Lokalsport

"Diese Leistung war bodenlos schlecht"

Es war ein Drama in vier Akten: Nach einer unterirdisch schlechten Leistung unterlagen die VfL Kirchheim Knights dem Tabellenhinterbänkler TuS Lichterfelde in eigener Halle mit 55:61 (20:31). Damit verlor die Mannschaft ihre Tabellenführung.

KIRCHHEIM Das verzweifelte Aufbäumen in den letzten zehn Minuten reichte nicht aus, um die Niederlage zu verhindern. Da die direkten Knights-Verfolger ihre Spiele diesmal souverän gewannen, verloren die Kirchheimer nicht nur das Spiel, sondern auch die Tabellenführung. Dabei standen die Vorzeichen vor Beginn der Partie nicht schlecht für den Gastgeber.

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Zwar mussten die Knights auf ihren Spielmacher David McCray verzichten, doch TuS Lichterfelde reiste ohne drei ihrer besten Spieler an und hatte zudem noch die lange Zugfahrt zu verkraften. "Wir sind selbstbewusst in das Spiel gegangen und haben den Gegner ernst genommen", versuchte Trainer Pat Elzie zu erklären. Was also war die Ursache für einen Spielverlauf, der dem Gros der 800 Zuschauer das Entsetzen ins Gesicht schrieb? Die Knights begannen mit der "großen" Anfangsformation Burnette, Howard, Tom Klemm, Kesselring und Hornig. Das von Elzie geforderte Spiel über die Center sollte von Anfang an konsequent umgesetzt werden. Sascha Kesselring wurde dann auch gleich zweimal gut in Szene gesetzt und erzielte die ersten vier Punkte für die Knights. Die ersten fünf Minuten gestalteten sich ausgeglichen und beiden Teams war anzusehen, dass sie noch nicht so recht ins Spiel gefunden haben.

Nach guten fünf Minuten führten die Knights mit 15:11, nachdem Kesselring zwei Freiwürfe verwandeln konnte. Niemand konnte zu diesem Zeitpunkt ahnen, dass dies die letzten Punkte der Knights im ersten Viertel gewesen sein sollten. Elzie brachte Lenger, Wysocki und Kranz und der Spielfluss war dahin. Überhastete Einzelaktionen prägten das Spiel der Knights, einfachste Korbleger konnten nicht verwandelt werden. Eine ungewöhnlich geringe Punkteausbeute war die logische Folge. Das Ergebnis nach dem ersten Viertel lautete 15:16.

Aber es kam noch schlimmer. Im Durchschnitt erzielten die Knights in den bisherigen Spielen dieser Saison 22 Punkte pro Viertel. Diesmal konnten im zweiten Spielabschnitt ganze fünf Punkte erzielt werden nur jeder vierte VfL-Wurf fand sein Ziel. Der Korb war wie vernagelt. Man merkte dem Team an, dass es mehr wollte, doch es fand keine spielerischen Mittel. Dass der Rückstand zur Halbzeit mit nur 11 Punkten noch im Rahmen des Erträglichen blieb, war einer halbwegs passablen Abwehrleistung zu verdanken. Die Lichterfelder dagegen gefielen durch ihre Spielfreude und Unbekümmertheit. Bei einem Stand von 20:31 schickten die Schiedsrichter Knapp und Graf beide Teams in die Kabinen.

Zu Beginn der zweiten Halbzeit das gleiche Bild: So mancher Zuschauer glaubte sich im Spielfilm "Und täglich grüßt das Murmeltier" wieder zu finden. Drei Minuten dauerte es, bis Kesselring den ersten Korb für die Kirchheimer erzielte. Zuvor wurden alle Angriffsversuche mit der gleichen Erfolglosigkeit abgeschlossen wie im bisherigen Verlauf der Begegnung. Im gleichen Maße, wie die Frustration bei den Knights-Spielern zunahm, baute sich die junge Gäste-Truppe von Trainer Matej Mamic auf. "Ich muss meinen Spielern ein Kompliment aussprechen, sie haben sich voll an den Plan gehalten und Kirchheim aggressiv verteidigt", lobte Mamic sein Team. Die Berliner starteten mit einem Dreierfeuerwerk in die zweite Halbzeit und bauten in kürzester Zeit den Vorsprung aus. In der 25. Spielminute schien das Spiel bei einem Stand von 27:50 bereits entschieden. Lähmendes Entsetzen machte sich auf den Tribünen breit.

Vom Hallensprecher angefeuert, versuchten nun die Zuschauer, mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln ihre Mannschaft zu unterstützen. Vor allem Tim Burnette fand nun Angriff für Angriff ins Spiel zurück und führte sein Team mit zwei erfolgreichen Dreiern wieder näher an die Gäste heran. Beim Stand von 35:50 begann das letzte Viertel. Die Gäste mussten nun ihrer kraftvollen Spielweise Tribut zollen und die Knights versuchten, das Unmögliche wahr zu machen. Geschäftsführer Stefan Schmauder versucht Positives zu finden: "Tim hat das Spiel in dieser Phase in die Hand genommen und durch seine erfolgreichen Wurfversuche sein Selbstvertrauen wieder gefunden." So war es tatsächlich Burnette fast im Alleingang, der den Abstand weiter verringern konnte. Die Zuschauer standen nun auf den Rängen, es herrschte ein ohrenbetäubender Lärm. Fünf Minuten vor Schluss stellte Elzie beim Stand von 45:57 auf eine aggressive Manndeckung um. Mit Erfolg: Die Lichterfelder konnten in dieser Phase nur noch zwei Punkte erzielen, die Knights dagegen 10. Sie waren nahe dran an einer erfolgreichen Aufholjagd.

Wurfausbeute von 27 Prozent

Doch letztlich behielt die Mamic-Truppe verdientermaßen die Nase vorn, das Aufbäumen kam zu spät. Das Endergebnis von 55:61 dokumentierte die schlechteste Saisonleistung der Knights. "Mit einer Wurfausbeute von 27 Prozent kann man nicht gewinnen", lautet das knappe Statement des Headcoaches. "Natürlich hat David McCray gefehlt, aber die Leistung der gesamten Mannschaft war bodenlos schlecht und viel zu wenig aggressiv. Wir haben durch unsere eigenen Fehler den Gegner aufgebaut." Nun wartet mit dem RSV Stahnsdorf in Brandenburg ein schwerer Gegner auf die Kirchheim Knights. Es wird keine einfache Woche werden für den entthronten Tabellenführer.

bs

SPIEL-STATISTIK

VfL Kirchheim Knights: Kranz 6 (2/10 Dreier), Burnette 24 (2/8, 5 Assists), Wysocki (0/1), Lenger 1, P. Klemm, Howard 6 (0/3), Reichmuth n. e., T. Klemm (0/2), Kesselring 14 (12 Rebounds), Hornig 4 (12 Rebounds)TuS Lichterfelde: Fischer, Schaffartzik (7), Clay (18), Giffey (4), Schoeps (11), Heyden (5), Rockmann (8), Schachowzew (6), Seiferth (2)Zuschauer: 800.