Lokalsport

Ehrgeiz ist da: Vesterling auf dem Weg zum Profi?

Ein local hero auf dem Weg nach oben: Durch seinen Sieg im B/C-Amateurrennen beim GP Kirchheim ist der Lenninger Karsten Vesterling vom Team Radsport Fischer&Wagner im erlauchten Kreis der A-Amateure angekommen, ab sofort vom Status her auf Augenhöhe mit Stefan Schumacher und Co ein erstes Duell mit dem Gerolsteiner-Profi wird's für den 22-jährigen Vesterling bereits in vier Wochen in Esslingen geben.

PETER EIDEMÜLLER

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KIRCHHEIM Die Zeiten, in denen seine Erfolge nur vom Fachpublikum beklatscht werden, sind seit vergangenen Sonntag vorbei. "Bei B/C-Rennen schauen normalerweise nur die zu, die sich auskennen", weiß Karsten Vesterling um das Los derer, die vor den Elite-Pedaleuren auf die Strecke müssen dieses Los teilt er ab sofort nicht mehr: Dank seines fulminant herausgefahrenen Sieges beim GP Kirchheim ist der 22-jährige Lenninger in den Rang eines A-Amateurs aufgestiegen, was ihm die Berechtigung für Starts bei Eliterennen ermöglicht es ist der vorläufiges Höhepunkt im Radsportlerleben eines Mannes, der auf alles andere als einen mustergültigen Karriereverlauf zurückblickt.

Begonnen hat die Erfolgsgeschichte des Karsten Vesterling beim Hobbyrennen auf dem Kirchheimer Alleenring vor vier Jahren. Nur aus Jux nahm der radsportinteressierte Pennäler an der Veranstaltung teil. "Das hat mir solchen Spaß gemacht, dass ich dabei geblieben bin", erinnert er sich. Nach einem Intermezzo beim damaligen Mountainbike-Club Lenninger Tal schließt sich Vesterling 2003 dem RKV Kirchheim an. "Ich wollte lieber Straßenrennen fahren", sagt er. Im Dress der zu diesem Zeitpunkt nur aus ihm bestehenden Radsportabteilung errang Vesterling im vergangenen Jahr erste Erfolge: So kündigte sein dritter Platz beim C-Amateurrennen im badischen Reute im Juni an, was wenige Tage später folgte: Der Sieg auf der sechsten Etappe des LBS-Cups in Fellbach beförderte ihn zum B-Amateur.

Im Rang eines solchen schmiedete Vesterling, inzwischen beim MTB Teck unter Stephan Paul trainierend, Anfang diesen Jahres große Pläne: Am Ende der Saison 2006 soll die A-Lizenz zu Buche stehen. Nötig dafür sind fünf Top-Ten-Platzierungen oder ein Sieg innerhalb einer Saison. Danach sah es im Frühjahr allerdings beileibe nicht aus: Eine vierwöchige Krankheitspause fesselte den gelernten Industriemechaniker inmitten der heißen Trainingsphase im März ans Bett. Nach diesem Rückschlag ging es ins Trainingslager nach Spanien, wo "ich richtig gut trainieren konnte", wie er sagt. Zurück in Deutschland der nächste Schock: Bedingt durch den Wechsel zum MTB Teck, wie er vermutet, traten Probleme mit seiner Lizenz auf. Bis vor zwei Wochen war Vesterling im Unklaren, ob der nationale Dachverband BDR seine B-Lizenz anerkennt, oder nicht. Das grüne Licht kam, aber "die ganze Saisonvorbereitung war alles andere als optimal", stellt er fest.

Umso erstaunlicher wiegt die Tatsache, dass er durch den Sieg in Kirchheim bereits in seinem zweiten Rennen 2006 sein Saisonziel erreicht hat. "Das ist schon eine geniale Sache", frohlockt er, "alles, was jetzt noch kommt, ist ein Bonus." So freut er, der momentan sein Abitur an der Technischen Oberschule in Nürtingen nachholt, sich bereits jetzt auf das Radrennen in Esslingen am 2. Juli, bei dem er das Eliterennen neben dem momentanen Überflieger Stefan Schumacher bestreiten wird. "Dass Stefan hier aus der Gegend kommt und jetzt so erfolgreich ist, bringt schon Zusatz-Motivation", sagt Vesterling, dessen eigener Aufstieg durchaus Parallelen zu dem des Nürtingers hat: Auch Schumacher hat innerhalb kürzester Zeit den Sprung über die C- und B-Amateure ins Profilager geschafft. "Ich habe bereits mehr erreicht, als ich vor Jahren zu träumen gewagt hätte", sagt Karsten Vesterling, "aber den Ehrgeiz, eines Tages in einem Profi-Team zu fahren, habe ich schon." Wer weiß, vielleicht kann man ihn im kommenden Jahr neben Schumacher schon als zweiten Profi beim GP Kirchheim begrüßen.