Lokalsport

Dynamisch, druckvoll, dreistellig

106:84 – Kirchheimer Zweitliga-Basketballer überrennen überraschend den BV Chemnitz 99

Mit ihrem 106:84 (57:39)-Heimerfolg gegen den BV Chemnitz 99 am Nikolausabend beschenkte sich Basketball-Zweitligist VfL Kirchheim Knights selbst: Der Sieg brachte den siebten Tabellenplatz in der Pro A. Adam Baumann war mit 38 erzielten Punkten und 19 Rebounds herausragender Akteur in einem Team, das dynamisch, schnell und ganz nach dem Geschmack der Zuschauer spielte. Schöne Randnotiz: Clifford Crawford erzielte per Freiwurf den 100. Punkt in einer Begegnung, in der die Knights das erste dreistellige Ergebnis in dieser Saison erzielten.

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Kirchheim. „Wenn wir mit so viel Herz spielen, sind wir für alle Teams der Liga ein ernsthafter Gegner“, lobte Knights-Coach Frenkie Ignjatovic die Leistung seiner Mannschaft auf der Pressekonferenz – und genau mit dieser erfrischenden direkten Spielweise wurden dem Gast aus Chemnitz die Grenzen aufgezeigt. Ein statistischer Wert spricht auch eine eindeutige Sprache: 47:21 Rebounds zugunsten der Schwaben – die Überlegenheit am Brett war auch für Gästetrainer Thorsten Loibl der Hauptgrund für die deutliche Niederlage. „Wir ließen zu viele zweite Würfe der Kirchheimer zu. Unsere Verteidigung war heute viel zu weich. Diese Schwäche war der Schlüssel für die Niederlage.“

Die Knights starteten mit Tomasevic, Chennoufi, Baumann, Crawford und Heyden in die Begegnung. Nachdem die Gäste in Person von Torvoris Baker die ersten drei Punkte erzielten, nahm der Knights-Express schnell an Fahrt auf: Baumann sorgte für den zwischenzeitlichen Ausgleich und Philipp Heyden setzte mit seinem Dunk zum 6:3 gleich zu Beginn das erste Ausrufezeichen. Das Team war von der ersten Sekunde an hellwach und fand schnell den eigenen Rhythmus. Diesen zwängte man den Gästen auf und unterband so jeglichen Spielfluss der Sachsen. Während Chemnitz das schnelle Passspiel von Crawford, Tomasevic und Co. immer wieder durch Fouls stoppen musste, überzeugten die Knights durch eine aggressive Abwehr. Schnell wuchs die Foulbelastung der Gästemannschaft (bedenklich) an. Zudem musste Niners-Coach Loibl den Ausfall seines Centers Nate Gerwing verkraften, der sich Ende des ersten Viertels an der Schulter verletzte und von da an nicht mehr eingesetzt wurde. Unter den Augen von Weltklassesprinter Tobias Unger machten sich die Knights nun ihre körperliche Überlegenheit zu Nutze und zogen Punkt für Punkt davon, bis das erste Viertel durch Crawfords erfolgreichen Dreier in letzter Sekunde mit 31:19 endete.

In der Viertelpause versuchte Gästetrainer Loibl zu seinem Team durchzudringen – mit Erfolg. In den ersten Minuten des zweiten Spielabschnitts entstand ein offener Schlagabtausch mit Korberfolgen auf beiden Seiten, doch immer wieder kam vor allem Baumann frei zum Wurf und sorgte dafür, dass der Abstand nicht weiter schmolz.

Hornigs Comeback inspiriert die Ritter

Drei Minuten vor Ende der Halbzeit gab es einen besonderen Grund zum Jubeln: Unter dem Applaus der rund 1000 Zuschauer kehrte Andi Hornig nach langen Wochen der Verletzungspause endlich wieder auf das Spielfeld zurück, sicherte sich gleich einen Rebound und überzeugte durch einen Block. Mit ihm drehten die Ritter nochmals auf. Tomasevic, Baumann und Crawford punkteten, ohne dem Gegner einen Korberfolg zu gönnen und erhöhten den Vorsprung kurzfristig auf 24 Punkte. Der Halbzeitstand von 57:39 dokumentierte in erster Linie die überzeugende Offensivleistung der Ritter.

Während in der Pause zwei Zuschauer den erfolglosen Versuch starteten, den 500-Euro-Wurf im Korb zu versenken, herrschte bei den bis dahin überaus zufriedenen Fans leichte Ungewissheit: Würden die Knights dieses Niveau auch im zweiten Abschnitt halten können? Diesbezügliche Befürchtungen erwiesen sich durchaus als berechtigt, denn während die Ritter etwas nachlässig und unkonzentriert in den zweiten Spielabschnitt starteten, ließen die Niners nun ihre Klasse aufblitzen: insbesondere Terren Harbut und Torvoris ­Baker reduzierten den Abstand, und als Chemnitz’ jüngste Neuverpflichtung Harbut nach 28 Minuten Spielzeit durch seine Freiwürfe zum 63:69 verkürzte, war die Partie wieder offen. Doch die Knights hatten die richtige Antwort parat: Gordon Scott nahm das Heft in die Hand und versenkte gleich zwei Würfe jenseits der 6,25-m-Linie in der Reuse. Ignjatovic nach dem Spiel: „Gordon hat in dieser Spielphase eine entscheidende Rolle gespielt.“ Nach dem dritten Viertel hatten sich die Knights mit einem 10-Punkte-Vorsprung wieder ein bisschen Luft verschafft (77:67).

Im letzten Viertel bauten die clever spielenden Gastgeber den Vorsprung aus und hatten auf die Dreier eines Nikita Khartchenkov oder Andreas Worenz immer die bessere Antwort. Das erste dreistellige Ergebnis, erzielt durch Cliff Crafword, wurde von den Knights-Fans frenetisch bejubelt, Paul Howard und Wilu Lenger erhielten von ihrem Trainer ihre verdienten Spielminuten und Ziyed Chennpoufi krönte das Spiel mit einem spektakulärem Alley-oop – der Endstand von 106:84 bedeutete den siebten Saisonsieg der Knights.

Diese Leistung der Knights macht Laune auf mehr: Am kommenden Samstag laden die Knights zum letzten Spiel in diesem Jahr vor heimische Kulisse. Niemand anderes als die Bremen Roosters, bei denen der ehemalige Knights-Coach Pat Elzie als Manager unter Vertrag steht, geben sich ab 19.30 Uhr die Ehre in der Sporthalle Stadtmitte. bs

VfL Kirchheim Knights: Tomasevic 10 (1/4 Dreier), Chennoufi 2, Baumann 38 (3/8, 19 Reb.), Crawford 25 (1/2), Scott 15 (4/7, 5 Reb.), Lenger, P. Klemm n.e., Howard 1, T. Klemm 5 (1/4, 4 Reb.), Heyden 8 (8 Reb.), Hornig 2 (5 Reb.), Reichmuth n.e.

BV Chemnitz 99: Gerwig 3, Harbut 15, Ahnsehl, Scruggs 4, Khartschenkov 14, Speer, Rülke, Worenz 13, Pfeifer 7, Baker 15, Buchmiller 13, Ceccotti n.e.

Viertelergebnisse: 31:15, 26:24, 20:28, 29:17.