Lokalsport

Die Vorfreude ist groß

PETER EIDEMÜLLER

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KIRCHHEIM Durch den Sieg im letztjährigen B/C-Rennen stieg der 23-Jährige in den Rang eines A-Amateurs auf. Als solcher blickt er auf eine bislang eher durchwachsene Saison zurück. "In diesem Jahr läuft's noch nicht so richtig rund", muss er zugeben. Bei seinen drei Auftritten im LBS-Cup, der bedeutendsten Rennserie im württembergischen Radsport, musste er bisher noch Lehrgeld zahlen. Zwar spiegeln die Plätze 77 (Schönaich), 65 (Ellmendingen) und 73 (Schwenningen) sein wahres Leistungsvermögen nicht wirklich wieder, doch Geduld mit sich selbst zu haben, darin liegt die Stärke des Mannes mit der Lockenmähne: "Man ist ja auch keine Maschine", schmunzelt er.

Der GP Kirchheim soll nun den Wendepunkt der Saison markieren wie bereits vor einem Jahr, als es vor der Hatz durch die Kirchheimer City auch nicht gerade rosig lief. "Nach dem Sieg in Kirchheim ging's richtig aufwärts", blickt Vesterling zurück. Der Aufstieg fand seinen vorläufigen Höhepunkt in Vesterlings Engagement beim Schmidener activity-racing-team, für das er seit diesem Jahr Rennen bestreitet. "Das ist schon was anderes, in einem Team zu fahren", beschreibt er die Veränderung zu seinem bisherigen Sportlerdasein. Beispiel LBS-Cup: Beim Rennen in Ellmendingen Anfang Mai war der gelernte Industriemechaniker durch Fahrfehler aus dem Hauptfeld herausgefallen. "Normalerweise steigst du in so einem Moment aus", sagt er. "Aber da es ja auch um die Teamwertung geht, bin ich weitergefahren." Folge: Vesterling musste einen knapp 100 Kilometer langen Soloritt hinter dem Feld her auf sich nehmen, um als dritter Fahrer seines Teams eine gültige Mannschaftswertung zu sichern.

Umso mehr freut er sich auf das Rennen in Kirchheim. Fern aller Stallorder kann Vesterling wieder mal das tun, was ihn jahrelang auszeichnete: Sich als Einzelkämpfer an den Rand der Erschöpfung treiben. "Bei solchen Rundkursrennen fährt jeder seine eigene Taktik", sagt er, der ohne konkrete Vorstellungen an den Start beim Kehl-Tower gehen wird. "Über Platzierungen mache ich mir keine Gedanken. Wenn ich unter die ersten zehn kommen würde, wär' ich natürlich glücklich."

Als Favoriten für den Sieg hat Vesterling vor allem die Fahrer des Multivan Merida Road Team ausgemacht. "Andreas Mayr und Steffen Greger werden meiner Meinung nach ganz vorne mitmischen." Die sportliche Vita Mayrs liest sich ähnlich wie die von Karsten Vesterling. Der 23-jährige Esslinger nutzte das Rennen in Kirchheim ebenfalls als Karrieresprungbrett. Vor vier Jahren stieg der damals 19-Jährige durch seinen Sieg im B-Rennen in den Status eines A-Amateurs auf. Im März dieses Jahres fuhr er bei der Tour de Taiwan sein bestes Rundfahrt-Ergebnis ein. Als Achter der Gesamtwertung war Mayr bester Deutscher. In der offiziellen Rangliste des Bunds Deutscher Radfahrer (BDR) liegt er aktuell auf Platz 32, noch vor solch renommierten Fahrern wie Patrik Sinkewitz (Team Telekom) oder Sven Krauss (Team Gerolsteiner).

Auch wenn Karsten Vesterling von solchen Meriten noch weit entfernt ist die Vorfreude auf sein Heimrennen nimmt ihm das nicht: "Es ist jedes Mal toll, hier zu fahren. Die Atmosphäre an der Strecke ist was Besonderes."

Foto: Jean-Luc Jacques