Lokalsport

Die XXL-Lösung

Knights verpflichten mit Richie Williams einen Spielmacher mit Erstliga-Format

Bisher war der Zweitliga-Standort Kirchheim nicht Drehscheibe für die ganz großen Namen im Basketball. Seit gestern heißt es umdenken. Die Knights haben einen neuen Spielmacher. 1,78 Meter klein und trotzdem ein ganz ganz Großer: Richie Williams wechselt von Vechta unter die Teck.

Ein echter Leader: Die Knights freuen sich auf Richie Williams, der vom Liga-konkurrenten aus Vechta unter die Teck wechselt.Fot
Ein echter Leader: Die Knights freuen sich auf Richie Williams, der vom Liga-konkurrenten aus Vechta unter die Teck wechselt.Foto: Christian Becker

Kirchheim. Die Pro A hat mitten im Aufwärmprogramm für die neue Saison ihre erste faustdicke Überraschung. Mit der Verpflichtung von Richie Williams ist Kirchheims Basketballern ein Coup gelungen, der ligaweit für Aufsehen sorgt. Große Namen gab es unter der Teck schon viele. Adam Baumann, Ahmad Smith oder Devin Uskoski waren in den zurückliegenden Jahren das Beste, was die zweite Liga auf den jeweiligen Positionen zu bieten hatte. Doch allen Dreien gelang der Sprung nach ganz oben erst nach überragenden Leistungen im Rittergewand. Jetzt kommt einer, der solche Referenzen bereits mitbringt.

Der 27-jährige Kalifornier war 2013 der Aufstiegsheld der Rastas aus Vechta und auffälligster Spieler der gesamten Liga. Seine Wahl zum MVP bestätigte Williams auch in der Folgesaison, indem er in der BBL nahtlos an seine Leistungen anknüpfte – mit knapp 15 Punkten, 4,3 Assists und 4,7  Rebounds im Schnitt.

Nach dem Abstieg aus dem Oberhaus, war klar, dass Williams den Rastas nicht in die zweite Liga folgen würde. Der Pointguard unterschrieb im Frühsommer vergangenen Jahres bei den Skyliners in Frankfurt, blieb auch dort ohne größere Anlaufschwierigkeiten. Im November glänzte er als Spielmacher im Spiel gegen die Artland Dragons mit 20 Punkten und sechs Assists. Nach einer Adduktorenverletzung entschied er sich Anfang des Jahres zur Rückkehr nach Vechta, wo er mitten in der schärfsten Krise des Klubs als Heilsbringer empfangen wurde. Sein vielleicht größter Fehler bisher. Williams blieb blass, konnte die überzogenen Erwartungen nicht erfüllen. Als siebter Amerikaner bei den Niedersachsen, die mit Aufstiegsplänen angetreten waren und zur Halbzeit gerade ihren Trainer entlassen hatten, versank der Rückkehrer mit im Chaos.

Pech für Vechta – Glück für Kirchheim. Als aussichtsreiche Bewerbung für die BBL, wo Williams fraglos hingehört, taugte das Saisonfinale des nur 1,78 Meter großen Point Guards nicht. Das will er nun nachholen. Dass er sich dies ausgerechnet in Kirchheim vorgenommen hat, ist einem zweiten Glücksfall zu verdanken: Knights-Coach Michael Mai gilt als Entdecker des Mannes aus San Diego. Er lotste ihn 2011 vom US-College in die Pro B nach Hannover, wo beide am Ende der Saison gemeinsam den Titel feierten. Mit Vechta gelang Williams im Folgejahr der persönliche Durchmarsch in die BBL. Der Rest ist bekannt. Zwischen Michael Mai und seinem einstigen Schützling ist der Kontakt nie abgerissen. Vom jetzigen Deal könnten beide Seite profitieren. ­„Richie braucht eine gute Saison, um wieder nach oben zu kommen“, sagt sein künftiger Trainer. „Für uns ist er mit seinen spielerischen Qualitäten und seiner großen Erfahrung als Leader genau der Richtige.“ Einer mit hohem Basketball-IQ, wurfgewaltig, rasend schnell und obendrein defensivstark. In Normalform ist der 27-Jährige einer, der in der Pro A ein Spiel alleine entscheiden kann. Der möglicherweise ideale Taktgeber für schnelle Nebenleute wie Besnik Bekteshi oder auch Tim Koch.

„Er kennt Mikes System, wir kennen seine Fähigkeiten“, nennt Knights-Geschäftsführer Christoph Schmidt den Grund, weshalb man sich schon früh auf Williams als Wunschkandidaten festgelegt hat. „Das gibt beiden Seiten Sicherheit,“ sagt Schmidt. Sorge, dass Williams nach einer schwierigen Saison auch an seinem neuen Arbeitsplatz nicht in Tritt kommen könnte, wie dies zwei Jahre zuvor der mit viel Vorschusslorbeeren empfangene Chris Alexander erlebte, hat man in Kirchheim nicht. „Er geriet in Vechta mitten hinein in eine sehr schwierige Phase für den Klub“, gibt Michael Mai zu bedenken. „Ich bin überzeugt, er wird bei uns seinen Rhythmus finden.“ Erwartet wird der Amerikaner erst Mitte August. Im Moment ist er in seiner Heimat in Los Angeles in der Drew-League am Ball, eine der bekanntesten Sommerligen in den USA..

Williams gilt als ausgesprochen loyal, als Identifikationsfigur und Sympathieträger in jeder Mannschaft. Seine vielleicht wichtigste Eigenschaft beschreibt Michael Mai so: „Ich kennen keinen Spieler, der es mehr hasst, zu verlieren. Genauso spielt er auch.“

Kirchheim Knights: Richie Williams, Besnik Bekteshi, Tim Koch, Steffen Harvey, Jordan Wild, Johannes Joos, Andreas Kronhardt

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