Lokalsport

Dr. Kaiser zerlegt den VfL

Kirchheimer Oberligakicker bleiben beim 0:4 in Gmünd vieles schuldig

Am Ende waren die Rollen klar verteilt. Ein Kaiser war der König des Spiels und die Kirchheimer standen wie Bettelmänner mit leeren Händen da – 0:4 (0:1) unterlag der VfL beim FC Normannia Gmünd und nach dieser desolaten Vorstellung schwindet so langsam die Hoffnung auf den Klassenerhalt in der Oberliga.

Anzeige

KLAUS SCHLÜTTER

Schwäbisch Gmünd. Besonders das, was die „Blauen“ nach der Pause boten, stimmt bedenklich. Wenn selbst die wenigen treuen Fans, die den VfL ins Remstal begleiteten, vorzeitig das Stadion verlassen, spricht das Bände. Trainer Rolf Baumann wählte drastische Worte: „Eine absolute Sauerei, wie sich die Mannschaft in der letzten halben Stunde präsentiert hat und durch nichts zu entschuldigen. Das habe ich den Jungs auch gesagt. Wenn wir am Freitag gegen Hoffenheim so weitermachen, kriegen wir acht Stück.“

Nichts klappte auf dem schmalen Kunstrasenplatz. Die Abwehr wackelte. Das Mittelfeld produzierte Fehlpässe am laufenden Band, die Missverständnisse häuften sich mit zunehmender Spieldauer. Die Stürmer versteckten sich hinter ihren Gegenspielern. Die dicksten Klöpse leistete sich der Torwart. Den ersten schon in der neunten Minute. Freistoß von der Seitenlinie, direkt vor der Trainerbank. Edgar Porada postierte sich am kurzen Pfosten. Steffen Kaiser, Herzchirurg am Kreiskrankenhaus Esslingen, war es dann, der beim VfL erste Beschwerden verursachte. Der Doktor (der Titel ziert auch sein Trikot) zirkelte den Ball über den Torhüter ins lange Eck. Das 1:0 – ein Zaubertor aus 35 Metern, begünstigt durch den Stellungsfehler Poradas.

Die Kirchheimer hätten es wissen und sich besser darauf einstellen müssen. Einen ähnlichen Treffer hatte das Schlitzohr schon beim Hinspiel erzielt. Außerdem kennen sie ihn nur zu gut: Steffen Kaiser hat wie sein Bruder Dominik jahrelang beim VfL gespielt. „Er hat halt die Qualität so ein Tor zu machen. Das war allererste Sahne“, lobte Normannen-Trainer Alexander Zorniger.

Der VfL ließ sich durch den frühen Rückstand vorerst nicht entmutigen, hielt dagegen und kam sogar zu zwei Torchancen – übrigens die einzigen, die aus Kombinationen entstanden. Söylemezgiller bediente Tunjic, doch ein Gmünder Abwehrbein vereitelte den Ausgleich (27.). Bei einem Rückpass von Ohran von der Torauslinie unterlief Kasunic in höchster Not beinahe ein Eigentor (32.).

Mit der Führung im Rücken ließ die Normannia den Gegner anrennen und verlegte sich aufs Kontern. Einer davon führte zur Vorentscheidung in der 50. Minute: Porada parierte einen Molinari-Schuss, den Abpraller staubte Mangold zum 2:0 ab. Und als Steffen Kaiser mit einem zweiten Geniestreich aufwartete, war die Partie endgültig entschieden. Wieder war der VfL-Torwart der Sündenbock. Erst eilte er aus dem Kasten, um vor dem Strafraum zu klären, kehrte jedoch gemächlich wie ein Spaziergänger zurück. Dr. Kaiser erkannte die Situation blitzschnell, zielte aus 30 Metern ins gähnend leere Tor. „Edgar hat zwei Mal richtig geschlafen. Aber ich glaube trotzdem nicht, dass wir ein Torwartproblem haben. Er hatte einfach zu wenig Spielerfahrung im letzten Jahr“, meinte Baumann.

Nach dem 3:0 ließ sich die Mannschaft hängen. Der VfL brach zusammen wie Sporting Lissabon in der Champions League gegen Bayern München. Mit dem 4:0 durch Molinari eine Minute vor Schluss war Kirchheim noch gut bedient.

Normannia Gmünd: Gruca – Zimmermann, Kasunic, Molner – Krätschmer (64. Göhl), Catizone, S. Kaiser (82. Cetin), Mangold, D. Kaiser – Molinari, Grampes (73. Faber).

VfL Kirchheim: Porada – Altinsoy, Thies, Kauffmann, Eisenhardt – Söylemezgiller (77. Kadrija), Ohran (60. Spina), Otto, Beran (60. Braha) – Tunjic, Laible.

Tore: 1:0 S. Kaiser (9.), 2:0 Mangold (50.), 3:0 S. Kaiser (60.), 4:0 Molinari (89.).

Gelbe Karten: Fehlanzeige.

Schiedsrichter: Jens Neuffer (Leonberg).

Zuschauer: 515.