Lokalsport

Doppelsieg der Fumic-Brüder

EDGAR VELOCI

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ALBSTADT Die Bühne, die sich den Fumic-Brüdern für ihre DM-Show bot, war vom Besten, was der deutsche Mountainbikesport wohl seit bestimmt zehn Jahren zu bieten hatte. Nicht nur die Organisation war nahezu perfekt. Mindestens 10 000 Zuschauer breiteten einen enthusiastischen Klangteppich ins Bullentäle, den Lado und Manuel Fumic im Duett für einen eindrucksvollen Nachweis ihrer Vormachtstellung nutzten. Von einer Machtdemons-tration sprach auch Lado Fumic nach dem Titelgewinn und davon, dass man nach der Enttäuschung von Willingen die Familienehre wieder herstellen musste.

Solcher Pathos mag ein wenig überzogen klingen, die Show, die das Familienunternehmen Fumic lieferte, verdiente indes das Prädikat brillant. Bereits aus der ersten Runde kurvten die schwarz gekleideten Kirchheimer mit zehn Sekunden Vorsprung aus dem Down-Hill in Richtung Zielpassage. Bronze-Medaillengewinner Wolfram Kurschat konnte da nur konstatieren: "Die beiden waren im Downhill einfach stärker. Da haben die schon in der ersten Runde ein Loch gerissen."

Diese Lücke wuchs bis in die vierte von zehn 4,8-Kilometer-Runden bis auf 40 Sekunden an. Dann, als ob es in dieser Saison unbedingt so sein müsste, passierte Manuel Fumic unverschuldet ein Missgeschick. Ein Windstoß wehte ihm ein Begrenzungsband ausgerechnet in Scheibenbremse und Schaltwerk. "Ich habe gedacht, das gibt es nicht. Muss mir eigentlich immer etwas passieren?" erzählte er glücklich im Ziel. Er benötigte über eine Minute, um das Plastikband wieder heraus zu fingern, ohne dabei das Schaltwerk zu beschädigen. Insgesamt warf ihn die unfreiwillige Unterbrechung hinter Kurschat zurück. Binnen einer Runde hatte er die 30 Sekunden auf den Vize-Meister des Vorjahres aber wieder aufgeholt. Und auf der nächsten Abfahrt war er schon wieder Zweiter.

"Manuel ist da richtig durchgeflogen. Er ist wieselflink gefahren," staunte Kurschat über den U23-Weltmeister. Auch Bruder Lado hatte anerkennende Worte parat: "Manuel ist heute super gefahren. Ich weiß nicht, wie lange ich das noch machen kann," sagte er. Mit "machen" meinte der Champion, die Meister-Serie fortzusetzen, die jetzt schon seit 2000 andauert.

Als Lado erkannte, dass sein Bruder wieder ungefährdet an zweiter Position lag, nahm er etwas Tempo heraus, leistete sich noch einen zeitraubenden Sturz und hatte danach Manuel wieder am Hinterrad. Zu zweit gingen sie in die neunte Runde. Manuel ließ den sechs Jahre älteren Bruder ziehen. Ob er ihn ohne dieses Missgeschick angegriffen hätte, wollte er danach nicht verraten: "Weiß ich nicht. Aber ich bin mit meinem Vize-Meistertitel auch zufrieden. Das muss man erst einmal werden", meinte er leicht lakonisch.

33 Sekunden lang konnte Lado den frenetischen Jubel der Zuschauer genießen, bevor sein Bruder über die Ziellinie fuhr. Dann umarmten sich die beiden und posierten artig für die Fotografen. "Ich hatte heute nichts drauf, aber ihr habt mich den Berg hoch geschrien," rief Lado Fumic mit einem Schmunzeln ins Publikum, welches diese Geste lautstark bejubelte. Stefan Sahm (Bissingen) hatte wenigstens den Genuss einer prächtigen Kulisse, als er auf Position neun die Ziellinie mit einer Differenz von 5:30 Minuten überquerte. Auf Platz fünf hatte er im Anstieg zur dritten Runde gelegen, als er sich einen Plattfuß einhandelte. Er fuhr den ganzen Down-Hill ohne Luft im Vorderrad, wechselte das Laufrad und kam an Position 21 ins Rennen zurück. Es war schwer, danach den Kopf wieder klar zu kriegen. Aber nach zwei Runden habe ich gedacht, so kannst du dich nicht von hier verabschieden.

Ob er um Platz drei hätte konkurrieren können ist Spekulation. Dass er zum Zeitpunkt des Defekts bereits 28 Sekunden Rückstand auf Kurschat hatte, wollte er nicht als Maßstab sehen: "Ich habe mich gut gefühlt und gedacht: das Rennen geht noch lange, ich lass die erstmal fahren."

Marc Gölz tauchte in der ersten Runde auf Platz 17 auf. Dann war ihm das Tempo aber zu hoch. "Ich habe gedacht, jetzt noch neun Runden das geht nicht," erklärte der Weilheimer. Er fiel zurück auf Platz 23, konnte am Schluss aber noch Plätze gut machen und die DM als 19. (10:12 Minuten zurück) beenden. "Es ist kein Traumergebnis, aber ich bin froh, dass ich einmal problemlos durchgekommen bin," meinte Gölz nach dem Rennen.