Lokalsport

Drei Ski-Oldies auf WM-Kurs

Zwischen bloßes Hobby und blanken Leistungssport passt manchmal nur eine Skibreite. Wie es ist, sich auf dem schmalen Grat zwischen Berufsalltag, Familie und Wettkampf zu bewegen, wissen drei Ski-Oldies des TSV Weilheim nur allzu genau – Bernd Weiler, Jürgen Taxis und Dirk Breitinger vertreten Deutschland kommende Woche bei der Masters-WM in den USA.

Drei Ski-Oldies auf WM-Kurs
Drei Ski-Oldies auf WM-Kurs

Kirchheim. Eigentlich haben sie alle gar keine Zeit. Wer wie Jürgen Taxis (48) und Dirk Breitinger (47) selbstständig ist oder wie Bernd Weiler (46) einen Vorstandsposten bekleidet, findet für Freizeitbeschäftigungen nur selten Zeit. Vor allem, wenn sie knapp 9 000 Kilometer entfernt stattfinden. Doch die Aussicht, Deutschland bei der offiziell am Dienstag beginnenden Ski-Weltmeisterschaft der Senioren im kalifornischen Mammoth Lakes zu vertreten, war für das Trio aus der Wintersportabteilung des TSV Weilheim einfach zu verlockend, um nicht doch zehn Tage im Kalender freizuschaufeln.

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„Das ein absolutes Highlight“, freut sich Bernd Weiler, der mit seinen beiden Mitstreitern zum 40-köpfigen Team gehört, das der Deutsche Skiverband (DSV) entsprechend der Qualifikationskriterien zusammengestellt hat. Ausschlaggebend für eine Nominierung sind die Ergebnisse bei den bayrischen Meisterschaften und der Senioren-DM. Dass längst nicht jeder, der dort die nötigen Punkte ergattert, auch zur WM fährt, ist nicht zuletzt eine Frage des Geldbeutels – die Altersklassenathleten tragen die Kosten für ihre WM-Teilnahme weitestgehend selbst. Auch das Weilheimer Trio lässt sich den Ski-Spaß jeweils rund 2 500 Euro kosten. Die Vorfreude schmälert‘s nicht, im Gegenteil: „Wir arbeiten alle hart, da kann man sich das auch mal gönnen“, sagen sie, die alle schon seit frühester Kindheit auf Skiern stehen und ihr Können und Wissen regelmäßig dem Weilheimer Nachwuchs als Trainer vermitteln.

Der Trip gen USA begann für die drei und den Großteil des DSV-Teams gestern Nachmittag um 15.40 Uhr mit dem Flug von München nach Los Angeles, wo Flug 452 gegen 17.30 Uhr erwartet wurde. Von dort ging‘s für die deutschen Ski-Oldies, dessen ältestes Mitglied der 85-jährige Walter Gottstein aus dem Schwarzwald ist, auf eine rund fünfstündige Autofahrt in die Sierra Nevada, genauer gesagt nach Mammoth Lakes. Hier ermittelt der internationale Skiverband Fis von kommenden Dienstag bis Samstag die besten Altersklassenskifahrer der Welt beim „Worldcriterium Fis Masters Cup“, wie die Veranstaltung offiziell heißt.

Dass es sich dabei um weit mehr als ein Kräftemessen für Besserverdienende handelt, zeigt die Tatsache, dass sämtliche Altersklassen mit ehemaligen Top-Ranglistenfahrern gespickt sind. „Viele von denen könnten locker noch Europa-Cup fahren“, glaubt Dirk Breitinger.

Der gebürtige Neuffener stellt sich gemeinsam mit dem Weilheimer Weiler und dem Albershau­sener Taxis in der Altersklasse der 46- bis 50-Jährigen im Salom, Riesenslalom und Super G der Konkurrenz. Die wird, wie bei den Aktiven auch, von den Österreichern beherrscht und ist von allen Klassen die teilnehmerstärkste.

Dessen ungeachtet rechnen sich die Pisten-Oldies von der Limburg durchaus etwas aus. „Im Slalom könnte es unter die ersten zehn reichen“, spekuliert Bernd Weiler, im Februar immerhin deutscher Vizemeister in dieser Disziplin geworden. Dirk Breitinger, der aufgrund einer langwierigen Schulterverletzung in dieser Saison kaum Ski fahren konnte, und Jürgen Taxis peilen Plätze unter den Top 20 an. „Klar geht es bei so einer WM um den Sport, aber der Spaß steht auch im Vordergrund“, schmunzelt Taxis, der sich bei aller WM-Euphorie auch schon auf die Tage ohne Renntermin freut. „Letzte Woche hat‘s da über einen Meter Neuschnee gegeben“, frohlockt er – die eine oder andere Runde auf dem Schneemobil oder eine Tour mit dem Hundeschlitten sollten ebenso drin sein wie Abfahrten ohne Wettkampfgedanke.

Der kommt dafür an den Renntagen nicht zu kurz – neben der Hatz nach schnellen Zeiten spornt sich das Weilheimer Trio vor allem untereinander an. Wessen Zeitdifferenz zum jeweils anderen größer ist als das Ergebnis der selbst ausgedachten Spaß-Formel „Startnummer minus Jahrgang geteilt durch zwei“, hat verloren – der Wetteinsatz wird spontan festgesetzt.