voll.