Lokalsport

Die Zauderer werden hart bestraft

GP Kirchheim: Vierergruppe um Lars Teutenberg gewinnt einsamen Kampf an der Spitze

Er erledigte seinen Job, nahm die Glückwünsche entgegen und verschwand flugs zum kühlenden Bad im Marktbrunnen. Nicht Leif Lampater und auch keiner aus dem hoch gewetteten Merida-Team hatte gestern auf dem Alleenring die Nase vorn. Der 38-jährige Lars Teutenberg erwischte bei sommerlicher Hitze einen perfekten Tag und verwies seinen Bahnkollegen Alexander Aeschbach im Zielsprint auf Platz zwei.

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Bernd Köble

Kirchheim. Erst machte er alle anderen nass und anschließend sich selbst. Mit zufriedenem Blick und in voller Radmontur genoss Lars Teutenberg den verdienten Feierabend in den kühlenden Fluten des Kirchheimer Marktbrunnens. Weder die unerwartete Hitze in der Innenstadt noch die zahlreichen Konkurrenten konnten den deutschen Zeitfahr-Vizemeister von 2007 auf seiner Triumphfahrt stoppen.

Entschlossener ging selten ein Sieger auf dem Alleenring zu Werke: Vom Start weg nahm der Kölner das Heft in die Hand und setzte sich an der Spitze einer Vierergruppe um seinen Schweizer Bahnkollegen Alexander Aeschbach, dem Schmidener Marcus Kühn und Andreas Feistel (Racing students Freiburg) Stück für Stück vom Hauptfeld ab. Bis man dort den Ernst der Lage erkannte, war es bereits zu spät. Phasenweise mehr als eine halbe Runde Vorsprung reichte dem Quartett an der Spitze, um die Podiumsplätze nach 55 Runden unter sich auszumachen. Auf den letzten Metern durch die Marktstraße spielten die beiden Bahnprofis dann ihre ganze Antrittsschnelligkeit aus und Teutenberg brachte drei Radlängen Vorsprung zum ersten Kirchheimer Sieg im fünften Anlauf mit ins Ziel.

Ein anderer hatte da schon längst seine eigene Rechnung aufgemacht: Volle Konzentration auf Platz drei, lautete die Devise von Newcomer Marcus Kühn, dem als B-Fahrer die eigentliche Überraschung des Tages gelang. Der 23-Jährige vom RSV Schmiden war gerade noch rechtzeitig auf den Vierer-Zug aufgesprungen und strahlte bei der anschließenden Ehrenrunde im offenen BMW-Cabrio mit der Sonne um die Wette.

Doch nicht jeder verfügte an diesem Tag über das perfekte Timing: Bahn-Ass Leif Lampater fuhr der Zug buchstäblich vor der Nase weg. Zu lange hatte er vergeblich auf Entschlossenheit in der Verfolgergruppe vertraut und musste nach Platz zwei und drei in den vergangenen beiden Jahren den Traum vom Sieg schon früh begraben. Den Veranstalter wird’s freuen, denn Lampater ist Sportsmann genug, um seinen enttäuschenden siebten Platz mit einer neuerlichen Zusage fürs kommende Jahr zu verbinden. „Irgendwann muss es ja mal klappen“, meinte der Schwaikheimer und freute sich gemeinsam mit Teamchef Marc Sannwald über den dritten Platz seines Teamkollegen Marcus Kühn.

Ähnlich erging es dem Schönaich-Sieger Erik Hoffmann, den nicht wenige als Favoriten auf der Rechnung hatten. Der Mann vom MRSC Ottenbach, der im olympischen Straßenrennen in Peking unter namibischer Flagge Platz 22 belegte, rieb sich in einer kleinen Verfolgergruppe regelrecht auf und belegte am Ende Platz elf. Einen schwarzen Tag erlebte das Merida-Team um Vorjahressieger Benjamin Diemer, auf das viele im Hauptfeld als Schrittmacher gesetzt hatten. Doch der einzige im blau-grünen Dress, der Tempoarbeit leistete, war ein etatmäßiger Mountainbiker: Hannes Genze, Sieger am Vortag im MTB-Citysprint, war mit Platz 23 bester Merida-Biker an diesem Tag.

Ein packendes Finish erlebten die Zuschauer auch im Rennen der Frauen-Elite, das vom starken Auftritt des Schweizer Teams „bike-import“ um die Siegerin Andrea Wolfer bestimmt wurde. Sie verwies mit einem kraftvollen Antritt die deutsche Cross-Vizemeisterin Sabrina Schweizer (Team Stuttgart) und die Freiburgerin Elke Gebhardt auf die Plätze. Am sportlichen Wert der Veranstaltung lag es sicher nicht, dass mit Ausnahme des Hauptrennens erneut nur schwache Zuschauerresonanz zu verzeichnen war. Kirchheims Bürgermeister und WRSV-Präsident Günter Riemer, am Vormittag noch Gast bei der deutschen U23-Meisterschaft in Ilsfeld, konnte dort von einem ähnlichen Bild berichten. In Kirchheim stehen die Zeichen auf Kampf und Organisator Albert Bosler hat bereits angekündigt, dass es 2010 in Kirchheim eine Neuauflage geben wird Auch wenn der Radsport, wie es scheint, noch lange nicht am Tiefpunkt angelangt ist.