Lokalsport

Ein guter Tag

Nun ist es also beschlossene Sache. Sollte sich nicht noch wider Erwarten politischer Widerstand regen, wird im Frühsommer in Kirchheim ein multifunktionales Zentrum für den Vereinssport gebaut. Das Votum der VfL-Vertreter am Freitagabend war klarer als dies die vorausgegangene Debatte erwarten ließ. Auch wenn das Urteil der 160 Stimmberechtigten nur wenig über das wahre Meinungsbild unter den mehr als 4 000 VfL-Mitgliedern auszusagen vermag, für diejenigen, die das Projekt nun auf den Weg bringen müssen, ist es ein wichtiges Signal und ein klarer Auftrag. Das in sie gesetzte Vertrauen zu bestätigen, liegt nun an Verein und Stadt. Etwa bei der Neuordnung der Spielflächen beim Stadion, die für die Fußballer und deren Jugendarbeit von großer Bedeutung sind.

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Die emotional, zuweilen hitzig geführte Debatte am Freitag hat aber auch gezeigt: Die Skepsis ist nach wie vor groß. Schon deshalb, weil es auf entscheidende Fragen keine klaren Antworten gibt. Dass die Umsatzprog­nosen der Marktanalysten den Erwartungen hinterherhinken könnten, ist ein Szenario, das im Gesamtkonzept nicht vorgesehen ist. Es gibt keinen Plan B, das können auch die flammendsten Plädoyers nicht entkräften. Dennoch: Sechsstellige Gewinnbeträge und Aufnahmestopps in den Vereinszentren landauf landab lassen sich ebenso wenig leugnen.

Auf den demografischen Wandel ist Verlass, dafür genügte am Freitag ein einziger Blick in den Saal. Mit Verlaub: Der Altersdurchschnitt derer, die dort zur Abstimmung schritten, lag jenseits der Regionen, in denen man nach menschlichem Ermessen die Lebensmitte verortet. Das schürt naturgemäß Berührungsängste. Wer über Jahrzehnte in traditionellen Vereinsstrukturen verhaftet war, tut sich schwer, den Verein als Dienstleister zu begreifen und damit zu akzeptieren, dass er als solcher ein unternehmerisches Risiko trägt.

Ein Risiko, das einzugehen lohnt, wenn man die Fakten nüchtern betrachtet. Wer den Verein als sozialen Aufgabenträger anerkennt und ihn als dynamischen Ort in der Gesellschaft erhalten will, dem bleibt keine Wahl. Nicht nur für den VfL, für alle, denen der Sport in Kirchheim am Herzen liegt, war der Freitag deshalb ein guter Tag.BERND KÖBLE