Lokalsport

Ein Beurener in der Bundesliga

Er ist drauf und dran, den Sprung in den Profikader des VfB Stuttgart zu schaffen und dadurch zum bis dato berühmtesten Sohn seines Heimatortes Beuren zu werden: Christian Gentner, 19-jähriges Fußball-Talent mit Vergangenheit beim VfL Kirchheim.

PETER EIDEMÜLLER

Anzeige

BEUREN Für sein Vorhaben, im Dress der "Roten" zum Profikicker zu avancieren, scheint Christian Gentner im richtigen Sternzeichen geboren zu sein: "Löwe steht für festes Wollen" so das astrologische Psychogramm für jene Menschen, die zwischen dem 23. Juli und dem 23. August das Licht der Welt erblickt haben. "Ich will mich durchsetzen". Damit unterstreicht der am 14. August 1985 in Nürtingen geborene Youngster dieses Charakteristikum mit Nachdruck.

Seine ersten fußballerischen Gehversuche machte der zweitälteste von drei Brüdern beim TSV Beuren. Sein damaliger Trainer Markus Nuffer erinnert sich: "Der hat schon als ganz junger Spieler gewusst, was er will." Nuffer zeichnete von 1992 bis 1998 verantwortlich für den Werdegang Gentners. Als erster Trainer des Talents ist er natürlich "mächtig stolz" auf seinen ehemaligen Schützling.

Dieser verließ das Beurener Lettenwäldle 1998 in Richtung VfL Kirchheim. In der dortigen C-Jugend kreuzte er unter anderem den Weg von Antonino Singh, heute mit sieben Treffern erfolgreichster Torschütze der VfL-Verbandsligatruppe. Der Beurener zog damals das Interesse eines "Spähers" der VfB-Jugendabteilung auf sich, der in Kirchheim kein Unbekannter ist: Hansi Kleitsch. "Ja, Christian ist mir als technisch versierter Spieler aufgefallen", erinnert sich Kleitsch knapp sechs Jahre später. Der seit 1996 am Cannstatter Wasen als Jugendtrainer tätige Kirchheimer holte Gentner 1999 zum VfB. Ein Schritt, der sich auszahlen sollte.

Unter Kleitschs Ägide reifte Christian Gentner zum Führungsspieler, erzielte in zwei Jahren in der A-Jugend "viele wichtige Tore" (Kleitsch) und holte 2003 zusammen mit dem VfB seinen ersten großen Titel: Deutscher A-Jugendmeister.

Direkt aus der Jugend kommend schaffte der 1,87 Meter große Mittelfeldspieler, der seine größte Stärke in seinem Ehrgeiz sieht, zu Beginn dieser Saison den Sprung in den Regionalligakader. "Seit der Winterpause trainiere ich bei den Profis mit", sagt der Shooting-Star aus dem Kurort, "und eigentlich hatte ich noch gar keine Zeit, um irgendwie nervös zu werden." Anlässe hätte es jedoch genügend gegeben: Vor zwei Wochen fand er sich nach eigener Aussage völlig überraschend auf der Bank gegen Hertha BSC Berlin wieder. Acht Minuten vor Ende der Partie durfte er dann zum ersten Mal Bundesliga-Luft schnuppern. Drei Tage zuvor hätte er eigentlich mit der U 19-Nationalmannschaft in Bochum gegen Italien auflaufen sollen, als plötzlich das Handy klingelte. "Die sagten mir, ich müsse zum UEFA-Cup-Spiel nach Parma kommen, der Trainer wolle mich auf der Bank haben." So flog er kurzerhand dem VfB nach Parma hinterher. Im Rückspiel vor zehn Tagen wurde er in der 105. Minute für Markus Babbel eingewechselt obwohl der VfB ausschied, war es der bisher größte Moment seiner jungen Karriere.

Der rasante Aufstieg hat ihn laut seines Vaters Herbert Gentner ("Ich gucke schon, dass er auf dem Teppich bleibt") nicht abheben lassen. Auch die Tatsache, dass sein Marktwert im Internet (www.transfermarkt.de) auf 250 000 Euro beziffert wird, lässt den charismatischen Beurener nicht ausflippen. "Das wusste ich ja noch gar nicht", gibt er schmunzelnd zu. Im Herbst letzten Jahres hat er einen bis 2008 laufenden Profivertrag beim VfB unterschrieben, der ab der neuen Saison gelten wird. Momentan hat er noch Amateurstatus inne, setzt aber alles auf die Karte Berufsfußballer. Sollte dies je nicht klappen, könnte er sich einen Job im kaufmännischen Bereich vorstellen: Gentner hat seine Fachhochschulreife am Berufskolleg in Nürtingen erworben.

Das heutige Bundesligamatch gegen Arminia Bielefeld muss er übrigens von der Tribüne aus verfolgen. "Ich bin nicht im Kader", sagte er nach dem gestrigen Abschlusstraining.