Lokalsport

Dreimal geführt und doch verloren

In einer abwechslungsreichen Verbandsligapartie versäumten es die Kicker des VfL Kirchheim, bei der SpVgg 07 Ludwigsburg den ersten Auswärtssieg der Saison einzufahren. Trotz dreimaliger Führung unterlag die Rentschler-Crew vor 250 Zuschauern am Ende 3:4 (1:1).

HELGE WAIDER

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LUDWIGSBURG Es war schon fast kurios, was sich in 90 durchweg abwechslungsreichen Minuten im Ludwig-Jahn-Stadion in Ludwigsburg abgespielt hatte: Dreimal lag das Team von Michael Rentschler in Führung dreimal schafften die Barockstädter den Ausgleich und am Ende gar den Siegtreffer. Freundliche Unterstützung bei den Ludwigsburger Toren der zweiten Halbzeit leisteten dabei aktive Teile des VfL-Teams, das nach dem Schlusspfiff dann auch im Kollektiv am Boden zerstört wirkte.

Dabei hatte die Partie für das Team und die rund 50 Kirchheimer Schlachtenbummler höchst erfreulich begonnen. Bereits in der sechsten Minute hatte VfL-Goalgetter Cem Korkmaz bei einem Pressschlag im Mittelfeld den besseren Stand und ermöglichte so eine Flugbahn des Balles, die exakt bei Coskun Isci an der linken Strafraumecke endete. Isci fackelte nicht lange und schob das Spielobjekt aus zehn Metern zum 0:1 in die Maschen.

In der Folgezeit schafften es die VfL-Cracks trotz bester Möglichkeiten jedoch nicht, den Vorsprung auszubauen: Feriz Meha (9.) und Isci (14.) scheiterten am überragenden Ludwigsburger Schlussmann Robert Belosevic, Mario Grimm schob das Leder frei stehend am Tor vorbei (10.). Die Quittung für die offensiven Nachlässigkeiten folgte durch Mirco Schroff. Der Stürmer der Sportvereinigung nutzte eine Unachtsamkeit der VfL-Abwehr, angelte sich den Ball vor dem Kirchheimer Strafraum, umspielte VfL-Goalie Norman Volber und zog aus rund acht Metern ab. Der VfL-Schlussmann hatte zwar noch die Fingerspitzen dran, konnte dem platzierten Schuss aber keine entscheidende Richtungsänderung mehr geben: 1:1 (24.).

Danach verflachte die Partie etwas und nahm erst wieder im zweiten Spielabschnitt Fahrt auf. Offensichtlich aufgemuntert durch mehr oder weniger lautstarke Pausenansprachen der Trainer, entwickelte sich wieder die bisweilen hochklassige Verbandsligapartie, mit der beide Teams die 250 Zuschauer im ersten Spielabschnitt gut unterhalten hatten. Die Einheimischen bestimmten zunächst die Partie, sahen sich jedoch kurz darauf wiederum überrumpelt von der forschen VfL-Offensive: am Ludwigsburger Strafraum zelebrierte Korkmaz Fußball aus dem Lehrbuch: den Ball stoppen, drehen, schießen - Tor. Fast wie aus heiterem Himmel stand es 1:2 (51.).

Die Spielvereinigung stemmte sich gegen die drohende Niederlage, bedurfte allerdings der Kirchheimer Mithilfe, um wieder zum Ausgleich zu kommen. Ein Ballverlust von Alban Meha mündete in einen Ludwigsburger Konter, den Wolf zum 2:2 abschloss (56.). Kurz darauf machte Meha seinen Fehler wieder gut, setzte sich mit einer feinen Einzelleistung im Strafraum durch und flankte auf Korkmaz, der seinem Namen als Torjäger alle Ehre machte und mühelos das 2:3 markierte (63.).

Nun entwickelte sich ein offener Schlagabtausch zwischen beiden Teams, in dessen Folge der VfL den sprichwörtlichen Sack erneut hätte zumachen müssen. Isci scheiterte mit einem 17-Meter-Freistoß erneut an Teufelskerl Belosevic (67.) und Alban Mehas Schuss aus zehn Metern strich denkbar knapp über die Querlatte. Die Zuschauer verzückt bis entsetzt sahen danach den Fußball, wie er so oft karikiert wird: Das Auslassen von Chancen rächt sich. Nach einem Konter über Ümit Genc flankte dieser auf den eingewechselten Hasan Sert, der per Kopfball zum Ausgleich einnickte (79.). Nur eine Zeigerumdrehung später bediente Ludwigsburgs Linksaußen Michael Deiß den mitgelaufenen Wolf, der sich die Chance zum 4:3 nicht entgehen ließ. In nur zwei Minuten hatten die Barockstädter eine schon verloren geglaubte Partie gedreht.

Positiv blieb am Ende für die mitgereisten VfL-Fans wenigstens noch die Tatsache, dass sich die Mannschaft nicht aufgab und weiter auf den Ausgleich drückte. Doch bei den (guten) Chancen von Isci (87., 88) und Erenler (90., 90.+1.) stand mit Belosevic erneut Ludwigsburgs bester Mann im Weg, der der Sportvereinigung drei Punkte rettete und den VfL-Cracks die Nerven raubte.

SpVgg 07 Ludwigsburg:

Belosevic Baltsios (71. Adzic), Hajri, Schick, Bajrami Genc, Kevric, Kern (36. Sert), Deiß Schroff (74. Susan), Wolf.VfL Kirchheim:

Volber Kutscher, Fuchs, Eisenhardt, Er A. Meha (80. Eberhardt), Grimm, Raspe, Isci F. Meha (75. Erenler), Korkmaz.Tore:

0:1 Isci (6.), 1:1 Schroff (24.), 1:2 Korkmaz, (51.), 2:2 Wolf (56.), 2:3 Korkmaz (63.), 3:3 Sert (79.), 4:3 Wolf (80.).Gelbe Karten:

Schick, Genc, Wolf, Deiß Grimm, Erenler, Eberhardt.Zuschauer:

250.Schiedsrichter:

Uwe Hamel (Nordheim).