Lokalsport

Ein Ex-Handballer stellt sich der unbarmherzigen Hatz

Extremsport Der Notzinger Kim Julian Nestel fiebert dem Transalpine-Run über 264 Kilometer entgegen.

Notzingen. Er weiß noch nicht, was ihm bevorsteht, aber er ahnt es: Der Notzinger Kim Julian Nestel startet am kommenden Sonntag beim Transalpine-Run. 264 Kilometer, 16 000 Meter Höhenunterschied allein im Aufstieg, sieben Etappen mit teils über 40 Kilometern mitten in den Alpen über teils extrem schmale Pfade: Was der 27-Jährige zusammen mit seinem gleichaltrigen Laufpartner Moritz Hirche bis zum 9. September plant, klingt furchterregend und aufregend zugleich.

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„Unser Ziel ist es, verletzungsfrei zu bleiben und anzukommen“, sagt Nestel zurückhaltend, aber mit tatendurstigem Unterton. Die Defensivtaktik - verständlich. Erst vor rund 20 Monaten hat der ehemalige Handballer des TV Reichenbach und HC Wernau mit intensivem Langstreckentraining begonnen. „Inspirierend für mich war ein Internetvideo über den Goretex-Transalpine-Trail“, erinnert sich der hauptberufliche Kommunikationstrainer. Diese „Gänsehautatmosphäre“ gipfelte im Wunsch, an enem Ultralauf teilzunehmen.

Zur konkreten Umsetzung benötigte er allerdings einen Mitstreiter. Das Event basiert auf dem Gedanken, dass zwei Läufer gemeinsam als Team die Strecke absolvieren. In seinem einstigen Studienkollegen Moritz Hirche aus Frankfurt fand Nestel den entsprechenden Laufpartner. „Seit Januar haben wir uns vorbereitet, wöchentlich im Schnitt rund 80 Kilometer zurückgelegt“, so der Notzinger. Dies ist zwar kein sonderlich hoher Umfang für ambitionierte Langstreckenläufer, aber laut Nestel wolle man schließlich „nicht vorne mitlaufen, sondern durchkommen“.

Am Start mit 300 Teams

Die unbarmherzige Hatz über die Alpen werden rund 300 Teams unter die Laufsohlen nehmen. Für Nestel und Co. führt das Rennen von Fischen im Allgäu aus über die Grenze nach Österreich Richtung Lech und Sankt Anton am Arlberg. Weiter geht es dann über Landeck hinüber in die Schweiz bis nach Saumnaun. Im Engadin ist eine weitere Zwischenstation, ehe das Teilnehmerfeld die italienische Grenze passiert und am Stilfserjoch haltmacht. Das anspruchsvolle Finale hinauf ins fast 2 000 Meter hoch gelegene Sulden am Ortler ist Abschluss der sportlichen Extremveranstaltung.

„Wir wollen ankommen“, unterstreicht Nestel und weiß, warum. Beim Zieleinlauf nach der siebentägigen Tortur sind Emotionen garantiert. „Der Lauf zählt zu den härtesten Etappenrennen der Welt und ist bereits legendär“, schwelgt der Notzinger und freut sich dabei weniger auf die zu erwartenden Qualen, als auf das Erlebnis. „Die wunderschöne Kulisse der Alpen bestaunen, neue Freundschaften schließen, tolle Trails und spektakuläre Downhills sind der große Reiz, dabei zu sein.“ All das hat sich der Läufer aus der Teckregion neben einem erfolgreichen Rennen auf den Wunschzettel geschrieben.

„Vor zwei Jahren konnte ich mir nicht vorstellen, auch nur 15 Kilometer am Stück zu joggen“, blickt Kim Nestel zurück - jetzt stehen ihm 264 Kilometer in sieben Tagen bevor.Reimund Elbe

„Die Läufe werden immer extremer“

Wie schnell sich das Rad der Zeit in Sachen Extremlauf dreht, weiß der Nürtinger Peter Born. 30-mal absolvierte er den 100-Kilometer-Lauf von Biel, davon gleich mehrfach unter den Top 50. Mit einer Zeit von 7,43 Stunden hielt Born zudem lange Jahre den Kreisrekord im 100-Kilometer-Lauf. „Damals, in den 80er-Jahren, war gerade der Lauf in Biel mit dem Start in die Nacht hinein um 22 Uhr noch das Nonplusultra für Laufabenteuer“, sagte der 69-Jährige, „heute sind die Wettkämpfe allerdings noch extremer und erlebnisreicher geworden.“rei