Lokalsport

Ein Bahn-Trio jagt den Senkrechtstarter

Die erste Startreihe steht. Stefan Schumacher, Andreas Kappes, Andreas Beikirch und Lars Teutenberg so liest sich bisher das Fahrer-Stenogramm beim Großen Preis der Kreissparkasse am 12. Juni auf dem Kirchheimer Alleenring. Mit Stefan Schumacher hat das Rennen nicht nur seinen Lokalmatador. Mit dem Nürtinger kommt auch der deutsche Vizemeister nach Kirchheim.

BERND KÖBLE

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KIRCHHEIM Der Altmeister und der Aufsteiger des vergangenen Jahres. Mit dem Bremer Bahnspezialisten Andreas Kappes und dem Nürtinger Nachwuchsprofi Stefan Schumacher treffen am 12. Juni auf dem Kirchheimer Alleenring zwei Generationen im Radsport aufeinander. Für den 23-jährigen Nürtinger, der als eines der größten deutschen Nachwuchstalente gilt, brachte die Saison 2004 den großen Durchbruch.

Schumacher kommt als deutscher Vizemeister auf der Straße und frisch gekürter Kapitän des neu gegründeten holländischen Rennstalls Shimano-van Keulen nach Kirchheim. Bei den Niederländern unterschrieb Schumacher zu Saisonbeginn einen Einjahresvertrag. Damit ist er der bisher einzige Fahrer im Kirchheimer Starterfeld aus einem Continental Pro-Team. Als Lokalmatador ließ er sich nicht lange bitten. "Ich komme gern nach Kirchheim", sagt der 23-Jährige, den nach seiner Rückkehr von der Algarve-Rundfahrt, die er erkältungsgeschwächt mit Platz elf beendete, noch immer Halsschmerzen plagen. "Das Rennen liegt vor meiner Haustür, die Atmosphäre ist super und zu verdienen gibt es schließlich auch noch etwas." Damit ist klar, dass Schumacher nicht zum reinen Spaß in Kirchheim an den Start gehen wird. "Ich komme, um zu gewinnen", meint er selbstbewusst.

Das freilich werden ihm andere streitig machen wollen. Altmeister Andreas Kappes beispielsweise, der mit seinen 39 Jahren noch immer auf der Bahn für Furore sorgt. Der fünfmalige Tour-de-France-Teilnehmer und Etappensieger beim Giro d'Italia 1988 hat inzwischen mehr als 100 Six Days auf dem Buckel und holte 2003 an der Seite von Andreas Beikirch den Europameistertitel im Zweierteam. Spätestens nach dem überragenden Sieg beim Bremer Sechstagerennen gelten Beikirch und sein Partner Robert Bartko als das neue deutsche Traumduo auf der Bahn. Mit dem 34-jährigen Westfalen hat sich Kirchheims Renn-Organisator Johannes Dornhofer ein weiteres Zugpferd vor den Karren gespannt. Für Spannung ist also gesorgt, verspricht Dornhofer, der sich dieser Tage im Spagat zwischen engem Kostenrahmen und attraktivem Starterfeld übt. Trotz reger Sponsorenbeteiligung und der Tatsache, dass die Stadt mit 2 500 Euro für Absperrgitter erstmals Bares zuschießt, muss das Rennen in diesem Jahr mit einem um zehn Prozent geringeren Budget auskommen. "Die Veranstaltung ist auf dünnes Eis gebaut", sagt Dornhofer, der die Hälfte des Starterfeldes mit Profis besetzen muss, um das Rennen international ausschreiben zu können.

Dafür liest sich auch die zweite Reihe der bisher gemeldeten Fahrer noch ganz gut. Mit Lars Teutenberg etwa, dem Siebtplatzierten beim Stuttgarter Sechstagerennen im Januar oder Jan Bratkowski, der soeben bei Lamonta unterschrieben hat und eigentlich aus dem Mountainbikesport kommt. Auf Letzteren hält Dornhofer große Stücke. "Ein Exzent-riker mit Riesentalent."

A propos Mountainbike: Der nach hinten verlegte Renntermin lässt die Veranstalter zwar auf angenehmere Temperaturen hoffen, dafür sind Kollisionen im Terminkalender vorprogrammiert. Zeitgleich mit dem Rennen auf dem Alleenring fahren die Mountainbiker ihre Deutschen Meister aus. Damit steht fest: Die beiden Fumic-Brüder werden die Kirchheimer Fans auch in diesem Jahr am Start vergeblich suchen. Dasselbe gilt für die Siegerin von 2003 und Bronzemedaillengewinnerin von Athen, Sabine Spitz, bei den Frauen.

Dafür verspricht der neue Streckenverlauf ein Mehr an Spannung. Durch die Bauarbeiten am Schweinemarkt rückt mit der Marktstraße das Kernstück der Fußgängerzone ins Zentrum des Geschehens. Vor dem Rathaus, am Marktplatz oder beim Wachthaus werden die Zuschauer direkt hinterm Absperrgitter sitzen. "Das ist Sixdays-Feeling unter freiem Himmel", meint Johannes Dornhofer, der sollte sich der neue Kurs bewähren auch 2006 daran festhalten will.