Lokalsport

Dünne Personaldeckezwingt zum Nachbessern

Die einzig positive Nachricht nach der 1:4-Pleite beim VfR Mannheim: Fußball-Oberligist VfL Kirchheim steht weiter auf einem Nichtabstiegsplatz. Doch es knirscht mittlerweile hinter den Kulissen. Das Spiel in der Kurpfalz zeigte deutlich auf, wie dünn die Personaldecke ist.

REIMUND ELBE

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MANNHEIM Der Blick auf den Spielberichtsbogen sorgte am Samstag für erstaunte Mienen bei Insidern: Weder der wieder genesene Kapitän Mario Grimm noch dessen Stellvertreter Ferdi Er waren beim so wichtigen Trip zum bis dahin punktgleichen VfR an Bord. Der (haupt)beruflich im Außendienst tätige Defensivakteur Grimm war offenbar kurzfristig seitens des Arbeitgebers abkommandiert worden und versetzte dem Trainergespann Michael Rentschler und Christian Hofberger den ersten Schlag.

Der zweite folgte: Ausgerechnet der womöglich wichtigste Leistungsträger des VfL, Ferdi Er, feierte am Samstag zeitgleich zur Partie in großem Kreise seine Verlobung erst ein paar Tage zuvor hatte er sich laut dem sportlichen Leiter Norbert Krumm für das wichtige Match in Mannheim abgemeldet. Vorfälle, die bei weitgehend unter professionellen Bedingungen arbeitenden Oberligaclubs wie dem FC Heidenheim, SSV Ulm 1846 oder SV Waldhof Mannheim undenkbar wären.

Hier wird das Dilemma für den Kirchheimer Oberligafußball deutlich: Mit dem Aufstieg ist der VfL genau in diesem Grenzbereich von Professionalität auf einer Seite und amateurhaftem Handeln auf der anderen gelandet, was wiederum Erinnerungen an die Regionalligasaison 1997/1998 weckt. Auch damals mussten die Kirchheimer des Öfteren bei Spielen unvorhergesehen auf Akteure verzichten. Legendär fast schon das samstägliche Warten auf Torjäger Harald Huber, der als Brief- und Paketzusteller oft bis in den Nachmittag hinein in der Geislinger Ecke die Post zustellen musste. Huber brachte das "Doppelleben" damals zumindest jede Menge mediale Aufmerksamkeit ein, seinem Trainer Andreas Kleinhansl die Ungewissheit um einen seiner wichtigsten Akteure jedoch einige graue Haare.

Rentschler und Hofberger müssen sich nun mit einer ähnlichen Thematik herumschlagen. Das Problem für das aktuelle Trainergespann ist aktuell freilich noch ein weiteres: Das Spiel in Mannheim hat gezeigt, wie abhängig der VfL von einzelnen Akteuren und wie dünn die Personaldecke ist: Anlass für die VfL-Abteilungsspitze um Dr. Jörg Mosolf, sich ernsthaft Gedanken über Verstärkungen zu machen.

Ulmer "Spatzen" kommenKurzfristig steht allerdings zunächst der nächste Härtetest an. Am kommenden Freitag (ab 19.30 Uhr) kommt es zum Hit an der Jesinger Allee: Ex-Bundesligist SSV Ulm 1846 rückt an. Unter der Regie des neuen Trainers Paul Sauter sind die Jungs aus der Donaustadt noch ungeschlagen und auf dem Weg zurück in die Regionalliga.

Zudem haben sie im Gegensatz zu den Kirchheimern keine Probleme damit, auch auf fremdem Terrain zu punkten.