Lokalsport

Ein Adler in fremdem Revier

Wasser ist nicht unbedingt sein Element. Morgens um acht erst recht nicht. Doch wer beruflich vorankommen will, muss mitunter über den eigenen Schatten springen. Wohl dem, der sich mit großen Sprüngen auskennt: Für Skispringer Christoph Duffner stand gestern Morgen im Kirchheimer Hallenbad ein Teil der Aufnahmeprüfung für das Pädagogische Fachseminar auf dem Programm.

BERND KÖBLE

Anzeige

KIRCHHEIM Der Schreck steht ihm ins Gesicht geschrieben. Nein, Teil der Prüfung sei dies nicht, versichert ihm der Prüfer, der nach seinem Gaudisprung mit Salto rückwärts vom drei Meter-Turm des Kirchheimer Hallenbades feixend aus dem Becken steigt. Ein Adler mit Höhenangst? Man mag es kaum glauben. Gerade erst hat er die 50 Meter in passabler Zeit zurück gelegt. Die Kreismeisterschaften würde er damit nicht gewinnen. Es ist halt schon eine Weile her, seit er das letzte Mal gegen die Uhr geschwommen ist.

15 Jahre lang gehörte Christoph Duffner zum Kreis der deutschen Skispringer-Elite. Ruhig, zurückhaltend, bodenständig so kennt man den Schwarzwälder, der als Teamkollege von Dieter Thoma, Martin Schmitt oder Sven Hannawald den Höhenflug der DSV-Adler in den vergangenen Jahren mittrug. Die Mannschaftsgoldmedaillen bei den Olympischen Winterspielen 1994 in Lillehammer und bei der WM 1999 in Ramsau sind Erfolge, die Bestand haben. Inzwischen ist er 33 Jahre alt und hat dem Leistungssport im vergangenen Jahr Lebewohl gesagt.

Ein Schritt, den er nicht bereut, auch dann nicht, wenn die halbe Welt dieser Tage nach Oberstdorf blickt und seine ehemaligen Teamkollegen vor den beiden WM-Springen am Wochenende die letzten Trainingseinheiten absolvieren, während er sich mit 60 anderen Fachlehreranwärtern durch die Fluten des Kirchheimer Hallenbades pflügt. "Alles hat seine Zeit", sagt Christoph Duffner. "Was jetzt kommt ist ein neuer Lebensabschnitt." Die Ausbildung zum Fachlehrer für Technik und Sport ist das Wunschziel des gelernten Werkzeugmachers, der nun auf einen Platz am Pädagogischen Fachseminar in Kirchheim hofft. Auf die Idee brachte ihn Teamkollege Hans-Jörg Jäckle, der am Karlsruher Seminar bereits gezeigt hat, wie's geht.

Doch die Hürden der Aufnahmeprüfung sind auch für einen Vollblutsportler wie Christoph Duffner nicht im Flug zu nehmen. Wirtschaftskunde und Informatik stehen am Nachmittag auf dem Prüfungsplan. Ein bisschen Bammel davor hat er schon. 400 Bewerber kämpfen um einen Studienplatz, weniger als ein Viertel davon wird am Ende Erfolg haben. Ist er dabei, wird sich der sympathische 33-Jährige, der mit Freundin und Familie im Schwarzwaldstädtchen Schönwald lebt, für zwei Jahre zum Wahl-Kirchheimer wandeln. Auf dem Wohnungsmarkt hat er sich vorsorglich schon einmal umgeschaut. Einen wie ihn, der die Ruhe und Abgeschiedenheit liebt, zieht es eher hinaus an die Peripherie. "Kleine Dörfer gibt's hier ja genügend ", meint er skeptisch. "Nur das Zimmerangebot hält sich in Grenzen." Jetzt gilt es zunächst die Prüfung zu bestehen. Bis September ist es dann noch eine Weile hin.