Lokalsport

Dr. Dieter Maisch ist unverwüstlich: Comeback mit 91

Nach fast dreijähriger Zwangspause meldet sich der Wundermann der Kirchheimer Laufszene zurück

thomas pfeiffer

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Kirchheim. Mitten im 1500-m-Lauf passierte es. Plötzlich ein stechender Schmerz im rechten Oberschenkel, danach das schnelle Sinnieren über den möglichen Grad der Verletzung, kurz darauf die Entscheidung, sich aus Selbstschutz-Gründen aus dem Rennen zu nehmen. Das Malheur passierte im Februar 2006 bei den Hallen-Weltmeisterschaften der Leichtathletik-Senioren im österreichischen Linz. Seither hat Dr. Dieter Maisch kein einziges Rennen mehr bestritten und das Training auf Laufband, Ergometer und im hauseigenen Hallenbad reduzieren müssen.

Sehnenanriss diagnostizierten die Ärzte seinerzeit nach gründlicher Untersuchung. Die Verletzung heilte, die Schmerzen in jenem verflixten Frühjahr blieben. „In Wirklichkeit waren meine Bandscheiben ursächlich für die Schmerzen“, sagt der Kirchheimer heute. Zwei Bandscheiben-Operationen an der Uniklinik Tübingen sowie eine Lendenwirbelsäulen-OP in einer orthopädischen Klinik in München folgten, letztere im vergangenen September. Die Operationen verliefen problemfrei, kosteten aber Kraft und zehrten an den Nerven – und gingen schließlich auf Kosten seines gewohnten Trainings. „Manchmal konnte ich nur jeden dritten Tag anstatt täglich meine Übungen machen“, erinnert sich Dieter Maisch.

Mit anderen Worten: Dem bewegungsverliebten Gesundheitssportler, für den nach den olympischen Sommerspielen 1936 alles begann („mein damaliger Stuttgarter Nachbar Alfred Dompert hatte über 3000 Meter Hindernis die Bronzemedaille gewonnen und ich wollte ihm nun nacheifern“), fehlte in den letzten drei Jahren der Konsultationen und ärztlichen Eingriffen etwas. Es fehlte das Lebenselixier – der Sport. „Zeitweise war es so schlimm, dass ich Depressionen bekam“, blendet er zurück. Mit Diagnosen kennt sich Dieter Maisch aus: Mehr als ein halbes Jahrhundert praktizierte er selbst als Nervenarzt, und die Türschilder an seinem Kirchheimer Anwesen erinnern noch heute an seinen Beruf.

Längst fühlt sich Dieter Maisch, der im Vorjahr ein zweites Mal heiratete, wieder wohl in seiner Haut. Bandscheiben und Lendenwirbelsäule bereiten ihm Weihnachten 2008 keine Probleme mehr, und die Last des Sinnierens ist der neuen Lust am Sporteln gewichen. „Seit der OP in München bin ich wieder schmerzfrei“, sagt er und hat die Intensität seiner täglichen Trainingseinheiten schon wieder gesteigert. 20 Minuten Aquajogging, 200 Meter Schwimmen, bis zu fünf Kilometer Laufband-Jogging und gymnastische Übungen nach wissenschaftlicher Anleitung – das ist es, was Dieter Maisch „verteilt auf den ganzen Tag“ im 92. Lebensjahr seinem Körper abverlangt. Demnächst wird‘s ihn zu Übungszwecken erstmals nach Jahren auch wieder ins Freie ziehen: „Bleibe ich gesund, laufe ich ab dem Frühjahr wieder richtige 1500-m-Runden im Kirchheimer Stadion. Die Tartanbahn dort tut meinen Gelenken gut.“

Wer rastet, der rostet. Das ist das Leitmotto, dem sich Dieter Maisch schon immer untergeordnet hat, und nicht erst im fortgeschrittenen Stadium einer Sportkarriere, die ihm als höchste Meriten Gold, Silber und Bronze bei diversen Senioren-Weltmeisterschaften eingebracht hat sowie den mehrmaligen Gewinn der deutschen Ärztemeisterschaft im Skilanglauf. Stolz präsentiert Dieter Maisch seine gewonnenen Pokale und Trophäen in den Regalen des Wohnzimmerschranks – und doch blickt er am liebsten voraus. „Man muss sich Ziele setzen“, sagt er und erfreut sich an der seit kurzem wieder gewonnenen Fitness, die ihn weit über den Durchschnitt seiner Alterskameraden hebt. „Jeder Tag ist ein Geschenk für mich“, sagt er.

Und so formuliert er, mit der Zukunfts-Frage konfrontiert, konkrete Ziele. Noch einmal wenigstens möchte er beim bekannten Stuttgart-Lauf starten, am liebsten schon 2009, und dann über die 7,5 Kilometer. Klappt‘s mit dem Unterfangen, wäre Dr. Maisch automatisch der Älteste im Feld – und damit neuer Rekordinhaber. „Die Teilnahme in Stuttgart ist ein absoluter Traum von mir.“