Lokalsport

Ein 19-Jähriger ärgert die Elite

Unter einem guten Stern standen die German Open in Bayreuth für die Frickenhausener Tischtennis-Profis. Ma Wenge, einer der ältesten Teilnehmer und Patrick Baum, Zweitjüngster im Feld, sorgten für Furore.

RALPH BAUER

Anzeige

BAYREUTH Sein Spitzname könnte jetzt Marathon-Mann werden. Sage und schreibe elf Spiele absolvierte Patrick Baum bei den German Open. Und bezwang dabei in der ersten Runde der Männer keinen Geringeren als Adrian Crisan. Was den 19-jährigen Jugendweltmeister selbst überraschte: "Ich hatte mir gegen Crisan zwar eine Chance ausgerechnet, aber nie mit einem so klaren Erfolg gerechnet." Mit etwas mehr Glück wäre Baum sogar der Sprung ins Viertelfinale geglückt. Mit 3:4 unterlag er jedoch dem Österreicher Robert Gardos.

Großen Respekt zollte Cheftrainer Dirk Schimmelpfennig seinem Schützling: "Er hat sehr konstant gespielt und auch in schwierigen Situationen nicht nachgelassen. Man hat gesehen, dass Patrick nicht auf dem Weg in die Nationalmannschaft, sondern schon dort angekommen ist." Dass Baum letztlich das Halbfinale der U21 gegen den späteren Sieger Taku Takakiwa verlor, schob Schimmelpfennig teilweise auch auf die Vielzahl der Spiele: "Sein Akku war da schon etwas leer."

Dass man mit 38 Jahren noch bestens in der Weltspitze mithalten kann, bewies Ma Wenge. Mit Siegen gegen Antonin Gavlas und Tang Peng spielte er sich ins Achtelfinale. Und musste sich dort dem späteren Finalisten Hou Yingchao beugen. "Ich hatte kein wirklich gutes Ballgefühl und war erleichtert, gewonnen zu haben", sagte Ma nach seinem Auftaktspiel gegen Gavlas. Weniger Glück hatte Bastian Steger. Bei den German Open in Magdeburg noch im Achtelfinale, verabschiedete er sich gegen den Spanier Wang Wei gleich zum Auftakt des Turniers. "Es war mein erstes Spiel hier überhaupt. Und dann auch noch gegen einen Defensivspieler, der schon Qualifikation gespielt hatte, das war schon schwer." Jetzt wolle er bei den Polish Open am kommenden Wochenende angreifen. Über Mas Leistung war er übrigens nicht erstaunt: "Er spielt schon seit Jahren gut mit."

Nicht nur die Spieler standen bei den German Open im Blickpunkt, auch Trainer Qiu Jian Xin. Er wurde am Samstag vor der Eröffnungsfeier vom Verband deutscher Tischtennis-Trainer zum Trainer des Jahres gekürt. Was dem TTC-Coach beinahe etwas peinlich zu sein schien, so scheu wirkte er dabei.

Den Sieg in Bayreuth holte sich schließlich Topfavorit Timo Boll. Mit einem 4:1 in einem begeisternden Finale gegen den chinesischen Abwehrspieler Hou Yingchao sicherte er sich auch eine Prämie von 17 000 Euro. Dabei sahen 3200 Zuschauer in der ausverkauften Oberfrankenhalle absolutes Weltklasse-Tischtennis. 1:3 lag Boll bereits zurück, drehte aber dann mit fulminanten Schlägen die Partie noch um. "Das war eines der besten Spiele meines Lebens", kommentierte er die Begegnung anschließend. "Die chinesische Nationalmannschaft war zwar nicht hier, aber viele Chinesen in vielen bunten Trikots", sagte Cheftrainer Dirk Schimmelpfennig zum Niveau des Turniers und spielte auf die Männer und Frauen aus dem Reich der Mitte an, die mittlerweile Kanada, Bulgarien, Österreich oder auch die Niederlande vertreten.